Bericht für den 10. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: My big fat Greek Bailout

 

Nicht nur Banken sind too big to fail, sondern nun anscheinend auch Staaten. Und während die Banker vor Übermut und Arroganz nur so strotzen und sich weiterhin riesige Boni ausschütten, werden wir wohl ein ähnliches Phänomen bei den zu rettenden Staaten sehen.

 

Mit der Drohung wenn wir fallen, dann fallt auch ihr mit, kann man Deutschland gut in Geiselhaft nehmen. Parallel streikt man weiter wie gehabt und genießt seinen Espresso an der Küste und lässt die Beine an der Ägäis baumeln. Das ist eine andere Art der Champagner-Laune, die wir von den Bankern kennen.

 

Bloomberg berichtet heute unter dem Titel Germany Said to Consider Greek Aid Beyond Guarentees, dass die Hilfen für die Griechen wohl über eine Garantie für deren Schulden hinausgehen wird. Zu gut deutsch: Es wird Geld nach Griechenland fließen. Und plötzlich scheint man trotz der anti-bailout Klausel eine Reihe von Möglichkeiten gefunden zu haben, wie man Griechenland Geld zufließen lassen kann.

 

Der Bericht verweist auch auf einen Frank Schäffler von der Umfaller-Partei FDP, der kritisiert, wohin die Politik der Verschuldung eigentlich hinführe: Zu Bailouts selbst auf Staatenebene. Wir helfen keinen Alkoholiker, wenn wir ihm eine weitere Pulle Schnaps reichen, wird der FDP-Politiker zitiert. Na das hat er wohl noch nicht mit seiner Regierungs-Chefin besprochen, die in solchen Fällen immer besonders großzügig agiert. Natürlich bleibt sie bei Fragen, wie man den deutschen Steuer-Michel entlasten könnte, hart wie Krupp-Stahl.

 

Man muss schon Bloomberg lesen, um Details zu erfahren. In den deutschen Medien herrscht funkstille. Die Web-Seite des Ersten wirbt für Düsseldorf Helau. Über Griechenland lässt man sich nur insoweit aus, als dass der Streik den Luftverkehr lahmlege. Und auf der Seite des ZDF träumt Osnabrück vom Pokal. Griechenland ist auch hier nur ein Thema wegen des Streiks.

 

Die deutschen Medien haben uns schon in den Jahren 2007 und 2008 die Finanz-Krise unterschlagen. Während sich Wall Street Journal, Financial Times und andere englischsprachigen Medien zumindest bemühten, das Thema seinen Lesern begreiflich zu machen, gab es in Deutschland nur Schweigen.

 

Da haben wir uns mit Karneval, Fußball und dem Asozialen-TV eine schöne Brot und Spiele Gesellschaft herangezüchtet. Und ab und zu senkt unsere Bundespopulistin im Circus Maximus den Daumen über diejenigen, die es wagen, sich diesem Wahnsinn durch Steuerboykott zu entziehen. Der Blutdurst des gemeinen Volkes muss ja schließlich gestillt sein.

 

Während man floskelartig wiederholt, dass Karthago – sorry ich meine natürlich die Schweiz oder andere Steuerparadiese – zerstört werden muss, kann man in Ruhe den My big fat Greek Bailout vorbereiten.

 

Auch der legendäre Investor George Soros ist nach Berichten der FTD bester Stimmung. Wahrscheinlich hat er sich auf dem Höhepunkt der Krise billig mit ausreichend griechischen Papieren versorgt, so dass er an dem Bailout gut verdienen kann. Mit diesem Gewinn-Potential im Hintergrund lässt es sich eben gut Ratschläge an die EU-Staaten nebst Griechenland machen.

 

Man kann nur hoffen, dass sich das Geschwür der Staatsbankrotte nun auch innerhalb der starken Staaten ausbreitet. Denn was hier getrieben wird, ist nur eine weitere Lebensverlängerung unter großen Qualen. Frau Merkel: Wir wollen nicht mehr – weder Sie noch Ihre Bailouts.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Immer wenn am Vortag das Gold-Kartell den Anstieg auf zwei Prozent begrenzen musste, steht Gold am nächsten Tag unter Druck.

 

Interessanterweise hat sich der Gold-Preis zum Ende des COMEX-Handels trotz des auf 80 Punkte (USDX) gestiegenen US-Dollars nur um einen Dollar auf $1.074,40 verringert. Zwischendurch sahen wir Kurse bis $1.063.

 

Es gab heute eine Reihe von Nachrichten, die man in der einen oder anderen Form interpretieren konnte. Die FED hat angekündigt, ihre Geldpolitik wieder zu verschärfen. Das kam von Ben Bernanke höchstpersönlich. Aber in Wirklichkeit hat er nicht mehr erzählt, als was das letzte Meeting des Offenmarkt-Ausschusses (FOMC) der FED bereits beschlossen hatte: Bestimmte Ankaufs-Programme werden auslaufen.

 

Nachdem zwei Stunden vor Beginn des Handels in New York Gold um die Marke von $1.080 schwankte, ging es mit dem Gold-Preis gleich am Anfang der COMEX südwärts. Um kurz nach 16:00 Uhr MEZ, d.h. dem Zeitpunkt des Londoner P.M. Fixings, fiel Gold plötzlich von $1.072 auf $1.063. Der P.M. Fix kam mit $1.069,50 (EUR 779,52) wenige Minuten zuvor noch sieben Dollar höher zustande.

 

Das Gold-Kartell ist anscheinend sehr aktiv, denn in den nachfolgenden Stunden konnte sich Gold wieder bis $1.074,40 zum Schluss des Handels an der COMEX erholen, ohne dass der Dollar signifikant gefallen wäre. Mit 80,0 (USDX) stand er heute 0,2 Punkte höher als gestern.

 

Zwischendurch hatte der Dollar mit 80,3 sein Tageshoch erreicht, nachdem Gerüchten zufolge der Bailout von Griechenland doch nicht stattfinden würde. Dieser Dollar-Anstieg konnte Gold aber in der zweiten Drückungs-Welle nicht unter die Marke von $1.063 treiben.

 

Genug ist genug mit dem Dollar/Euro-Spiel, was man uns die letzten Tage vorgeführt hat. Gold hat heute unter Beweis gestellt, dass es doch nicht so sensibel auf Wechsel-Kursschwankunden reagiert, wie wir es die letzten Wochen gesehen haben.

 

Die US-Treasuries (10-jährige Notes) sind in ihrem Real-Zinssatz heute auf 3,7 Prozent gestiegen. Irgendwie ist die Situation auf den Märkten undurchsichtig – denn zum einen haben die USA für den Dezember 2009 heute ein Rekord-Defizit gemeldet. Auf der anderen Seite versucht Bernanke mit seinen Aussagen das US-Dollar-System zu stabilisieren. Dabei hilft ihm die prekäre Situation des Euros.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.075,50

(€780,31)

$1.068,00

(€778,03)

+ $7,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.069,50

(€779,52)

$1.071,25

(€779,54)

- $1,75

COMEX Schlusskurs

$1.074,40

$1.075,40

- $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,0

79,8

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,6 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,6

22,2

- 0,6

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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