Bericht für den 16. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Immobilienkrise 2 ante portas

 

Während die Regierungen und Notenbanken weltweit den Anleihe- und Hypotheken-Markt für private Immobilien stabilisiert zu scheinen haben, droht nun Gefahr von einer anderen Seite: Vom Markt der gewerblichen Immobilien.

 

Dieser ist in den Vereinigten Staaten nach einem heutigen Bericht des Düsseldorfer Handelsblatts mit $6.700 Milliarden ein Vielfaches größer, als der Subprime-Markt mit $1.300 Milliarden. Zur Erinnerung: Der sich seit dem Jahr 2006 abzeichnende Zusammenbruch des Subprime-Marktes hat wesentlich dazu beigetragen, die Finanz- und daraus folgende Wirtschafts-Krise auszulösen.

 

Wieder einmal befürchtet man einen Test der Stabilität des Finanzsystems. Und daraus abgeleitet eine Gefährdung des mit staatlichen Schulden mühsam aufgepäppelten Wirtschaftswachstums.

 

Bürogebäude, Einkaufszentren und Wohnblocks leiden unter steil ansteigenden Leerständen. Bei der Neuverhandlung von Verträgen bisheriger Mieter müssen die Vermieter zum Teil erhebliche Abschläge in Kauf nehmen. Die Folge sind Monat für Monat ansteigende Ausfälle für Anleihen, die mit Gewerbeimmobilien gedeckt sind, die sogenannten commercial mortgage-backed securities (CMBS).

 

Das Handelsblatt führt das Beispiel der New Yorker Stuyvesant Town zu Illustration an: Die Immobilien-Firma Tishman Speyer und der Fond Blackrock hatten den 11.200 Apartments umfassenden Komplex 2006 für eine Rekordsumme von 5,4 Mrd. Dollar erworben und dazu 4,4 Mrd. Dollar Fremdkapital aufgenommen. Wegen der Rezession konnten sie die Mieten nicht erhöhen. Im Gegenteil: Die steigenden Leerstände in Manhattan trafen auch ihr Objekt. Zudem brach der Wert der Anlage auf unter 2 Mrd. Dollar ein. Ende Januar gaben sie die Hoffnung auf und ließen die Kredite platzen. Das Objekt ist pleite.

 

Es ist schon interessant zu beobachten, wie schnell aus einem Objekt, dass vor kurzem noch für $5,4 Milliarden gekauft wurde, plötzlich nur noch knapp $2 Milliarden wurden. Stuyvesant Town hat mehr als 60 Prozent seines Wertes verloren, die Investoren eine Milliarde Dollar an Eigenkapital und die finanzierenden Banken $2,2 Milliarden.

 

Sicherlich verläuft die Entwicklung generell nicht so extrem, wie in dem seit Jahren besonders heißgelaufenen Markt für Gewerbeimmobilien in Manhattan. Aber viele Besitzer, die sich trotz hoher Verluste noch über Wasser halten können, haben ein anderes Problem. Dass nämlich ein Teil der Kredite über die nächste Zeit refinanziert werden muss. Und wenn es überhaupt einen Anschluss-Kredit für das Objekt gibt, dann zu wesentlich schlechteren Konditionen.

 

Die Deutsche Bank schätzt nach dem Bericht, dass bis zum Jahr 2013 Anschluss-Finanzierungen von $1.400 Milliarden erforderlich seien. 65 Prozent davon seien Problem-Fälle, die ebenfalls in der Insolvenz landen könnten.

 

Große Banken, die derzeit massive Gewinne aus dem Eigenhandel erwirtschaften, können diese Kreditausfälle noch kompensieren. Den kleinen und mittelgroßen regionalen Banken können diese Ausfälle jedoch das Genick brechen. Wir werden also auch weiterhin zwangsübernommene Banken sehen --- die Größe der Oligopol-Banken wird also weiter zunehmen.

 

Das Problem ist aber anscheinend nicht nur in den USA präsent. Wie bei den Subprime-Darlehen haben sich auch eine Reihe von europäischen Banken an dem bislang lukrativen Geschäft mit CMBS beteiligt. Ein Beispiel ist die Beteiligung der Deutschen Bank an einem Großprojekt in Las Vegas.

 

Und wie sollte es in dieser Situation anders sein: Es wird wieder nach staatlichen Hilfen gerufen. Diese werden nicht lange auf sich warten lassen, wenn eine erneute systemgefährdende Pleiten-Welle bei Banken droht.

 

An weltweit steigende Staats-Schulden, die mit frisch gedruckten Dollars von der Notenbank monetarisiert werden, werden wir uns wohl die nächsten Jahre gewöhnen müssen. Bis das Kartenhaus irgendwann einmal endgültig zusammenbricht.

 

Es gibt derzeit eigentlich nur Gründe, seine Gold-Bestände weiter aufzustocken. In unserem jetzigen Papiergeld-System kann man mittel- und langfristig nur verlieren.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die gestrige Preis-Entwicklung beim Gold konnte sich heute mit wiedereröffneten US-Märkten bestätigen und sogar noch fortsetzen.

 

Erneut konnten wir historische Höchstkurse in Euro beobachten: EUR 816,32 ($1.115,25) zum A.M. Fix und EUR 816,67 ($1.115,25)  zum P.M. Fix. Im Tagesvergleich gewann Gold neun Euro beziehungsweise acht Euro.

 

Nach 15:00 Uhr MEZ fiel plötzlich der US-Dollar Index von 80,2 auf 79,6. Anscheinend hat die FED zugunsten des Euros interveniert und US-Dollar gegen Euro verkauft. Während der Euro heute um 1,2 Prozent gegenüber dem Dollar zugenommen hat, konnte sich der Schweizer Franken nur um 1,0 Prozent gegenüber dem Dollar erholen.

 

Unter dieser Aktion litt dann allerdings der Goldpreis in Euro. Kurz vor der Intervention zu Gunsten des Euros stand das gelbe Metall noch bei EUR 818. Am Ende stand Gold dann nur noch bei EUR 812 pro Feinunze. Das lag daran, dass Gold am Tag in US-Dollar nicht mehr als zwei Prozent steigen darf. Vor der Intervention stand Gold bei $1.115 – nach Hebung des Euros konnte sich Gold allerdings nur bis $1.120 befestigen, was einem Anstieg um zwei Prozent entspricht. Die in US-Dollar nicht sichtbare Drückung machte sich im Euro-Preis bemerkbar.

 

Der US-Dollar Index sank heute von 80,4 auf 79,7. Ein Großteil des Rückgangs ist auf den haussierenden Euro zurückzuführen. Ein Zerfall des Euro mit einer Währungs-Union der Nordländer (Deutschland, Österreich, Niederlande) ist für den US-Dollar eine größere Konkurrenz als der durch die Südländer schwach gehaltene Euro. Die USA haben deshalb kein Interesse am Zerfall des Euros.

 

 

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.115,25

(€816,32)

$1.099,50

(€807,21)

+ $5,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.115,25

(€816,67)

$1.098,25

(€808,07)

+ $7,00

COMEX Schlusskurs

$1.118,20

kein Handel

 

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,7

80,4

- 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

kein Handel

 

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

 

 

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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