Bericht für den 17. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: PIGS-Sprengsätze

 

So langsam kommt ans Licht, warum Griechenland und die anderen Staaten der PIGS-Community unbedingt gerettet werden müssen. Ich hatte vor einigen Tagen ja schon vermutet, dass ein großer Teil der griechischen Staatsschulden in deutschen Lebensversicherungen und Banken stecken.

 

Das Wall Street Journal (WSJ) wartete in seiner heutigen Ausgabe unter dem Titel Exposure to Greece Weighs On French, German Banks mit konkreten Zahlen auf. Laut dem WSJ sind deutsche und französische Banken allein mit $119 Milliarden in griechischen Anleihen investiert und mit mehr als $900 Milliarden in den vier Ländern der PIGS-Gruppe (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien). Wobei üblicherweise Italien zu dieser Gruppe gezählt wird und nicht Irland.

 

Der Bericht stellt die Frage: If Athens were to default, investors may question whether French and German banks could withstand the potential losses, sparking a panic that could reverberate throughout the financial system.

 

Die Pleite von Griechenland könnte also nicht nur eine wohl relativ einfach unter Kontrolle zu haltende Euro-Krise auslösen, sondern deutsche und französische Banken mit in den Abgrund reißen.

 

Deshalb scheinen sich gerade die Regierungen in Paris und Berlin trotz massiven Widerstandes aus der Bevölkerung für einen Bailout stark zu machen. Original-Text aus dem Bericht des WSJ: The fears that French und German banks could fall victim to Greeces debt crisis helps explain why Paris and Berlin have signaled that they would persue a politically unpopular rescue of Greece – at the same time that they are trying to force Athens to take painful austerity measures.

 

Diese Einschätzung liegt sicherlich auch der griechischen Regierung vor. Zumindest über ihre Investmentbank Goldman Sachs. Griechenland kann also weiter mit hohem Einsatz pokern. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy  stecken in einer Falle. Das erklärt auch, warum Griechenland die Arroganz besitzt, Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) abzulehnen. Denn man möchte eben keine Radikal-Sparprogramme wie andere Länder, die IWF-Hilfe angenommen haben, über sich ergehen lassen.

 

Nun könnten Frankreich und Deutschland es auf einen Bankrott von Griechenland ankommen lassen, indem sie gleichzeitig die betroffenen Banken mit milliardenschweren Hilfen stützen. Denn nach dem Bericht des WSJ ist allein die Hypo Real Estate (HRE) mit EUR 10 Milliarden in Griechenland und mit EUR 21 Milliarden in Spanien engagiert. Mit zweistelligen Milliarden-Hilfen bei der HRE hat man ja bereits seine Erfahrungen gemacht.

 

Lieber ein Ende mit Schrecken (d.h. zweistellige Milliardensummen für das eigene Bankensystem) als ein Schrecken ohne Ende (weitere Aufschuldung Griechenlands mit zunehmender Verschärfung der Situation). Hank Paulson und Ben Bernanke haben ja auch im Herbst 2008 die Investmentbank Lehman Brothers über die Klinge springen lassen; warum sollte dies nicht auch mit Griechenland funktionieren?

 

Sie wundern sich, warum in der Qualitäts- und Wirtschafts-Presse die letzten Tage und Wochen massiv für einen Griechenland-Bailout geworben wurde; das WSJ spricht es offen aus: While big European banks have been lobbying governments behind the scenes to aid Greece, banking officials have publicly sought to play down the risk of the euro-zone debt crisis to their industrie. Nicht nur Kanzlerin-Flüsterer Joe Ackermann war hier massiv aktiv, sondern die o.g. Presse scheint auch unter der Fuchtel der Banken zu stehen: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Viele Dinge sind so offensichtlich, dass man trotzdem drauf gestoßen werden muss.

 

Um den Umfang der ebenfalls um Rettung Bettelnden besser abschätzen zu können, muss man sich ein Bild über das Engagement deutscher, französischer, aber auch britischer, niederländischer, belgischer und US-Banken in den PIGS-Staaten machen. Griechenland macht mit einem Umfang von $166,8 Milliarden weniger als 10 Prozent der $1.727,2 Milliarden der gesamten PIGS-Gemeinde aus.

 

Allein das ebenfalls in die Diskussion geratene Spanien macht mit einem Exposure von $781,4 Milliarden fast den fünffachen Betrag aus, um den es bei Griechenland geht.

 

Das Beste wäre es wohl, an Griechenland ein Exempel zu statuieren. Sonst hängt man sich als nächstes mit Spanien einen um vieles größeren Mühlstein um den Hals.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Der gestrige Eingriff zu Gunsten des Euros hat sich als eine Eintagsfliege herausgestellt. So schnell der Euro gestern gegen den US-Dollar gestiegen ist, so schnell ging es heute in die andere Richtung wieder nach unten. Der Euro verlor heute 1,2 Prozent gegen den Dollar.

 

Vorgestern stand der US-Dollar Index (USDX) noch bei 80,4; gestern waren es dann 79,7; und heute wieder bei 80,4.

 

Der Effekt war, dass Gold in Euro gerechnet von einem historischen Höchststand zum nächsten eilte. Zum Ende des Handels an der COMEX stand Gold bei über EUR 822 ($1.119,50).

 

Amüsant waren die Nachrichten über den legendären Investor George Soros. Auf dem Weltwirtschafts-Gipfel in Davos warnte er noch vor wenigen Tagen davor, dass der Goldpreis-Anstieg eine Blase sei. Das wurde natürlich gerne von Anti-Goldexperten aufgegriffen, die schon seit zehn Jahren einen Absturz des Gold-Preises prophezeiten. Heute kam heraus, dass genau derselbe George Soros seinen Anteil am GLD ETF im vierten Quartal 2009 verdoppelt hat.

 

Bloomberg berichtete heute: Billionaire George Soros’s Soros Fund Management LLC more than doubled its holding in the biggest gold exchange-traded fund in the fourth quarter after bullion advanced 8.9 percent to a record. The $25 billion New York-based firm became the fourth- largest holder in the SPDR Gold Trust, adding 3.728 million shares valued at $421 million, according to a filing with the U.S. Securities and Exchange Commission yesterday. Its investment was worth about $663 million, the fund’s largest single investment, as of Dec. 31.

 

Hier sieht man wieder einmal die doppelzüngige Strategie unserer Finanz-Eliten. Das gemeine Volk soll vom Gold durch eine Blasen-Propaganda ferngehalten werden, während sich die Finanz-Eliten die letzten verfügbaren Reserven für einen bevorstehenden Zusammenbruch unseres Papiergeld-Systems reservieren wollen.

 

Wer es nach dieser Nachricht immer noch nicht kapiert, wie der Hase läuft, der ist für das Schicksal, das ihn in kurzer Zeit erleiden wird, selbst verantwortlich. Ich möchte sogar sagen, er verdient es dann redlich.

 

Noch so ein doppelzüngiger Finanz-Akrobat ist Goldman Sachs. Während man sich offiziell als Menschen-Freund darstellt, zockt man in Wirklichkeit seine Klienten im Interesse der eigenen Boni ab. So geschehen bei den Devisen-Swap Geschäften mit Griechenland. Man lockt seinen Klienten, in diesem Fall Griechenland, mit Aussicht auf gutaussehende Zahlen heute in eine noch viel größere Schuldenfalle in der Zukunft. Dann lockt man gleichzeitig Investoren in Anleihen, hinter denen sich über ein Swap-Geschäft getarnt der griechische Staat befindet. Und nachdem man Griechenland und die beteiligten Investoren an der Nase herumgeführt hat, besitzt man noch die Überheblichkeit, die Details des Deals geheim zu halten.

 

Das schlimme daran ist, dass diese verbrecherischen Aktionen ungesühnt bleiben: Der Anleger, der sein Geld auf dem Konto oder in der Lebensversicherung beließ und nach einer Währungsreform 95 Prozent seines Vermögens verlieren wird, kann sicherlich nicht Soros darauf verklagen, dass er ihn seinerzeit vor dem sicheren Investment in Gold abgehalten habe.

 

Der A.M. Fix kam heute mit $1.118,25 (EUR 813,81) um drei Dollar stärker als gestern zustande. Der P.M. Fix mit $1.119,00 (EUR 817,03). Im sehr späten Access Handel ist wohl ein Markt-Teilnehmer dazu übergegangen, den Gold-Preis kräftig zu drücken. Der letzte Kurs um 23:15 Uhr MEZ lautete $1.106,80 und war damit $13 niedriger als zum Schluss des heutigen Handelstages an der COMEX.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.118,25

(€813,81)

$1.115,25

(€816,32)

+ $3,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.119,00

(€817,03)

$1.115,25

(€816,67)

+ $3,75

COMEX Schlusskurs

$1.119,50

$1.118,20

+ $1,30

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,4

79,7

+ 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,7

21,5

+ 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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