Bericht für den 18. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Generation Hartz-IV

 

Guido Westerwelle hat mit seiner Schelte von Hartz-IV die Diskussion über die Ausuferung des Sozialstaates begonnen. Dabei geht es primär nicht um die Sachfragen, sondern wer sich als Gegner outet und wie lautstark der Protest ausfällt.

 

Eines kann man feststellen: Die Vertreter des sozialpolitisch-industriellen Komplexes haben bereits die gesamte politische Landschaft und die Meinungs-Führerschaft im Land unter ihrer Kontrolle. So rastete der ex-CDU Generalsekretär und Bundesminister a.D. Heiner Geißler medienwirksam aus, in dem er Westerwelle als Esel beschimpfte. Das letzte Aufgebot der SPD, Sigmar Gabriel, versuchte einen Befreiungsschlag, in dem er die Steuerhinterzieher als die eigentlich asozialen in der Gesellschaft bezeichnete. Obwohl Steuerhinterziehung inzwischen schon als ein legitimer passiver Widerstand gegen den von Schäuble selbst so bezeichneten Wegelagerer- und Raubritter-Staat angesehen werden müsste.

 

Der getroffene Hund bellt. Nachdem das Sozial-Establishment aus allen Kanonen-Rohren geschossen hat, verzieht sich langsam wieder der Pulverdampf, und auch unsere völlig entsetzt spielenden System-Medien betrachten die Situation nun unter einem ganz anderen Licht.

 

Das haben sich die Vertreter der Sozial-Industrie nach dem Urteil des Bundesverfassungs-Gerichts wohl ganz anders vorgestellt: Sie dachten, einen weiteren Durchmarsch des Sozial-Staates mit wesentlich höheren Hartz-IV Sätzen vorbereiten zu können.

 

Anstatt dessen schaut man nun verstärkt hinter die Kulissen. So fragt beispielsweise der Berliner Kurier, ob man einen Maserati (Grundpreis: EUR 114.000) zum Spenden sammeln brauche. Denn einen solchen fährt der Geschäftsführer der Berliner Treberhilfe, die Obdachlosen und Armen unter die Arme greifen soll. Von dem Sozialstaat leben nicht nur die Armen und Bedürftigen, sondern auch deren Verwaltungs-Bürokratie. Und wenn man dort ein hohes Tier ist, dann darf man ja gegenüber Geschäftsführern in der Wirtschaft nicht zurückstehen.

 

Ich vermute, dass mindestens 30 Prozent der Sozialausgaben direkt oder indirekt in diversen Verwaltungen, Hilfegruppen und Organisationen versickern. Die Sozial-Industrie – eine deutsche Megabranche.

 

Der zweite Rückschlag für unsere selbst ernannten Sozial-Apostel ist, dass man nun in aller Öffentlichkeit diskutiert, wie groß die Unterschiede zwischen dem Einkommen einer Hartz-IV Familie und dem Einkommen einer Familie mit Wenigverdienern überhaupt noch ist. Und man wird verblüffend feststellen, dass dieser Unterschied zum Teil sehr gering ist. In bestimmten Fällen bezieht die Hartz-IV Familie sogar höhere Leistungen als der Arbeitnehmer-Haushalt.

 

Wenn sich ein regulärer Job für Viele schon jetzt nicht auszahlt, wie sieht die Situation dann erst aus, wenn nach dem Willen der Sozial-Politiker die Regelsätze für Bezieher von Arbeitslosengeld-II wesentlich angehoben werden.

 

Ginge es nur ums Geld, gäbe es keine Friseurinnen mehr, merkte der SPIEGEL in seinem heutigen Bericht unter dem Titel Hartz-IV Forscher springen Westerwelle bei an. Bei der Diskussion um die Hartz-IV Sätze wird in der Öffentlichkeit meist nur der Regelsatz von EUR 359 genannt. Man muss aber das Haushaltseinkommen, oder wie es im Hartz-IV deutsch heißt die Bedarfsgemeinschaft betrachten. Und hier kommt dann eine Familie mit zwei Kindern über 14 Jahren auf monatlich EUR 1.220.

 

Hinzu kommen die Kosten der Unterkunft, die sich für einen 4-Personen-Haushalt auf dem Berliner Wohnungsmarkt auf EUR 620 addieren. Da sind wir schon bei insgesamt EUR 1.840. Hinzu kommt noch die Übernahme der Heizkosten, die wohl weitere EUR 300 ausmachen dürften. Macht insgesamt ein Haushaltsnetto-Einkommen von über EUR 2.100.

 

Nun rechnen wir einmal, wie viel ein alleinverdienender Arbeiter oder Angestellter erarbeiten muss, um auf dieses Haushaltsnetto-Einkommen zu kommen. Ein Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von monatlich EUR 3.000 zahlt EUR 607 an die Sozial-Kassen (Anmerkung: Weitere knapp EUR 600 zahlt noch der Arbeitgeber – das eigentliche Bruttoeinkommen liegt deshalb bei EUR 3.600) und weitere EUR 244 Steuern. Sein Netto-Einkommen beträgt EUR 2.149. Hinzurechnen muss man nun noch das Kindergeld in Höhe von EUR 368. Insgesamt beträgt das Familien-Nettoeinkommen EUR 2.517.

 

Das sind zwar EUR 400 mehr als eine entsprechende Hartz-IV Bedarfsgemeinschaft. Aber der Arbeitnehmer hat zusätzliche Aufwendungen für die Fahrt zur Arbeit, für Berufskleidung etc.

 

Dabei verdient dieser Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von EUR 36.000 laut der deutschen Einkommenssteuer-Statistik gar nicht so schlecht. Er liegt hier bei den oberen 40 Prozent aller Steuerpflichtigen.

 

Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein – mit diesen Worten hat Westerwelle die Diskussion über den Sozial-Staat entfacht. Das obige Beispiel zeigt: Das Hartz-IV-System wirkt wie eine Falle, in der sich Arbeit nicht lohnt. Es fehlt einfach der Anreiz, auch gering bezahlte Jobs anzunehmen.

 

Da sich wohl keine politische Partei in Deutschland trauen wird, das Sozialsystem zu verschlanken, werden wir wohl früher oder später so enden, wie das römische Reich. Die Generation Hartz-IV ist bereits Realität und nicht nur Fiktion.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Ankündigung des IWF, die verbliebenen knapp 200 Tonnen aus dem Goldverkauf nun auf dem freien Markt zu platzieren, hat wohl gestern spät Abend und heute früh zu etwas Verwirrung der Marktteilnehmer geführt. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete heute: The IMF said it would sell 191.3 tonnes of gold to the open market under a programme approved last year to boost its resources for lending, a move that has called into question demand for bullion from official sector buyers.

 

Nun, diesen Anfangsschock schienen die Goldhändler gut verkraftet zu haben, denn Gold konnte sich wieder auf das gestern erzielte Preisniveau stabilisieren.

 

Zuerst aber erst einmal ein Rückblick auf das Geschehen gestern spät Abend im New Yorker Access Handel und heute früh im asiatischen Handel: Gold wurde nach dem Ende des COMEX-Handels innerhalb eine Stunde um $10 auf $1.110 gedrückt. Bis 22:30 Uhr MEZ hatte sich das gelbe Metall wieder auf $1.115 stabilisiert; aber dann erfolgte eine zweite Drückungs-Welle um $10, die Gold bis auf $1.105 sinken ließ. Der Fokus der agierenden Kräfte war klar – man wollte Gold unter die Marke von $1.100 drücken.

 

Das gelang auch zeitweise kurz nach Eröffnung der Märkte in Asien. Im Vorfeld des Londoner Vormittags-Handels wurde dann die Marke von $1.100 zum zweiten Mal nach unten durchbrochen. Beide Male konnte sich Gold aber wieder fangen.

 

Im Londoner Vormittags-Handel ging es dann wieder leicht aber stetig nach oben. Der A.M. Fix mit $1.105,50 (EUR 813,77) manifestierte diese Aufwärts-Entwicklung. Im 24-Stundenvergleich hat Gold aber immer noch $13 verloren.

 

Mit Eröffnung des Handels an der COMEX in New York ging es dann steiler nach oben. Der P.M. Fix kam mit $1.118,00 (EUR 820,13) zustande. Gold stand jetzt nur noch einen Dollar niedriger als zum gestrigen P.M. Fix.

 

Ein folgender Ausbruchversuch jenseits der Marke von $1.120 war dann aber doch zu viel des guten und scheiterte. Zum Ende des COMEX-Handels wurde Gold zwar wieder auf $1.115 gedrückt, konnte sich aber wieder leicht auf $1.117,00 befestigen.

 

Der US-Dollar hat seinen gestrigen Höhenflug beendet und notiert heute mit 80,5 (USDX) um 0,1 Punkte höher als gestern. Bemerkenswert war heute dagegen der Anstieg der Realrenditen der 10-jährigen Treasury Notes auf 3,8 Prozent. In den vergangenen Wochen schwankte dieser Wert immer zwischen 3,6 und 3,7 Prozent. Gibt es wegen der Staaten-Krise nun auch leichte Erkältungs-Symptome in den Vereinigten Staaten – wir werden es sehen.

 

Nach dem späten Angriff auf dem Goldpreis und den Drückungsversuchen in Asien mussten wir heute schon mit einer massiven Drückungs-Welle rechnen. Diese ist aber ausgeblieben. Gold zeigt derzeit, dass es sich im Markt sehr gut hält.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.105,50

(€813,77)

$1.118,25

(€813,81)

- $12,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.118,00

(€820,13)

$1.119,00

(€817,03)

- $1,00

COMEX Schlusskurs

$1.117,00

$1.119,50

- $2,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,5

80,4

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,2

21,7

- 0,5

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010

Parse Time: 0.233s