Bericht für den 19. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Griechischer Masochismus

 

Dass Griechenland mit Merkel & Sarkozy mit hohem Einsatz um den Bailout seines Landes pokert, wissen wir ja bereits. Und dass sie mit Goldman Sachs einen der gerissensten Geldschneider der letzten 20 Jahre mit im Boot haben, scheint ihre Stellung noch zu stärken. Schließlich werden ja erkleckliche Bankguthaben von Deutschen und Franzosen mit griechischen Staatanleihen gesichert.

 

Bei den Politikern in Griechenland scheinen nun aber alle Sicherungen durchgebrannt zu sein. Während man sich von der EU konkrete Finanzhilfen erhofft hatte, kritisieren die beteiligten Länder die Ausgabenpolitik von Griechenland und wollen das Land zu massiven Einsparungen zwingen.

 

Wie kann Deutschland die Frechheit besitzen, uns wegen unserer Finanzen zu denunzieren, wenn es noch immer keine Entschädigung für die Opfer des Zweiten Weltkrieges gezahlt hat, wird Margaritis Tzimas von der größten Oppositionspartei, den Neuen Demokraten, bei einer Rede im Parlament auffällig.

 

Solche Sprüche kommen 65 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland besonders gut an – Deutschland als Dauerzahler für die nächsten zwanzig, fünfzig oder sogar hundert Jahre? Das Düsseldorfer Handelsblatt stellt lapidar fest: Die Bundesregierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt Hilfeversprechen an das hoch verschuldete Land bislang ab, obwohl ohne Zusagen der Euro unter Druck geraten könnte. Meinungsumfragen zufolge teilt eine große Mehrheit der Deutschen diese Absicht.

 

Diese Mehrheit ist nach solchen Entgleisungen der ehemaligen Regierungs-Partei wohl noch um ein großes Stück gewachsen. Unsere Bundespopulistin wird es unter diesen Voraussetzungen nicht wagen, Griechenland finanzielle Hilfe zuzusagen. Vielleicht nimmt man diese Drohungen aus Athen nun zum Grund, an Griechenland ein europäisches Exempel zu statuieren, um die ebenfalls bedrohten Staaten der PIIGS-Gruppe vor ähnlichen Pokern-Spielchen abzuhalten.

 

Nun scheint auch wieder die IWF-Karte in das Spiel zu kommen. Der Finanzminister des Landes bemühe sich zwar nicht aktiv um Hilfen des Internationalen Währungsfonds, aber ausschließen könne er einen solchen Schritt jedoch für die Zukunft nicht.

 

Allerdings hilft der IWF nur unter harten Auflagen. Dazu werden wohl ein hoher zweistellig-prozentualer Abbau der Staatsbediensteten gehören, eine Anhebung des Renteneintritts-Alters von 61 Jahren auf 65 Jahre oder höher. Und eine effektivere Besteuerung der Bürger, um die massive Schattenwirtschaft des Landes auszutrocknen.

 

Die griechische Regierung hat wohl zu stark geblufft. Nun muss sie wohl zwischen Schmerzen durch die EU-Kommission oder den Internationalen Währungsfond wählen.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell muss derzeit schwer unter Druck sein. Am Mittwochabend wurde die IWF-Meldung über den Verkauf der restlichen knapp 200 Tonnen Gold im offenen Markt lanciert. Gold fiel daraufhin im späten Access Handel um $15.

 

Nachdem sich das gelbe Metall aber im gestrigen Verlauf wieder auf knapp $1.120 stabilisieren konnte, wurde zur etwa gleichen Zeit im späten Access Handel die folgende Meldung verbreitet (Quelle Reuters): The Federal Reserve said on Thursday it was raising the interest rate it charges banks for emergency loans, citing improvement in financial market conditions. The Fed said the discount rate would be increased to 0.75 percent from 0.50 percent, effective Friday.

 

Um kurz nach 22:00 Uhr MEZ stand Gold im Access Handel bereits bei $1.123 und wurde innerhalb von wenigen Minuten auf $1.108 gedrückt. Auf diesem Niveau beendete das gelbe Metall den Handel.

 

Zwei Tage in Folge einen Rückgang von jeweils $15 im Access Handels jeweils kurz vor Schluss der Märkte. Wie verzweifelt sind die Herren vom Gold-Kartell, dass man so tief in die Trick-Kiste greifen musste.

 

Dabei ist die Nachricht über die Anhebung der Discount Rate von 0,5 Prozent auf 0,75 Prozent genauso unbedeutend, wie die gestrige Nachricht des IWF. Bei der discount rate können sich Banken in Notfällen Liquidität von der FED besorgen. Der Leitzinssatz der FED, die FED fund rate, mit der sich Banken durch Hinterlegung von US-Staatsanleihen Liquidität beschaffen können, bleibt unverändert.

 

Kurz zusammengefasst – der heutige Tag ist genauso verlaufen wie der gestrige. Das hat mit dem gestiegenen US-Dollar Gold in Euro gerechnet auf über EUR 825 hoch getrieben.

 

Ein weiterer schwerer Schlag für das Gold-Kartell.

 

Ziemanns News Corner

 

1. Die Deutschen vertrauen weiterhin ihren Politikern und Bankern:

 

The WGC’s Gold Demand Trends has some interesting snippets. Investment demand in Europe is becoming more important – Germany has emerged as the largest buyer of bar and coin, pushing America into second place. And France, while far less robust, was also a net investment buyer: "a small net inflow was recorded for 2009 as a whole, the first in the 18 year history of our series."

 

Kommentar: Deutschland ist jetzt der weltweit größte Goldnachfrager für Investment-Zwecke. Während die 3.500 Tonnen Bundesbank-Gold wohl entsprechend der Werbung für Kinder-Schokolade mit viel Wolfram und wenig Gold in den Kellern der New Yorker FED ruhen, sind wohl eine Reihe von Deutschen ihres eigenes Glückes Schmied geworden.

 

2. Die Renten sind sicher:

 

WASHINGTON (Reuters) - U.S. states face a total shortfall of at least $1 trillion in their funds for employees' pensions and retirement benefits, and their financial problems are quickly mounting, according to a report released by the Pew Center on the States on Thursday.

 

Kommentar: Unsere Sozialpolitiker werden sicherlich behaupten, dass unser umlagefinanziertes Rentensystem natürlich stocksolide sei. Denn es ist wirklich nicht von den Finanzmärkten abhängig. Aber werden unsere ach so raren Kinder oder Enkel in der Lage sein, den Berg von Rentnern zukünftig zu alimentieren? Aber nur, wenn sie nicht selbst der Generation Hartz-IV angehören werden oder dem Sozialstaat den Stinkefinger zeigen.

 

3. Wir drucken wie blöde Geld, bekommen aber natürlich keine Inflation:

 

Compared to January last year, producer prices increased 4.6 percent, the largest advance since October 2008.

 

Kommentar: Dabei sind das nur die offiziell gemeldeten Zahlen ...

 

4. Auf dem Arbeitsmarkt geht es wieder aufwärts:

 

Initial claims for state unemployment benefits increased 31,000 to a seasonally adjusted 473,000 in the week ended February 13, up from an upwardly revised 442,000 the prior week, the Labor Department said. Analysts polled by Reuters had expected claims to drop to 430,000. The prior week was initially reported as 440,000.

 

Kommentar: Traut sich noch ein Politiker, erneut von green shoots zu reden?

 

5. Die Konsumenten-Laune nimmt zu:

 

American consumers say they reduced their spending in January to levels similar to early 2009, when the U.S. economy was still in recession, according to a Gallup poll released on Thursday. The findings, which contradict U.S. data suggesting spending strength in January, showed consumers in all income brackets and geographic regions spending less in January vs. December in stores, restaurants, gas stations and online. In many cases, Gallup said consumers spent less in the first month of 2010 than in January 2009, a weak economic period when monthly retail sales fell nearly 10 percent and the economy headed for a 6.4 percent first-quarter contraction.

 

Kommentar: Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – aber veröffentliche auch keine Daten, mit denen man dich der Fälschung überführen kann.

 

6. Die Kreditnachfrage zieht wieder an:

 

Bank lending in the US has contracted so far this year at the fastest rate in history, raising concerns that the Federal Reserve may have jumped the gun by withdrawing emergency stimulus. The M3 broad money supply -- watched by monetarists as a leading indicator of trouble a year ahead -- has been contracting at a rate of 5.6 percent over the last three months. This signals future deflation. The Fed's "Monetary Multplier" has dropped to a record low of 0.81, evidence that the banking system is still broken…

 

Kommentar: Wo es keine kreditwürdigen Schuldner mehr gibt, da kann es auch keine Kreditnachfrage geben.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.107,00

(€819,70)

$1.105,50

(€813,77)

+ $1,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.112,75

(€824,20)

$1.118,00

(€820,13)

- $5,25

COMEX Schlusskurs

$1.121,00

$1.117,00

+ $4,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,7

80,5

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,2

21,2

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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