Bericht für den 22. Februar 2010

 

Gold & Gesellschaft: Preis der Demokratie

 

Der gestrige Bericht von Michael Stürmer in der WELT wirft wieder einmal die Frage nach dem Demokratie-Verständnis der wohlfahrtsstaatlichen Länder Europas im Allgemeinen und Deutschlands im Besonderen auf.

 

Unzweifelhaft ist, dass alle Demokratien über ihre Verhältnisse gelebt haben und noch leben: Bei den Griechen führt diese Haltung zu den Turbulenzen, die wir die letzten Tage und Wochen beobachten konnten. Es ist meines Erachtens aber falsch, Griechenland als ein Versuchslabor des demokratischen Wohlfahrtsstaates, der auf Kosten der Kinder und Enkel wirtschaftet, zu bezeichnen wie Herr Stürmer das versucht.

 

Natürlich haben wir eine Brot und Spiele Demokratie, wo der Bürger mit staatlichen Hilfeleistungen und einem im Circus Maximus veranstalteten Jagdspiel gegen bestimmte Gruppen ruhig gestellt werden soll. Die Beispiele dafür können wir ja täglich beobachten. Abhängig von der politischen Sichtweise wird eine Gruppe entweder Nutznießer oder Opfer. Jeder will natürlich die große Gruppe Nutznießer hinter sich binden.

 

Weil man nicht in der Lage ist, seine Nutznießer durch Zahlungen stets bei der Stange zu halten – denn Macht ausüben ist in einem solchen Regime ausgesprochen teuer – greift man kleine Gruppen an, die man dann als Schmarotzer oder Asoziale vor der nach Blut schreienden Menge geißelt.

 

Das ist heute nicht anders als vor 2.000 Jahren im römischen Reich. Nur dass die Methoden immer effektiver – dank Presse, Rundfunk und Fernsehen – und schwerer zu durchschauen werden.

 

Die deutsche Politik nach dem Zweiten Weltkrieg stand unter der Verpflichtung, die Ausfransung und Radikalisierung an den politischen Rändern zu verhindern, die letztlich die Weimarer Republik zu Fall gebracht hat.

 

Es schreibt sich immer leicht von der Hand, demokratische Tugenden in den Vordergrund zu rücken. Wenn es dann aber um das nackte Überleben geht, werden solche Tugenden schnell irrelevant. Das Spiel Reise nach Jerusalem kennen sicherlich noch Viele aus ihrer Kindheit: Da werden bei Massenentlassungen die sonst so arbeitnehmerfreundlichen Betriebsräte zu Monstern, die zuerst in den Sozialplanvereinbarungen verankern, dass sie von dem Stellenabbau nicht betroffen seien. Die Liste solcher Beispiele ließe sich endlos fortsetzen.

 

Das sind die Hintergründe, warum praktisch jede Regierung in Deutschland den Sozialstaat in den Vordergrund stellt. Kritik am Sozialstaat wird als ein Bruch des gesamtgesellschaftlichen Konsenses gesehen und entsprechend heftig bekämpft.

 

Nun könnte man ketzerisch behaupten, dass eine Demokratie der Gefälligkeiten auch nichts anderes ist als eine verkappte Diktatur. Anstatt Waffen setzt man nur subtilere Methoden der Unterdrückung ein.

 

Unser heutiges demokratisches System kann sich also nur dann als ein solches bewähren, wenn den Brot und Spiele Politikern die Grundlage ihres Tuns abhanden kommt: Das Geld.

 

Stellen Sie sich einfach einmal vor, was passieren wird, wenn dem Staat plötzlich ein Großteil seines Geldes abhanden kommen wird. Das ist ja letztlich die Situation, die aus einem Staatsbankrott, wie wir ihn jetzt mit Griechenland schon theoretisch durchspielen, resultieren wird. Nach der Reise nach Jerusalem These werden den Leuten dann die demokratischen Spielregeln schnell abhanden kommen. Das ist kein Wunsch – sondern wird wohl bittere Realität sein.

 

Da hilft kein neuer Gesellschaftsvertrag, der nach dem WELT-Bericht dauerhaft tragfähig sein sollte. Die dort erwähnten demokratischen Tugenden werden sich als schwächer erweisen, als Viele das erwarten.

 

Es klingt hart: Aber man muss sich den Stuhl schon jetzt reservieren, um den Viele kämpfen werden, wenn die Musik aufhören wird zu spielen. Dieser Kampf wird genauso undemokratisch ausgefochten werden, wie alle anderen solcher Kämpfe in der Weltgeschichte.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Gold-Kartell ist spätestens seit Donnerstag letzter Woche wieder sehr aktiv. Zuvor hat man im Wesentlichen darauf geachtet, dass die tägliche Zwei-Prozentregelung eingehalten wird. Auch die heutige Preis-Entwicklung beim Gold sieht sehr stark nach aktiven Eingriffen in den Markt aus.

 

Das kann auch seine Ursache am Eigennutz von JP Morgan, HSBC und Deutsche Bank liegen, die Call Optionen auf Gold emittiert haben, die am Dienstag möglichst wertlos verfallen sollen.

 

Dabei lief der heutige Gold-Tag noch vielversprechend an. Mit Beginn des asiatischen Handels heute früh konnte sich Gold oberhalb der Marke von $1.125 befestigen und lag somit mehr als zehn Dollar im Plus im Vergleich zum letzten Freitag. Dort hatte man nämlich nach Schluss des Handels an der COMEX dem Gold noch sieben Dollar abringen können. Man sieht, dass hier einer oder mehrere ein gezieltes Interesse daran hat beziehungsweise haben, dass Gold nicht weiter steigt.

 

Mit Beginn des Handels in London kam dann zunehmens Druck auf, der Gold zum A.M. Fix auf $1.119,75 (EUR 822,86) sinken ließ. Das sind zwar $13 mehr als zum A.M. Fix am letzten Freitag. Aber dieser A.M. Fix war stark geprägt von der lancierten Nachricht der Discount-Satzerhöhung der Federal Reserve vom Donnerstag spät Abend.

 

Zum Nachmittag-Handel konnte sich Gold zwar wieder oberhalb der Marke von $1.120 befestigen. Der Beginn des Handels an der COMEX ließ den Preis jedoch wieder sinken. Kurz vor dem P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ ging es plötzlich weiter nach unten. Der P.M. Fix kam wenig überraschend bei $1.115,25 (EUR 820,46) zustande. Die Gold-Kartell Banken wollten heute nichts dem Zufall überlassen.

 

Im Anschluss wurde Gold bis auf $1.110 gedrückt, konnte diese Marke aber halten. Zum Ende des Handels an der COMEX stand Gold nach einem erfolglosen Erholungsversuch bei $1.112. Das sind neun Dollar weniger als noch am Freitag zur selben Zeit.

 

Der Dollar veränderte sich heute praktisch nicht, ebenso wie die Renditen der 10-jährigen Treasuries. Öl konnte trotz dieses Treibens heute die Marke von $80 nach oben durchbrechen. Insbesondere die Aktienmärkte in Asien zeigten heute Stärke. Das bestätigt meine These, dass hier eine oder mehrere Parteien am Goldmarkt manipulativ tätig gewesen sein müssen.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.119,75

(€822,86)

$1.107,00

(€819,70)

+ $12,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.115,25

(€820,46)

$1.112,75

(€824,20)

+ $2,50

COMEX Schlusskurs

$1.112,00

$1.121,00

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,6

80,7

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,8 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,2

21,2

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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