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Bericht für den 26. Februar 2010 Gold & Gesellschaft: Gewünschte Inflation als Ausweg? Mehr
Inflation wagen – so könnte man in Abwandlung des Zitates von Willy
Brandt zu Beginn seiner Kanzlerschaft im Jahre 1969 die derzeitige Diskussion
zusammenfassen, die der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF),
Oliver Blanchard, begonnen hat. Und auch FED-Chef Ben
Bernanke sieht diesen Vorschlag nicht ohne Reiz. Dass
diese Diskussion von Seiten des IWF initiiert wurde, ist kein Zufall. Die
Politik des IWF wird von seinem größten Anteilseigner, den Vereinigten Staaten
von Amerika, bestimmt. Obwohl man mit dem französischen Sozialisten Dominique
Strauss-Kahn einen andersdenkenden Papp-Kameraden an die Spitze gesetzt hatte. Der Reiz
einer höheren Inflation liegt in der hohen Staatsverschuldung und der
Überschuldung der Privathaushalte begründet. Die Theorie: Man könnte mit
gezielt höherer Geldentwertung den Staat kalt entschulden.
Und auch die Hausbesitzer, deren Immobilienwert kleiner ist als die Hypotheken
darauf, könnten hiervon partizipieren. Wenn die
Inflation höher wäre, so die Theorie, dann steigen auch die Staatseinnahmen aus
Steuern entsprechend stark an. Damit würde die Zinsbelastung für die
Staatsschulden einfacher tragbar, weil die Staatsanleihen mit einem Zinssatz
bis zu deren Endfälligkeit festgeschrieben sind. Auch die Schuldenlast des
Staates würde relativ abgewertet, weil nun die gleiche nominelle Schuldenmenge
einem größeren Bruttoinlands-Produkt gegenüberstehen würde. Die
andere Seite der Medaille wäre, dass der Staat für die Prolongation
auslaufender Schuldtitel ab dann einen wesentlich höheren Zinssatz zahlen
müsste. Es ist nur eine Frage der Zeit, ab wann die Investoren in
Staatsanleihen dann noch einen höheren Risikozuschlag verlangen würden. Viel
gravierender wiegt jedoch die Bewertung der in Lebensversicherungen und anderen
Finanz-Instrumenten schlummernden langfristigen Staatanleihen. Da diese zu
einem niedrigen Endfälligkeits-Zinssatz abgeschlossen wurden, der aktuelle
Zinssatz aber wegen der Inflation wesentlich höher wäre, verlieren diese
Papiere an den Bond-Märkten kräftig an Wert. Für Lebensversicherungen, welche
die Papiere bis zur Endfälligkeit hielten, wäre das zwar auf den ersten Blick
kein Problem – aber für die Kunden dieser Lebensversicherung, die zwar
ihre nominal vereinbarte Auszahlung nebst Rendite erhielten. Welche aber durch
die Inflation in ihrer Kaufkraft zu einem erheblichen Teil aufgezehrt würde.
Der Staat würde sich also zu Lasten seiner Bürger und ihrer privaten
Altersvorsorge entschulden. Meines
Erachtens würde dies jedoch die mehrere $1.000 Milliarden großen Bond-Carry Traders augenblicklich
in den Konkurs treiben, die langfristige Anleihen wegen des Zinsunterschiedes
zu kurzfristigen Anleihen gekauft haben, und sich dabei kurzfristig
verschulden. Nicht nur, dass der Zeitwert ihrer langfristigen Anleihen im Preis
einbräche und damit eine verhängnisvolle Domino-Kette von Margin
Calls der finanzierenden Banken auslösen würde. Auch
die Refinanzierung der kurzfristigen Schulden wäre dann nur zu höheren
Zinssätzen als die langfristig gebundenen Anleihen möglich. Das würde unser
labiles Finanz-System augenblicklich töten. Für die
Hausbesitzer sieht die Theorie ähnlich aus: Die Inflation lässt den
Immobilienwert des Hauses wieder steigen und den Hypotheken steht nun wieder
ein entsprechender Grundwert gegenüber. Der Besitzer kann sich nun wieder an
einem positiven Vermögen aus Grundbesitz erfreuen und setzt vielleicht sogar
seine Verschuldungs-Orgie, wie wir vor dem Jahr 2007 gesehen haben, fort.
Gleichzeitig partizipiert der Arbeitnehmer von steigenden Löhnen und kann so
wieder besser seine Schulden tilgen. Solange der Arbeitnehmer sein Haus
langfristig finanziert hat und noch die niedrigen Zinsen bezahlt, scheint alles
noch in Ordnung zu sein. Dumm, dass Viele ihre Häuser wegen der attraktiveren
Zinsen nur kurzfristig finanzieren konnten. Für diese gilt: Die Zinsbelastung
wird sich erheblich vergrößern. Und die Kredit gebenden Banken werden wohl noch
zusätzlich einen Risikoaufschlag verlangen. Was als Entlastung gedacht war,
wird nun zu einer zusätzlichen Belastung. Viele
denken, dass Inflation lediglich die Besitzer von Großvermögen enteignen würde.
In Wirklichkeit sind es aber gerade die Vermögenden, welche die drohende
Inflation rechtzeitig erkennen und ihr Vermögen raus aus Papierwerten und rein
in Sachwerte und Gold umschichten werden. Meines Erachtens werden eher die
Arbeitnehmer die Verlierer sein – nicht nur mit ihren Ersparnissen für
das Alter. Bei einer
sich verselbständigenden Preis-Lohn-Spirale können die Arbeitnehmer aus zwei
Gründen nur verlieren. Der erste Grund ist unser Steuer- und Sozialsystem. Ich
habe in meinem gestrigen Bericht ausgeführt, dass das Gehalt eines
Arbeitnehmers mit einem Bruttogehalt von EUR 3.000 mit Steuern und Soziallasten
von durchschnittlich 44 Prozent belastet ist. Bei einer steigenden Inflation
müsste sich dieser Arbeitnehmer einen Netto-Gehaltszuwachs in Höhe der
Inflationsrate erstreiten, um nicht selbst an Kaufkraft zu verlieren. Aber
diese Gehaltssteigerung ist mit einer (Grenz-)Belastung von 58 % an Steuern und
Soziallasten zu bezahlen. Das heißt, die Belastung des Arbeitgebers mit
Personalkosten würde oberhalb der Inflationsrate liegen. Das würde dessen
Kosten und damit auch seine Preisgestaltung um einen Betrag oberhalb der
gewünschten Inflationsrate in die Höhe treiben. Im nächsten Jahr würde der
Arbeitnehmer erkennen, dass sein höheres Nettogehalt diese Preissteigerung
nicht ausgleichen konnte. Er würde also eine noch höhere Gehaltserhöhung
erstreiten. So schaukelt sich die Inflation durch diese Preis-Lohn-Spirale wie
in den 70er-Jahren langsam höher und höher. Die kontrolliert erwünschte
Inflation gerät außer Kontrolle. Der
zweite Grund, warum dieses Verfahren nicht funktionieren wird, liegt in der
Inflationserwartung begründet. Die Geldmenge muss in Erwartung der steigenden
Geldentwertung nach oben geregelt werden. Das neu geschaffene Geld kommt über
den Verteil-Mechanismus (Banken, Unternehmen, Arbeitnehmer) aber zuerst bei
Banken und Unternehmen an und führt dort bereits zu einem Preisanstieg. Die
Arbeitnehmer stehen an letzter Stelle dieser Futterkette, da sie schon höhere
Preise zahlen müssen, obwohl eine Gehaltserhöhung erst in den nächsten Monaten
anstände. Wenn sich das Geld so schnell entwerten würde, dass man von
jährlichen Gehaltssteigerungen, auf halbjährliche, vierteljährliche, monatliche
und zuletzt wöchentliche Erhöhungen umschwenken müsste, dann sind wir bereits
in der Situation der Weimarer Republik Hyperinflation der frühen 20er-Jahre. Eine
gewünschte Inflation wird man nicht unter Kontrolle halten können. Wenn solche
Theorien schon öffentlich proklamiert werden, wissen wir, wohin der Weg uns
führen wird. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Die Nachricht
des Verkaufs der restlichen knapp 200 Tonnen IWF-Goldes hat gestern spät Abend
zurückgefeuert. Wir erinnern uns: Letzte Woche wurde die Nachricht lanciert,
dass sich kein Käufer für dieses Gold gefunden habe und dass es nun am offenen
Markt verkauft werden müsste. Nun behauptete gestern die russische
Nachrichten-Agentur Pravda, dass China gerne dieses
Gold kaufen würde. Und aus anderer Quelle wird kolportiert, dass auch Indien an
dem Rest des IWF-Goldes Interesse hätte. Das
führte wohl gestern zu dem Anstieg von Gold über die Marke von $1.100. Auch der
Vorschlag des IWF-Chefvolkswirt (siehe Bericht oben), die Inflation
kontrolliert steigen zu lassen, fördert eher einen hohen Goldpreis. Gold
tendierte heute früh in Asien und London etwas fester, nachdem das Gold-Kartell
gestern Abend nach Schluss des COMEX-Handels Gold
wieder einmal wenige Dollar drücken konnte. Der A.M.
Fix kam mit $1.112,50 (EUR 817,59) um $20 höher als zum A.M. Fix am Donnerstag
zustande. Am
Nachmittag bröckelte Gold dann aber wieder ab und fiel unter die Marke von
$1.110. Der P.M. Fix kam etwas unter dieser Marke mit $1.108,25 (EUR 816,93)
zustande. Im 24-Stundenvergleich ein Zuwachs von $14. Ab diesem
Zeitpunkt ging es wieder kräftig nach oben und Gold beendete den COMEX-Handel mit $1.118,30 um zehn Dollar höher als
gestern. Der
US-Dollar gab leicht nach auf 80,4 Punkte (USDX). Das ist ein Tagesverlust von
0,3 Punkten. Auf der anderen Seite stabilisierten sich die US-Staatsanleihen
und deren Real-Rendite für die 10-jährigen Papiere beträgt nun 3,6 Prozent. Die
Gold-Nachfrage in Indien scheint trotz der Jahreszeit und des hohen Preises
trotzdem solide zu sein. Mit dem praktischen Ende der Gold-Verkäufe der
Zentralbanken wird das Gold-Kartell zunehmens
Probleme bekommen, ohne physischen Supply in größerem
Umfang den Goldpreis unter Kontrolle zu halten. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
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