Bericht für den 1. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Euro Täter und Wächter

 

Der ehemalige Richter am Bundesverfassungs-Gericht, Paul Kirchhof, musste sich diese Woche im SPIEGEL-Interview verteidigen, warum das Bundesverfassungs-Gericht seinerzeit den Konstruktionsfehler des Euro nicht gesehen hatte.

 

Anstatt die prinzipielle Kritik am Euro zu akzeptieren, verlagert Kirchhof die Kritik auf die Politiker, die den Stabilitäts- und Wachstumspakt einfach nicht konsequent überwacht hätten. Denn nach seiner Ansicht sind die verantwortlichen europäischen Finanzminister nicht nur Täter, sondern Wächter des Stabilitätspaktes zugleich.

 

So einfach kann man sich das machen.

 

Und auch auf die Frage des Interviewers zu der Rechtmäßigkeit von Finanzhilfen an Griechenland, falls die Zahlungsfähigkeit des Landes in Gefahr gerät, antwortet Paul Kirchhof nur ausweichend: Ich gehe nicht davon aus, dass sich europäische Regierungen darauf verständigen, geltendes Recht zu verletzen. Natürlich werden sie dies – der ganze Stabilität- und Wachstumspakt war nur ein Placebo, um vor allen Dingen die deutsche Bevölkerung zu beruhigen, dass der Euro eine Weichwährung werden würde.

 

Viel interessanter sind seine Aussagen zu der Ausgaben-Freude der Demokratien in Europa. Er bemerkt vollkommen zutreffend: Überall haben die Bürger ihre Hoffnungen auf den Griff in die Staatskasse zu Ansprüchen verdichtet, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Gemeinwesens übersteigen. Und auch in Deutschland flüstert ihnen die Politik dabei zu: Es könnte eigentlich mehr sein. Mehr Sozialhilfe, mehr Subventionen, höhere Steuererleichterungen.

 

Die Staatskasse ist schon längst nicht mehr ein Vehikel, wo Ausgaben und Einnahmen in einem ausgeglichenen Verhältnis zueinander stehen. Denn eigentlich sollte der Staat alle Ausgaben mit seinen in Form von Steuern und sonstigen Abgaben erhobenen Einnahmen bezahlen. Eine Verschuldung ist eigentlich nur in wirtschaftlichen Notlagen erlaubt, muss dann aber in guten Zeiten wieder zurückgeführt werden.

 

Die Realität ist jedoch eine andere: Bestimmte Zukunftslasten, beispielsweise die Pensionen, werden gar nicht berücksichtigt und werden in der Zukunft voll durchschlagen. Andere Lasten hat man in sogenannte Schattenhaushalte ausgegliedert, die natürlich auch finanziert werden müssen. Und die diversen Bankenrettungs-Fonds belaufen sich auf mehrere hunderte von Milliarden Euro. Ein Teil davon wird wohl auch das Schicksal erleiden, dass der Staat zukünftig zahlen muss. Trotzdem wächst die noch verbleibende offiziell zugegebene Staatsverschuldung in einem immer schneller werdenden Tempo.

 

Natürlich kann Griechenland, aber auch Deutschland alle staatlichen Leistungen unter Finanzierungsvorbehalt stellen. Dabei könnten beispielsweise die Gehälter von Staatsbediensteten und die Subventionen gekürzt werden. Aber auch die Sozialleistungen des Staates sind hier kein Tabu. Der Staat ist nicht grenzenlos leistungsfähig, bemerkt Kirchhof: Die Finanzkrise ist auch eine Denkkrise.

 

Für die kurzfristige Platzierung neuer Staatsanleihen scheint sich zwischenzeitlich eine Lösung für Griechenland anzubieten. Nach einem Bericht von Bloomberg wären Investoren wohl bereit, die Papiere zu kaufen, wenn der Coupon mit einer Verzinsung von 7 Prozent versehen würde. Ob hierfür staatliche Garantien von Deutschland, Frankreich und andere Länder vonnöten seien, darüber hat sich der Bericht jedoch nicht ausgelassen.

 

Das würde zwar die strukturellen Probleme von Griechenland nicht lösen. Aber die Investment-Gemeinschaft könnte sich nun auf das nächste größere Opfer stürzen: Großbritannien. Die können sich aus ihrer Misere der massiven Staatsverschuldung plus Gelddruckung mit Hilfe einer Pfund-Abwertung selbst helfen. Und auf diese 20 bis 30 prozentige Abwertung hoffen nach einem anderen Bloomberg-Bericht die Investoren. Denn dem ehemaligen Empire geht es auch nicht besser als Ländern wie Griechenland. Insbesondere die Fortsetzung und Ausweitung der Quantitative Easing Maßnahmen der Bank of England (BoE) führen zu einer weiteren Verwässerung des Britischen Pfundes.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Derzeit sind die massiven Verschiebungen an den Devisen-Märkten das bestimmende Thema. Zuerst ging es wieder einmal dem Euro (gegen den US-Dollar) schlecht: Um 17:00 Uhr hatte der Euro mit $1,3460 mit 1,2 Prozent Verlust sein Tagestief erreicht. Bis 21:00 Uhr konnte der Verlust noch auf 0,5 Prozent reduziert werden.

 

Dem Britischen Pfund ging es heute noch schlechter: Um 13:00 Uhr war der Tiefstand mit $1,4780 erreicht. Ein Verlust von sagenhaften 2,5 Prozent. Auch dieser Verlust konnte sich bis 21:00 Uhr auf $1,50, das heißt um 1,0 Prozent abbauen.

 

Der Goldpreis machte heute diese Kapriolen, insbesondere in Euro mit und stand gegen 18:00 Uhr MEZ bei EUR 830 – erneut ein historischer Höchststand.

 

Im asiatischen Markt heute früh tendierte Gold noch etwas leichter als im Vergleich zum Freitags-Schlussstand von $1.117,90. Im Vorfeld des beginnenden Londoner Handels griff das gelbe Metall dann plötzlich die Marke von $1.120 an und kam erst bei einem Stand von $1.123 zum Stillstand.

 

Danach ging es mit dem Dollar stetig aufwärts und deshalb mit dem Goldpreis in Dollar stetig abwärts. Zum Londoner A.M. Fix betrug die Notierung $1.117,25 (EUR 819,94).

 

Zum Nachmittags-Handel hatte Gold seinen Tagestiefstand mit $1.113 um 14:00 Uhr MEZ, das heißt kurz vor Eröffnung der COMEX erreicht. Dieser Zeitpunkt fiel mit dem heutigen Maximum des USDX zusammen.

 

Im Anschluss konnte sich Gold wieder bis auf $1.118 stabilisieren, wurde jedoch von dem erneut steigenden Dollar zum P.M. Fix überrascht. Dieser kam mit $1.114,00 (EUR 824,27) zustande. Die Euro-Notierungen der beiden Londoner Fixings zeigen an, dass trotz des geringeren Dollar-Kurses der Preis von Gold in Euro um über vier Euro angestiegen ist.

 

Kurz vor 18:00 Uhr MEZ konnte sich Gold wieder oberhalb der Marke von $1.120 etablieren. Dieses Niveau konnte bis zum Schluss des COMEX-Handels jedoch nicht gehalten werden. Auf Dollar-Basis schwächte sich Gold um einen Dollar auf $1.117,50 ab.

 

Der US-Dollarindex (USDX) stieg heute um 0,4 Punkte auf 80,8 an. Das Tages-Maximum betrug 81,2. Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes verharrten bei 3,6 Prozent.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.117,25

(€819,94)

$1.112,50

(€817,59)

+ $4,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.114,00

(€824,27)

$1.108,25

(€816,93)

+ $5,75

COMEX Schlusskurs

$1.117,50

$1.118,30

- $0,80

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,8

80,4

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6 %

3,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,4

22,3

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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