Bericht für den 3. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Der ewige Zahlmichel

 

Wolfgang Münchau schreibt abwechselnd für die Financial Times Deutschland (FTD) und für die britische Financial Times (FT). Diesmal mahnt er in seiner Kolumne Zeit für die Griechenland-Entscheidung eine Positionierung der Kanzlerin an.

 

Dass die Finanz-Presse für eine deutsche Rettung von Griechenland plädiert, habe ich schon in einem früheren Bericht angemerkt. Der Grund ist auch klar: Die Banken benötigen die Rettung, weil sie sonst Gefahr laufen, im Falle eines griechischen Bankrotts, ihre als Assets gehaltenen griechischen Staatsanleihen abschreiben zu müssen. Die Presse ist nur ein Transmissions-Riemen für die Wünsche der Banken.

 

Die Argumente von Münchau & Co werden aber inzwischen immer abenteuerlicher. Da sieht man in Deutschland den größten Profiteur der Währungsunion, weil man mit dem Euro den Wechselkurs innerhalb Deutschlands wichtigster Exportmärkte stabilisieren konnte. Interessanterweise lief das mit dem Export auch schon vor der Währungsunion nicht schlecht für Deutschland. Im Übrigen war Deutschland nicht nur in den Ländern der Eurozone erfolgreich, sondern auch in Ländern, die eine ganz andere Währung haben. Das Argument ist so alt und abgedroschen, dass man es trotzdem immer noch gerne verwendet.

 

Interessant wird nun die folgende Argumentations-Kette von Münchau: Da ein Leistungsüberschuss logischerweise auch ein Sparüberschuss ist, besitzen deutsche Banken zwangsläufig überschüssige Mengen an ausländischen Wertpapieren. Was uns Münchau sagen will ist, dass Deutschland beispielsweise nach Griechenland seine Produkte verkauft. Da die Griechen keine Überschüsse oder Devisenreserven haben, müssen sie sich von deutschen Banken das Geld dafür borgen, damit sie die deutschen Exporte bezahlen können. Das deutsche Bankensystem finanziert also die Exporte nach Griechenland.

 

Nun könnte man fragen, wie denn der Tilgungsplan der Griechen für diese Schulden aussähe. Oder wie eine Bank so gerne einen Kreditnehmer fragt, was denn die Sicherheiten seien. Bei beiden Punkten muss man wohl mit den Achseln zucken: Es gibt weder einen Tilgungsplan noch Sicherheiten.

 

Jetzt wird die Argumentation von Wolfgang Münchau wirklich abenteuerlich: In einer solchen Situation wäre es völlig rational, Griechenland zu helfen. Denn zum einen sind die Kosten trivial und sogar negativ: Die angepeilten 5 Mrd. Euro sind keine Subvention, sondern gut verzinster Kredit oder eine Garantie. Zum anderen sichern wir das Vertrauen in ein System, von dem keiner mehr profitiert als wir selbst.

 

Wir haben oben festgestellt, dass es weder Sicherheiten noch einen Tilgungsplan gibt. Die deutschen Exporte sind wohl im Wesentlichen konsumiert. Das geliehene Geld ist also weg. Ein überschuldeter Bürger würde nun Privatinsolvenz beantragen, da er weder die Zinsen noch die Tilgungslast tragen könnte. Würde man diesem Schuldner noch mehr Kredit geben, dann würde man nur die Insolvenz auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Man würde sprichwörtlich gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen.

 

Nichts anderes bedeutet im Prinzip der Vorschlag Münchaus: Anstatt von den Griechen den Offenbarungseid abzuverlangen, bei dem allerdings die Kredite abgeschrieben werden müssten, soll man einfach mehr Kredit geben, damit Griechenland seine Zinsen für die bestehenden Kredite bezahlen kann. Der Deutsche ist zwar seit mehreren Generationen bereits der ewige Zahlmichel – aber solch einen verzapften Unsinn, wie in der FTD geschrieben, durchblickt auch er.

 

Im Klartext heißt das: Die Spareinlagen der Deutschen, die mit griechischen Schulden in unserem Banken- und Versicherungssystem gedeckt sind, sind verloren. Ein Bailout würde diese Erkenntnis nur in die Zukunft verschieben und den Schaden für den Sparer noch vergrößern. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

Die Arroganz, die aus Griechenland dem braven deutschen Zahlmichel entgegenschlägt, ist schon fast nicht mehr zu überbieten. Da wagt man es, das Haushaltsgebaren der Griechen zu kritisieren und Streichungen einzufordern und dann werden frech Reparations-Forderungen aus dem Zweiten Weltkrieg geltend gemacht. Das gipfelt dann noch in der Falsch-Aussage, dass die Wehrmacht seinerzeit das griechische Gold geraubt hätte. Obwohl dieses Gold nachweisbar von den Briten sicher nach Südafrika überführt wurde.

 

Nach Unterzeichung des Versailler Diktats im Jahre 1919 denkt wohl jede Nation sich an Deutschland schadlos halten zu können.

 

Und dann wagt es eine deutsche Illustrierte auch noch, den griechischen Stinkefinger einer antiken Gestalt unterzujubeln. Damit wollte man lediglich ausdrücken, dass sich die Griechen vom Ausland nichts sagen lassen wollen. Da hat man dann in der griechischen Presse als Reaktion gleich zur Nazi-Keule gegriffen. Das hat die letzten Jahre und Jahrzehnte doch immer noch gegriffen – und der Widerstand des Zahlmichels ist dann in ewiger Scham verstummt.

 

Die Griechen haben dieses Mal den Bogen überspannt. Ein deutscher Bailout wäre so unpopulär, dass darüber die im Mai anstehende Wahl in Nordrhein-Westfalen für die CDU endgültig verloren gehen wird. Die FDP diskutiert schon offen über eine Ampelkoalition in NRW als Reaktion auf die Avancen der CDU in Richtung der Grünen.

 

Da kann Wolfgang Münchau auch noch so sehr keifen und unserer Bundespopulistin fehlende Entschlossenheit vorwerfen. Fakt ist, dass auch eine gut versteckte Finanzierung der Griechen zu Lasten des deutschen Steuerzahlers das Potential hat, die Regierung Merkel wegzufegen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Eigentlich ist heute am Goldmarkt wenig passiert. Nach dem gestrigen Ausbruch nahe der Marke von zwei Prozent war auch kein weiter stark steigender Goldpreis zu erwarten gewesen.

 

Die Preisbewegungen waren heute auf das Devisenpaar US-Dollar und Euro fokussiert. Der Plan der griechischen Regierung zum Abbau des jährlichen Haushaltsdefizits hat die Märkte wieder ermutigt, dass die anstehende Emission von 10-jährigen griechischen Staatsanleihen erfolgreich laufen wird. Das hat heute anscheinend den Euro beflügelt, der fast ein Prozent gegen den US-Dollar zulegen konnte.

 

Zum Vormittags-Handel bei noch hohem Dollar-Kurs stand Gold etwas niedriger als zum gestrigen New Yorker Schlusskurs.

 

Der Londoner A.M und P.M Fix kamen mit $1.136,25 (EUR 834,07) und $1.136,50 (EUR 832,91) in etwa auf dem gleichem Niveau zustande. In Euro gerechnet musste Gold jedoch einen guten Euro nachgeben.

 

Im Verlauf des weiteren COMEX-Handels sank der Dollar weiter ab – deshalb stieg Gold in US-Dollar gerechnet weiter an und beendete den heutigen Handel mit $1.143,00.

 

Der US-Dollarindex verlor heute um 0,6 Punkte stark auf 79,9.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.136,25

(€834,07)

$1.116,00

(€826,97)

+ $20,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.136,50

(€832,91)

$1.126,50

(€831,24)

+ $10,00

COMEX Schlusskurs

$1.143,00

$1.137,00

+ $6,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,9

80,5

- 0,6

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6

3,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

22,2

22,4

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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