Bericht für den 16. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Endstation Sozialismus?

 

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts Emnid könnten sich 80 Prozent der in den neuen Bundesländern und 72 Prozent der in den alten Bundesländern Befragten vorstellen, in einem sozialistischen Staat zu leben, so lange für Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gesorgt wäre. Den Wert Freiheit nannten nur 28 Prozent der Ostdeutschen als wichtigstes politisches Ziel.

 

Das ist eine gefährliche Entwicklung. Von den Ostdeutschen könnte man aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit eine gewisse historische Remanenz erwarten, die als (N)Ostalgie ihren Ausdruck findet und sogar noch aktiv von den Medien gepflegt wird. Dass es damals viel besser gewesen sein sollte als heute – diese Sprüche kennen wir ja schon. Natürlich hatten die Leute damals Arbeit und waren Blumen schwenkend auf den diversen Huldigungsveranstaltungen für ihre Staats- und Parteiführung aufgeräumt. Aber ist das ein erstrebenswertes Lebensziel?

 

Sind der Unterdrückungs-Apparat der Stasi, die Parolen an maroden Gebäuden und der Lebensstandard eines Dritte Welt Landes schon vergessen? Wahrscheinlich schon, denn man versucht den erhaltenen Lebensstandard des Westens mit den Errungenschaften seines untergegangenen real existierenden Sozialismus zu einem neuen sozialistischen Wunschstaat zu verschmelzen. Dass dies nicht funktionieren kann und wird, diesen Beweis müsste doch wohl jemand noch erbringen, oder?

 

Viel gravierender ist die Entwicklung in Westdeutschland, die ja 45 Jahre nach dem Krieg keine Fortsetzung der Diktatur mit anderen Mitteln über sich ergehen lassen mussten. Sind Arbeitsplätze und Solidarität, die heute gleichmacherisch als Mindestlebens-Standard gesehen wird, wirklich alle Kriterien, auf die es ankommt.

 

Wenn das der Fall sein sollte, dann würde sich der Politikansatz von Brot und Spiele bestätigen. In diesem Zusammenhang muss man sehr wohl die Ansätze der Linken in Deutschland beobachten, die ja den Kapitalismus durch ein sozialistisches Staatengebilde ersetzen wollen.

 

So paktiert die SPD-Linke Andrea Ypsilanti nicht nur mit der retro-Stalinistin Sarah Wagenknecht, sondern gründet mit der Solidarischen Moderne einen Think Tank, mit dem Ziel, aus den derzeit verkrachten linken Parteien in Deutschland eine neue Volksfront zu schmieden. Ziel dieses Instituts sind nach eigener Darstellung ein demokratischer Sozialstaat, die ökologische Gerechtigkeit und eine soziale Ökonomie.

 

Dabei gibt sich diese Bewegung nicht mit den politischen Leitideen der klassischen Linken, das heißt Gleichheit und Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie zufrieden. Vielmehr möchte man eine erweiterte Finanzierungsbasis der öffentlichen Hand schaffen, damit die erwirtschaftete Mehrproduktion den Gesellschaftsmitgliedern in gerechten Anteilen zugute kommt. Man strebt zu diesem Zweck eine moderne solidarische Ökonomie an, die jenseits traditioneller Privatwirtschaft und Erwerbsarbeit organisiert wird.

 

Konkret heißt dies, dass man den Staat zu Lasten der Leistungsträger der Gesellschaft (diejenigen, die einen Großteil der Steuerlast tragen) noch stärker ausweiten will, um so die Umverteilung zu verstärken. Gleichzeitig stellt man aber das privatwirtschaftliche Modell in Frage und möchte es durch eine staatliche gesteuerte Planwirtschaft ersetzen.

 

Da man aus der Vergangenheit weiß, dass damit der Lebensstandard innerhalb der Gesellschaft sinken wird, wird ein Transformationsprozess für die Lebensstandards in den westlichen Demokratien proklamiert. Unter diesem Begriff sollen wir ökonomische Solidarität mit den Ländern auf der Welt praktizieren, die unter dem Klimawandel besonders stark leiden.

 

Das Problem ist, dass sich Begriffe wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität in der Öffentlichkeit gut instrumentalisieren lassen. Der Staat wird hier zudem als der neue Superheld gesehen, der zuerst die maroden Banken gerettet hat und nun den wirtschaftlichen Abschwung gestoppt hat. Ist dann Sozialismus aus Sicht eines größeren Teils der Bevölkerung nicht doch die bessere Staatsform als Kapitalismus. Schließlich konnte man Arbeitsplätze retten und die Sparguthaben wurden auch vom Staat garantiert.

 

Was wir derzeit beobachten, ist eine Metamorphisierung des Kapitalismus hin zu einem staatskapitalistischen System. Nicht weil der Kapitalismus sich nicht mehr regenerieren könnte – aber weil man die sehr schmerzliche Ausmerzung der Fehlentwicklungen des Kapitalismus, die Kredit- und Konsumgesellschaft, nicht zulassen will. Da scheint nach Ansicht einer Mehrheit mit einem sozialistischen System der bessere Weg gefunden worden zu sein.

 

Das löst aber unsere heutigen Probleme nicht. Es macht sie nur noch schlimmer, weil die notwendige Regeneration des Kapitalismus künstlich herausgezögert wird. Das System ist trotzdem kaputt und der Umbruch wird sich dann nicht nur im Zusammenbruch der Kredit- und Konsumgesellschaft niederschlagen, sondern in einem abrupten Ende des Sozialstaates bedingt durch dessen Konkurs.

 

Es macht vor diesem Hintergrund wahrscheinlich wenig Sinn, gegen den derzeitigen linken Zeitgeist anzukämpfen. Hoffen wir, dass sich dieses Problem schnell von selbst löst, bevor die faschistoiden Tendenzen des Sozialstaates weiter Überhand nehmen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Nachdem sich Gold gestern trotz des stärkeren Dollars gut gehalten hat, ging es heute auch in US-Dollar gerechnet mit fallenden Dollar kräftig bergauf. Im späten Access Handel konnte sich Gold bis nahe an die Marke von $1.130 heranarbeiten.

 

Im asiatischen Handel heute früh sah es dagegen noch nach einem ruhigen Goldtag aus. Der Preis pendelte um die Marke von $1.110 und konnte erst zur zweiten Hälfte dieser Handelszeit die Marke von $1.110 überschreiten.

 

Mit der gleichen Gemächlichkeit ging es dann in den Londoner Vormittagshandel. Der A.M. Fix kam mit $1.113,25 (EUR 813,36) um zehn Dollar stärker als noch vor 24 Stunden zustande. In Euro gerechnet war der Anstieg mit neun Euro sogar noch etwas kräftiger.

 

Im frühen Nachmittags-Handel vor Eröffnung der New Yorker COMEX tat sich ebenfalls wenig. Gold konnte die Marke von $1.115 nicht überwinden.

 

Mit dem fallenden Dollar kam diesmal die kräftige Aufwärtsentwicklung mit Beginn des Handels an der COMEX. Eine halbe Stunde nach deren Eröffnung stieg Gold plötzlich auf bis zu $1.125 an. Dieses Niveau hielt bis zum Londoner P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ: $1.124,75 (EUR 817,17) lautete der Kurs. Ein Anstieg um $21 im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix. Dass dieser starke Anstieg im Vergleich zum A.M. Fix im Wesentlichen durch den niedrigen Dollar verursacht wurde, kann man an dem Zuwachs in Euro nachvollziehen: Dieser betrug nämlich nur zehn Euro und damit nicht signifikant mehr als zum A.M. Fix.

 

In den verbleibenden Handelsstunden konnte Gold zwar die Marke von $1.125 testen, aber zum Ende des COMEX-Handel fiel das gelbe Metall wieder leicht auf $1.123 zurück. Im späten Access Handel ging es dann mit dem weiter schwächelnden Dollar weiter bergauf.

 

Der US-Dollarindex (USDX) gab heute um signifikante 0,5 Punkte auf 79,7 nach.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.113,25

(€813,36)

$1.104,00

(€804,61)

+ $9,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.124,75

(€817,17)

$1.104,25

(€807,50)

+ $20,50

COMEX Schlusskurs

$1.123,00

$1.106,30

+ $16,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,7

80,3

- 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

21,7

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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