Bericht für den 19. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Deutsche Gefechtskehrtwendung

 

Es ist schon erschreckend, wie die deutsche Medienlandschaft die schweren Gefechte ausblendet, die derzeit im Hintergrund der Griechenland-Rettung ausgefochten werden. Und die Finanzpresse schreit nach einem Bailout um jeden Preis, weil sie von Ackermann & Co bezahlt wird. Im Banken- und Versicherungssystem stecken nämlich die wirklichen Probleme.

 

Hierbei geht es um nichts weniger, als dass Deutschland gezwungen werden soll, im Rahmen einer kollektiven Schuldengemeinschaft für insgesamt EUR 3.000 Milliarden an Anleihen der PIIGS-Staaten zu bürgen. Das heißt im Zweifelsfalle zu zahlen. Das wäre von den Kosten wie ein zweites Diktat von Versailles. Diesmal allerdings nicht aufgrund eines verlorenen Krieges.

 

So muss man sich anderer Quellen bedienen, beispielsweise dem Londoner Telegraph, für den Ambrose Evans-Pritchard  (AEP) die Hintergründe dieses Kampfes erläutert.

 

Das trojanische Pferd für Merkel hat der Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, gleichzeitig Regierungschef des Zwergstaates Luxemburg, positioniert, in dem er postulierte, dass eine Rettung Griechenlands durch den (eigentlich für solche Fälle zuständigen) Internationalen Währungsfond (IWF) die Glaubwürdigkeit der Währungsunion unterhöhle. Zitat AEP: But its his all EU religious stuff: ideology and totemism – reine EU Religion und Ideologie also.

 

AEP hat schon richtig erfasst, dass Baroso und andere Granden der EU-Kommission diese Chancen ergreifen wollen, um das elitengetriebene Projekt einer europäischen Union so weiterzutreiben, dass immer mehr nationale Befugnisse der EU Kommission übertragen werden. Die Kommission wird damit zu einer europäischen Regierung, die, selbst nicht demokratisch legitimiert wie die Regierungen der Mitgliedsstaaten, nun auf allen Feldern der Politik und Wirtschaft zentralistische Kontrolle ausüben will.

 

Diktatur nennt man so etwas auch im langläufigen Sprachgebrauch.

 

Hinzu kommt, dass Griechenland wohl eine Entscheidung erzwingen will. Dabei pokert man allerdings hoch, ohne ein wirklich belastbares Blatt in der Hand zu haben. So will man Merkel nun mit einem Ultimatum dazu zwingen, die Rettungsgelder freizugeben. Aus deutscher Sicht hat man nun den IWF ins Spiel gebracht, der vor Wochen noch als Option ausgeschlossen worden war.

 

AEP vergleicht die Merkelsche Taktik mit einer Gefechtskehrtwendung, mit welcher sich die kaiserliche Flotte Deutschlands während der Seeschlacht von Skagerrak ihrer Vernichtung durch die britische Royal Navy entziehen konnte. Wenn man sich die Position Deutschlands ansieht, dann handelt es sich wirklich um eine 180 Grad-Wendung: Erst hat man den IWF kategorisch abgelehnt und selbst – via Finanzminister Wolfgang Schäuble – die Idee eines europäischen Währungsfonds (EWF) ins Spiel gebracht. Nun rückt man von dieser Position wieder ab und möchte eine Griechenland-Rettung doch unter Beihilfe des IWF sehen.

 

Anstatt sich der starken Front der EU-Eliten plus den nutznießenden PIIGS-Ländern im offenen Kampf zu stellen, vollzieht Deutschland eine Gefechtskehrtwendung und überrascht damit die europäischen Partner. Anscheinend scheint sich Frankreich auch der anti-Deutschland Front angeschlossen werden. Bloomberg berichtete heute: President Nicolas Sarkozy opposes Germany’s push for an International Monetary Fund loan to Greece, pitting the euro area’s biggest members against one another over a rescue plan. A French government official, who declined to be named under government ground rules, said today France backs a European solution to help Greece and said the monetary union must act to restore investor confidence and shrink Greek borrowing costs.

 

Die deutsch-französische Achse scheint immer nur dann zu funktionieren, wenn ein schwacher deutscher Regierungschef die Hegemonie der Franzosen akzeptiert. Gut, dass die Chemie zwischen Merkel und Sarkozy nicht stimmt – da muss man von dieser Seite jedenfalls keine Überraschungen erleben. Vielleicht sogar eine noch sturere Bundeskanzlerin.

 

Das ist zwar keine heroische Tat – aber ansonsten säße Deutschland wohl auf den EUR 3.000 Milliarden Schulden der EU-Südländer. Das hätte die Regierung Merkel innenpolitisch nicht überlebt.

 

Die Griechen machen es der deutschen Regierung einfach, ihre 180 Grad-Wendung zu rechtfertigen. Den Hauptzahler unter moralischen Druck zu setzen, das ist nun der zweite Fauxpas, den sich Griechenland geleistet hat. Wir erinnern uns: Vor einigen Wochen hat man noch die Nazi-Keule geschwungen und frech behauptet, dass die Deutschen während des Zweiten Weltkrieges das griechische Gold geraubt hätten. Deutschland war zwar die Jahrzehnte nach dem Krieg immer unterwürfig gewesen – aber seit der Regierung Schröder/Fischer artikulierte sich ein langsam wachsender Widerstand. Zu sehr ist das deutsche Volk der Scheckbuch-Diplomatie des Vorgängers Helmut Kohl überdrüssig geworden. Statt sich bei internationalen Konflikten freizukaufen, mussten dann allerdings deutsche Soldaten an den internationalen Fronten kämpfen.

 

Die EU-Front scheint nun zu wanken. Finnland und die Niederlande scheinen genauso wie Merkel zu denken. Und Italien möchte kein Geld zur Rettung der Griechen investieren.

 

Und plötzlich sind auch nicht mehr laut Merkel die bösen Spekulanten schuld an dieser Situation, sondern die Griechen selbst. Ein weiteres Indiz für eine Kehrtwende.

 

Auch die Forderung, im Notfall ein Euro-Mitglied aus dem Währungspakt zwangsweise auszuschließen ist nur ein Schachzug, um seinen Rückzug von anscheinend schon getroffenen verbalen Zusagen zu begründen. Niemals werden die anderen EU-Staaten dem zustimmen.

 

Das Euro-Prestigeprojekt ist gescheitert. Je früher Deutschland aussteigt, desto geringer wird der Schaden zu Lasten des deutschen Volkes werden.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Der US-Dollar steigt heute weiterhin kräftig. Er ereichte die Marke von 80,8 (USDX).

 

Der Vormittag inklusiv des asiatischen Handels, des Londoner Vormittags-Handels und die ersten Stunden des Nachmittags-Handels verliefen ohne größere Veränderung beim Gold.

 

Um kurz vor dem Londoner P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ fiel Gold innerhalb weniger Minuten – und hier meine ich wirklich wenige Minuten wenn nicht sogar Sekunden – um fast zwanzig Dollar. Der P.M. Fix mit $1.105,00 (EUR 818,34) zeigt an, dass hier wohl eine gewaltige Menge Gold in London plötzlich auf den Markt geworfen wurde. Und das ohne begleitende Nachrichten. Im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix ist Gold um achtzehn Dollar gefallen.

 

Das Gold-Kartell versucht erst gar nicht mehr, Marktsituationen abzuwarten, die einen solchen Rückgang zumindest für die gehirntote Wirtschaftspresse rechtfertigen würde. Der Abfall war so plötzlich und so steil, dass das nur eine (oder mehrere) große Parteien sein konnten, die zu jedem Preis ihr Gold verkaufen wollten. Denn natürlich ist auf einem freien Markt kein Verkäufer bestrebt, einen massiven Kursrutsch durch den Verkauf selbst einer megagroßen Position von Gold auszulösen. Er würde versuchen, das Metall in verschiedenen Schritten zu verkaufen. Platin war hier in der Vergangenheit ein gutes Anschauungsbeispiel. Dort ist der Preis zwar auch im Laufe des Tages gesunken, aber der Rückgang erfolgte verteilt über den Tagesverlauf. Nicht so bei Gold und Silber: Hier wird mit der großen Keule auf den Preis geschlagen, damit ein möglichst großer Schaden entsteht. Das kann kein Verkäufer wollen – auch keiner der verkaufen muss.

 

Ein Geschenk des Gold-Kartells für die physischen Käufer zum Nachmittags-Fix in London, die ihre 400oz-Barren nun $8.000 günstiger erhielten als geplant. Nach einem Bericht von Bloomberg ist die Nachfrage nach den Philharmoniker-Münzen um angeblich bis zu 80 Prozent eingebrochen. In ähnlicher Größenordnung war der Rückgang beim Verkauf von Barrengold der Münze Österreich. Dieser Nachfrage-Rückgang kam sicherlich nicht aus Deutschland.

 

Das würde erklären, warum das Gold-Kartell trotz praktisch ausgereiztem Verkaufsvolumen der Notenbanken immer noch physisches Gold auftreiben kann. Dabei helfen ihr die beiden großen Goldminen, Barrick Gold und AngloGold Ashanti, die mit JP Morgan die größte Gold-Kartellbank unter Vertrag haben.

 

Wahrscheinlich ist das aber nur ein Teil der anti-Gold Propaganda, mit der die Preisdrücker mangels wirklich vorhandenen Goldes die Investoren vor weiteren Käufen abschrecken wollen. Erst kürzlich hat anti Goldkommentator Jon Nadler vor der Gefahr des sich auf den Goldmarkt ergießenden physischen Goldes aus den ETFs gewarnt. Wahrscheinlich pfeift man inzwischen schon aus dem letzten Loch. Wenn man keine Schlachten und erst recht kein Krieg mehr gewinnen kann, dann muss die Propaganda um so effektiver sein.

 

Es tobt derzeit ein Gold-Krieg, den die Regierungen und Notenbanken nicht gewinnen können. In den letzten Jahren konnte das Gold-Kartell einige Schlachten für sich entscheiden. Das ist aber ein kontrollierter Rückzug ohne Aussicht auf durchgreifenden Erfolg. Nun sind die Wunderwaffen verblasst und man greift auf Propaganda-Methoden zurück. Wie sagte doch Bismarck: Es wird niemals so gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.

 

Bei Gold werden uns noch schlimmere Märchen aufgetischt. Wer sie nicht glaubt und weiter stetig investiert, der wird früher oder später zu den wenigen Siegern gehören.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.121,50

(€826,58)

$1.122,75

(€820,72)

- $1,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.105,00

(€818,34)

$1.122,75

(€821,50)

- $17,75

COMEX Schlusskurs

$1.107,10

$1.127,60

- $20,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,7

80,2

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,8

21,7

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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