Bericht für den 23. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Staatliche Kleptomanie

 

Die Diskussion um deutsche Rettungsgelder für europäische Südländer lässt derzeit ein ganz anderes Problem in den Hintergrund treten. Dass nämlich der Staat einen immer größer werdenden Anteil der Einkommen und der Vermögen wegbesteuert.

 

Die Arbeiter und Arbeitnehmer spüren das an ihrem Lohn- beziehungsweise Gehaltszettel. Da wird aus einem alleinstehenden Facharbeiter schnell ein Spitzenverdiener, der mit dem Steuersatz von 42 Prozent für jeden zusätzlich verdienten Euro belastet wird. Aber auch im Segment der Verheirateten schlägt der Staat – diesmal in Form von Sozialabgaben – rigoros zu: Von jedem durch den Arbeitgeber zusätzlich zu zahlenden Euro landen 50 Cent in den Kassen des Staates und der Sozialversicherungen. Und das bereits bei einem Monatbrutto-Gehalt von 3.000 Euro. Für Familien wohlgemerkt.

 

Paradoxerweise führen Lohn- und Gehaltszuwächse, die im Wesentlichen wegen des Inflationsausgleichs vereinbart werden, zu stark überproportional steigenden Belastungen dieser Bürger. Je höher die Gehaltszuwächse, desto frustrierender der Zuwachs nach Abzug aller Abgaben. Der Staat verdient gut an Inflation und hohen Tarifabschlüssen.

 

Während in den Vereinigten Staaten die Steuersätze jährlich an die offiziell verkündeten Inflationszahlen angepasst werden und so zu keiner prozentual höheren Steuerbelastung der Bürger führt, wenn sich das Einkommen im Gleichklang mit den Inflationszahlen erhöht, fehlt es in Deutschland an einer vergleichbaren Regelung.

 

Statt dessen wird kontrovers darüber diskutiert, ob der Staat sich eine Steuerentlastung wegen der ausufernden Staatschulden und der explodierenden Kosten des Sozialstaates überhaupt leisten könne. So schreitet die schleichende Enteignung der nichtselbständigen Bürger immer weiter fort: Auf der einen Seite durch die sogenannte Steuer-Progression, mit der immer mehr Bürger zu Spitzenverdienern werden. Auf der anderen Seite durch die von diversen Wahrheitsministerien manipulierten Statistiken zur Teuerung – fälschlicherweise als Inflation bezeichnet. Da beide Effekte multiplikativ wirken, schreitet die Verarmung der Arbeitnehmer mit der Zeit immer stärker voran.

 

Das kritische an dieser Situation ist, dass irgendwann ein Punkt erreicht sein wird, an dem der Bürger die Kosten für seine Lebenshaltung nicht mehr aus dem erzielten Einkommen tragen kann. Es kommt zu einer fortschreitenden Entsparung im besseren Falle. Im typischen Falle zu der Situation der Schuldenfalle, bei der sich immer mehr Bürger für zuerst größere Anschaffungen, dann mittelgroße Anschaffungen und zuletzt zur Deckung des täglichen Grundbedarfs verschulden müssen. Diese Verschuldung verschlimmert die Situation nur noch, weil die Zinsen der Kredite aus voll mit Steuern und Soziallasten belasteten Einkommen erzielt werden müssen. Der Bürger zahlt nun über Zinsen gleich ein Mehrfaches seines erarbeiteten Einkommens für den finanzierten Gegenstand. Der Staat freut sich über eine damit de facto noch stärkere Realbelastung der Einkommen.

 

So ist es nicht verwunderlich, wenn sich die Sozialhilfe-Sätze oder Hartz-IV immer stärker an die Einkommen eines Großteils der arbeitenden Bevölkerung heranarbeiten. Das liegt nicht daran, dass die Hartz-IV Sätze zu hoch sind, sondern dass die Belastung für die Arbeitnehmer deren Einkommen langsam aber stetig auf Hartz-IV Niveau nivelliert.

 

Dummerweise kann man sich als Arbeitnehmer gegen diese Situation gar nicht wehren, da die Steuern und Sozialabgaben gleich an der Quelle abgeschöpft werden. Der hart Arbeitende sieht nur noch den erklecklichen Rest, der am Schluss übrig bleibt. Als Unternehmer hat man hier größere Gestaltungs-Spielräume, insbesondere bei den Sozialkosten. Aber nicht jeder abhängige Arbeitnehmer bringt unternehmerische Fähigkeiten hervor.

 

Da an dieser Front für den Staat nicht mehr viel zu holen sein wird, setzt sich die staatliche Kleptomanie nun in Richtung derjenigen fort, die noch über ein Privatvermögen verfügen dürfen. Die WELT titelt ihren heutigen Bericht mit Der dreiste Griff des Staates ins Privatvermögen und stellt fest: Immer dreister schielt die Regierung auf das Privatvermögen ihrer Bürger. Von der moralischen Bringschuld zur handfesten Zahlungsaufforderung ist es dann nicht mehr weit. Die Reichen als Merkkühe des Staates?

 

Natürlich, denn hier ist noch kräftig etwas zu holen. Die WELT spricht von Vermögenswerten von insgesamt 10,4 Billionen Euro, die sich allerdings in Immobilien, Aktien, Versicherungen, Bankeinlagen und verschiedenen Sachwerten aufspalten. Während sich die gesetzliche Sozialversicherung für zukünftige Ausgaben rein aus aktuellen Beiträgen speist, müssen privat finanzierte Instrumente mit einem entsprechenden Kapitalstock unterlegt sein. Und da kommen für einen Besserverdiener mit Erreichen der Altersgrenze leicht über 500.000 Euro zusammen.

 

Aber auch der Häusle-Sparer hofft darauf, im Alter mietfrei leben zu können. Praktisch alle Ersparnisse wurden das Leben lang in die Immobilie versenkt. Brutalerweise sind das genau diejenigen Vermögenswerte, auf die es der Staat abgesehen hat. Weil sie leicht zu erfassen und zu besteuern sind.

 

Wobei viele bereits jetzt erkennen, dass die Inflation wie eine versteckte Vermögenssteuer wirkt: Auf Immobilien, die seit zehn Jahren im Wert nicht gestiegen, sondern sogar noch gefallen sind – ein Verlust von über 50 Prozent an Real-Kaufkraft. Auf diverse private Renten- und Versicherungs-Pakete, die negative Realzinsen erzielen und deren geldmäßigen Erträge der Sparer im Alter noch voll versteuern muss.

 

Hinzu kommen die immer wieder aufflackernden Diskussionen und Ideen von angeblichen Ökonomen, eine Vermögenssteuer oder eine Vermögensabgabe in Form einer einmaligen Zwangsanleihe zu erheben. Ähnlich wie beim schleichenden Bailout von Griechenland will man die Hemmschwellen gegen eine Beschlagnahme von Privatvermögen allmählich senken. Und unsere Brot und Spiele Demokratie ist wirklich gut darin, bestimmte Gruppen im Circus Maximus im Schaukampf für die geifernden Herden antreten zu lassen. Hinterher senken unsere Politiker den Daumen, und schon wurde wieder eine weitere Bevölkerungs-Gruppe seiner Ersparnisse betrogen – die Masse bejubelt diese Aktionen als soziale Gerechtigkeit.

 

Der Staat ist und bleibt der größte Betrüger, der frei herumlaufen darf. Dies zu erkennen und danach zu handeln, ist inzwischen die erste Bürger-Pflicht.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die heutige Situation an den Edelmetall-Märkten war undurchsichtig. Im Vormittags-Handel wurde Gold auf $1.095 gedrückt und auch Silber musste bis auf $16,70 nachgeben. Zum Nachmittag konnten sich beide Metalle bis auf $1.108 (Au) beziehungsweise $17,15 (Ag) befestigen, bevor wohl die nächste Verkaufswelle einsetzte.

 

Wieder einmal konnten wir erleben, dass Bewegungen beim US-Dollar nicht ursächlich für die Preis-Änderungen bei Gold und Silber sind. Gestern fiel der Dollar leicht zurück und Gold ist trotzdem gesunken. Heute ging es mit dem Dollar bergauf – aber ebenso mit dem Gold-Preis.

 

Derzeit läuft in Washington eine Anhörung der für die Rohstoff-Futuremärkte zuständigen Aufsichtbehörde CFTC (Commodity Futures Trading Commission). Deren Chairman, ex-Goldman Sachs Alumni Gary Gensler, will Positions-Limits erarbeiten, um die Manipulation der Rohstoff-Preise durch Spekulanten zu begrenzen. Die GATA (Gold Anti-Trust Committee) unter seinem Präsidenten Bill Murphy erhofft sich insbesondere aufgrund seiner guten Kontakte zu dem demokratischen CFTC Commissioner Bart Chilton, eine Begrenzung der Short-Positionen der Gold-Kartell Banken bei Gold und Silber. Aber derzeit sieht es eher danach aus, dass die als Commercials bezeichneten Kartell-Trader nicht unter die Positions-Limits fallen sollen, sondern nur die Non-Commercials oder spekulativ eingestuften Marktteilnehmer. Das heißt diejenigen Marktkräfte, welche die Preise durch fortgesetzte Short-Verkäufe unten halten wollen, sollen geschont werden, während die Marktteilnehmer, die Long-Positionen halten, mit Positions-Limits bestraft werden. Ein Narr wer nicht erkennt, was hier gespielt wird.

 

Das sieht mir nach verlorenen Liebesmühe aus, da die CFTC meines Erachtens von den die Regierungs- und Notenbank-Interessen vertretenden Teilnehmern unterwandert ist. Bei den besonders dreckigen Manipulationen schaut die CFTC in regelmäßigen Abständen weg. Deshalb sind auch der Chairman der CFTC und der SEC (die Aufsichtsbehörde für die Aktienmärkte) ständige Mitglieder der President Working Group of Financial Markets, auch als Plunge Protection Team oder PPT bekannt. Dort wird erörtert, wie und wann die Märkte manipuliert werden – und CFTC bzw. SEC werden aufgefordert, dann gezielt wegzuschauen. Ich liebe unser System der freien Märkte.

 

GATA muss aufpassen, sich nicht genauso wie der Silber-Analyst Ted Butler lächerlich zu machen, der seitenweise Eingaben an die CFTC schreibt und praktisch keinen messbaren Erfolg trotz jahrelanger Arbeit vorweisen kann. Als Rache für Teds Aktionen scheint sich insbesondere immer JP Morgan besonders schlimm an dem Silber-Kurs auszutoben.

 

Ansonsten ist das Geschehen am Goldmarkt kurz und knapp folgendermaßen zu beschreiben: Gold tendierte heute früh leicht positiv im asiatischen Handel. Der beginnende Handel in London verstärkte jedoch den Druck wieder. Zum A.M. Fix stand Gold dann nur noch bei $1.100,75 (EUR 814,47) und damit fast vier Dollar niedriger als zum gestrigen A.M. Fix.

 

Die Abwärtsentwicklung verstärkte sich im frühen Vormittags-Handel dann und kurz vor Beginn des Handels an der COMEX stand Gold dann bei seinem Tagestiefstand von $1.095.

 

In den ersten beiden Stunden ging es ruhig an der COMEX zu, bis der P.M. Fix mit $1.101,50 (EUR 814,18) die Markteilnehmer etwas überraschte. In der Folge stieg Gold rasch auf $1.105 an. Der Tages-Höchststand wurde zwei Stunden später mit $1.108 erreicht. Hier setzte der Verkaufsdruck erneut ein, der Gold bis zum Ende des Handels an der COMEX auf $1.103,50 drückte. Im Vergleich zu gestern trotzdem ein Gewinn von fünf Dollar.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.100,75

(€814,47)

$1.104,25

(€816,27)

- $3,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.101,50

(€814,18)

$1.097,25

(€810,68)

+ $4,25

COMEX Schlusskurs

$1.103,50

$1.098,10

+ $5,40

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,8

80,6

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,7 %

3,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

21,8

21,8

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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