Bericht für den 24. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Who’s next?

 

Das Poker-Spiel um Griechenland geht in die Endphase. Die Karten müssen aufgedeckt werden und wir warten geduldig, wer nun hier wie stark geblufft hat.

 

Es wurde schon so viel geschrieben zu diesem Thema, dass es inzwischen Jedem leid ist, sich weitere Berichte und Argumente anhören zu müssen. Die Interessenslagen sind klar und jeder, der diese Berichte ließt, weiß, warum der eine so und der andere anders reagiert. Müßig, dies noch einmal aufzuwärmen.

 

Das eine Spiel ist noch nicht beendet, da beginnt schon das nächste: Diesmal Portugal. Die Rating-Agentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit des Landes Portugal von AA auf AA- heruntergestuft – mit dem Zusatz negativ. Das heißt weitere Abstufungen sind wahrscheinlich. Der Euro fiel auf ein Zehnmonats-Tief gegenüber dem US-Dollar. Trotz des Versuchs der SNB (Schweizer Nationalbank), den Franken gegenüber dem Euro wegen der Probleme für die eigene Exportindustrie nicht weiter steigen zu lassen, tendiert der Franken auf neuen Höchstständen.

 

Ob die Fitch-Aktion mit dem heutigen Geschehen an den non-interest bearing asset Märkten zu tun hat, mit der Rettung von Griechenland & Co oder beides, das müssen wir einfach abwarten. Aber eines ist gewiss: Es war geplant und es hatte ein Ziel.

 

Jemand stützt hier den Merkel-Kurs, sich trotz heftiger Widerstände der EU-Kommission, der meisten Staaten des Euro-Raums und nun auch aus Teilen der EZB weiterhin bockig konkrete Hilfen mit deutschen Steuer-Milliarden abzulehnen. Das ist sicherlich nicht die BILD-Zeitung, die mit ihrer Kampagne gegen eine Griechenland-Rettung eine Zustimmung von 90 Prozent der teilnehmenden Bevölkerung erzielen konnte. Und sicherlich ist auch nicht der harte Tobak, den Eichelburg, Ziemann & Co die letzten Tage und Wochen gegen die Rettung ins Feld gebracht haben, der entscheidende Punkt. Denn eines ist klar: Wenn Griechenland mit Geldern der EU-Länder und insbesondere Deutschland gerettet werden muss, dann steht bereits mit Portugal der nächste Patient vor der Tür.

 

Fitch betreibt hier einen Merkel-Unterstützungs-Kurs. In welchem Namen, das werden wir wohl demnächst erfahren dürfen. Eine These: Im Namen der Vereinigten Staaten. Aber warten wir es ab.

 

Wir resümieren: Das Euro-Projekt ist gescheitert. Deutschland will es nicht mehr, weil wir für die Sünden der anderen sonst zahlen müssten. Aber das können und vor allen Dingen wollen wir nicht (mehr). Frankreich will es anscheinend auch nicht mehr, denn Airbus & Co sind auch französische Industrie-Arbeitsplätze, die wegen des starken Euros sich nun bei Boing in Seattle wiederfinden werden. Eine von Obama initiierte Reindustrialisierung der Vereinigten Staaten darf nicht auf Kosten französischer Arbeitsplätze erfolgen. Und Griechenland will den Euro anscheinend auch nicht mehr, weil man unverhohlen auf den größten Zahler eindrischt und so sich selbst eine IWF-Rettung zurecht schmiedet.

 

Dass Obama den Euro als Konkurrent zu dem dominanten Dollar sieht, ist nur zu verständlich. Aber die Vereinigten Staaten spielen mit einem Zerfall des Euros auch mit dem Feuer: Eine Deutsche Mark II würde weltweit als eine neue Hartwährung und Fluchtwährung angesehen werden. Das würde zwar den Konkurrenten Deutschland vom heimischen Markt verdrängen, aber ein monetärer Zusammenbruch des Dollars durch Verschiebung von Vermögensmassen in die neue DM würde der Dollar wohl nicht überleben. Denn im Gegensatz zu Gold, Silber & Co könnten nun innerhalb eines Tages Geldmassen von dreistelliger Milliarden-Höhe von Dollar in DM-II getauscht werden.

 

Wenn die USA planen, den Euro nur zu schwächen, um den Dollar retten zu können, dann sind sie jetzt wohl zu weit gegangen. Fast unumkehrbar scheinen die Positionen auf ein Ende des Euros hinzudeuten. Der starke Euro wird zwar kurzzeitig schwach, dann aber durch eine noch stärkere DM abgelöst.

 

Spannende Zeiten.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Das Nachrichten-Portal The Street versucht sich in einer Erklärung für den heutigen Rückgang des Gold-Preises: Portugal Sinks Gold Prices. Soviel Dummheit müsste bestraft werden. Wenn die Herunterstufung von Portugal einen Effekt auf den Goldpreis hätte, dann einen positiven.

 

In Wirklichkeit können wir erneut den Effekt beobachten, der uns schon vor wenigen Monaten während der von China initiierten Dollar-Hebung aufgefallen ist: Die non-asset bearing assets, das heißt diejenigen Anlageklassen, die keine Zinsen erwirtschaften, fallen mit einem schwachem Euro.

 

Und wer sich heute den Kursverlauf von Gold, Silber, Platin und Palladium angeschaut hat, wird feststellen, dass die Kursrückgänge kontinuierlich mit dem einbrechenden Euro verliefen.

 

Noch schlimmer hat es den Japanischen Yen erwischt. Der ist um fast zwei Prozent gegenüber dem Dollar gefallen, während der Euro lediglich 1,3 Prozent verlor. Das riecht stark nach einer zwischen den Zentralbanken vereinbarten Drückung insbesondere des die letzten Wochen zu stark gestiegenen Ölpreises. Da ein stark ansteigender Ölpreis inflationär wirkt, im Gegensatz zu den Preisen der Edelmetalle, sind die Notenbanken an einem fallenden Ölpreis interessiert.

 

Das bemerkenswerte Devisenpaar heute war Dollar/Yen und gar nicht Dollar/Euro. Die Ablenkung der Beobachter durch die Herunterstufung der Bonität von Portugal durch Fitch ist gelungen.

 

Ein Blick um 19:20 Uhr auf das Geschehen:

 

·             Gold $1.087 minus $16

·             Silber $16,60 minus 39 Cent

·             Platin $1.579 minus $29

·             Palladium $445 minus $20

·             Öl (US) $80,50 minus $1,40

·             Yen/Dollar 92 minus 1,75 Prozent

·             Euro/Dollar 0,75 minus 1,1 Prozent

 

Wir haben heute auch keinen wasserfallartiken Kursrutsch bei Gold & Silber beobachten können. Alles verlief relativ gesittet. Also gab es heute keine gezielte Preisdrückung der Edelmetalle im Derivate- beziehungsweise physischem Markt.

 

Wie geht es die nächsten Tage weiter? Wahrscheinlich wird der kräftige Rückgang von Gold und Silber eine Reihe von spekulativen Shorts anziehen, die an dieser Entwicklung glauben verdienen zu können. Diese können die nächsten zwei Tage die Kurse von den Edelmetallen weiter nach unten ziehen, ohne dass es weiterer kräftiger Verschiebungen an den Märkten bedarf. Eine Bären-Falle.

 

Die Daten zum A.M. Fix, P.M. Fix und zum Schlusskurs an der COMEX können in nachstehender Tabelle gefunden werden. Der Goldpreis hat sich ziemlich genau mit dem steigenden US-Dollar entwickelt, wie auch der Ausweis auf kitco.com widerspiegelt.

 

Der US-Dollarindex (USDX) ist heute um einen ganzen Punkt auf 81,8 gestiegen.

 

Und das ist mir schon die letzten Male bei einem starken Anstieg des USDX aufgefallen: Die Realrenditen der 10-jährigen Treasury Notes sind auf 3,8 Prozent gestiegen. Das heißt die Staatsanleihen im Kurs gesunken. Auch wieder so ein Finanzsystem-Paradoxum.

 

In Access Handel ist Gold dann doch um weitere fünf Dollar gesunken. Wahrscheinlich legen JP Morgan und andere Gold-Kartellbanken die auf den Einstieg wartenden Shorts eine Falle: Damit könnten sie billig ihre existierenden Short-Positionen günstig auflösen.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.094,00

(€819,35)

$1.100,75

(€814,47)

- $5,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.090,75

(€816,49)

$1.101,50

(€814,18)

- $10,75

COMEX Schlusskurs

$1.086,80

$1.103,50

- $16,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,8

80,8

+ 1,0

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,5

21,8

- 0,3

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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