Bericht für den 26. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Gewonnen und trotzdem verloren

 

Der SPIEGEL hat das Ergebnis des Pokers beim EU-Gipfel am Schluss seines heutigen Berichts folgendermaßen zusammengefasst: Kleiner Rabatt für großen Streit – Dafür, dass der halbe Kontinent nun auf die Deutschen schimpft, wirkt der von Merkel ausgehandelte Rabatt von ein paar Milliarden Euro eher mickrig. Die Einbeziehung des IWF im Falle einer griechischen Pleite bedeutet, dass die Rechnung etwas niedriger ausfällt. Eine Milliardensumme würde aber wahrscheinlich trotzdem fließen – je nachdem, wie hoch der Finanzbedarf Griechenlands ist. Nach dem EZB-Schlüssel entfielen 27 Prozent der bilateralen Hilfen auf Deutschland.

 

Merkel konnte sich nur mit der IWF-Beteiligung durchsetzen. Die Forderung nach verschärften Regeln im Stabilitätspakt wurde nicht gebilligt. Und die Forderung, dass nur im äußersten Notfall geholfen werden dürfte, wird sich wohl bald bewahrheiten: Im Krisenfalle werden also vor allen Dingen deutsche Gelder fließen, da der IWF nur einen kleinen Teil übernehmen könnte. Wenn Portugal, Spanien und andere Länder hinzukämen, wahrscheinlich überhaupt nicht mehr.

 

Zu gut Deutsch: Wir werden für die Rettung der Südländer zahlen müssen. Der in der Presse als Sieg Merkels verkaufte Kompromiss ist eine bittere Niederlage für den deutschen Steuerzahler. Die Euro-Länder sind jetzt nicht mehr durch einen Stabilitätspakt, sondern durch eine Schuldengemeinschaft miteinander verschmolzen. Das heißt: Der eine muss im Notfall für die anderen zahlen. Und es gibt viele Notfall-Kandidaten in der Euro-Zone.

 

Ein Dammbruch im Euro-System. Während Irland derzeit durch massive Einsparungen und Steuererhöhungen versucht, die Konvergenz-Kriterien für den Euro entsprechend des Stabilitätspaketes zu erfüllen und dafür eine schwere Rezession riskiert, wollen Griechenland & Co diesen Weg anscheinend nicht gehen. Sie beschimpfen lauthals ihre Gläubiger und fordern gemeinschaftliche Rettung ein.

 

Noch fließt kein Geld, aber ob der Zeitpunkt, wo es kritisch wird bis nach der Wahl in NRW verschoben werden kann, ist wohl zu bezweifeln. Da mögen die Hilfen der EZB, griechische Staatspapiere zu monetarisieren, auch kurze Entspannung am Markt bringen. Der Tag der Abrechnung wird trotzdem kommen.

 

Angela Merkel hat in Wirklichkeit ihr eigenes (politisches) Todesurteil unterschrieben.

 

Da kann die Springer-Presse, die mit ihrer Kampagne gegen eine Griechenland-Rettung 90 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung erzielen konnte, auch noch so viel in der BILD verkünden, dass Merkel gesiegt habe oder schlimmeres verhindert hätte.

 

Die Leserkommentare zu diesen Berichten sind mehr als eindeutig: Der Bürger versteht, dass er zahlen muss und dass Merkel überhaupt nichts zum Wohle seines Volkes erreicht hat. Merkels ist wieder einmal umgefallen – so lautet langläufig die Botschaft, die man den Leser-Kommentaren entnehmen konnte. Ich konnte keinen Kommentar identifizieren, der auch nur annähernd den Optimismus der Presse geteilt hat.

 

Statt dessen publiziert heute die ebenfalls zum Springer-Konzern gehörende WELT die Rechnung für Merkels Kniefall: OECD rät Deutschland zu höherer Mehrwertsteuer. Da haben wir es wieder einmal: Die Anderen bleiben stur und lassen sich von Deutschland retten und die von Franzosen beherrschte OECD kommt mit einem konkreten Vorschlag, wie man das Geld dafür bei Bürger einsacken könnte.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Während der laufenden Anhörungen der U.S. Aufsichtsbehörde für die Rohstoff-Märkte (CFTC) kommen nun ganz andere Nachrichten über Preis-Manipulationen der großen Investment- und Geschäftsbanken im Auftrag der FED und U.S.-Regierung ans Licht der Öffentlichkeit.

 

Bloomberg berichtete unter dem Titel: JPMorgan, Lehman, UBS Named as Conspirators in Muni Bid-Rigging: JPMorgan Chase & Co., Lehman Brothers Holdings Inc. and UBS AG were among more than a dozen Wall Street firms involved in a conspiracy to pay below-market interest rates to U.S. state and local governments on investments, according to documents filed in a U.S. Justice Department criminal antitrust case.

 

Leser dieser Berichte wissen, dass die sogenannten Primary Dealer Banken Staatspapiere bei Versteigerungen zu einer realen – wenn man die wirkliche Inflationsrate zu Grunde legt und nicht die von den Wahrheitsministerien veröffentlichten Bogus-Zahlen – Negativverzinsung im Auftrag der Regierung ankaufen, um den Schein eines gesunden und florierenden Bond-Marktes vorzutäuschen. Die Regierung, sei es nun die Bundesregierung, die Regierungen der Staaten oder Gemeinde-Aufgaben wie in dem oben berichteten Fall, können mit dieser Methode kostengünstig weiter aufschulden.

 

Erst am Donnerstag packte ein Silber-Trader aus und erläuterte, wie JP Morgan Chase gezielt den Silbermarkt manipuliert. Dieser Trader mit dem Namen Andrew Maguire wollte seine Erkenntnis auf dem Hearing der CFTC vortragen – ihm wurde jedoch der Eintritt versagt. Andrew erläutert der CFTC in einer EMail vom 26. Januar 2010, wie ein einziger Verkäufer, der eine konzentrierte Position in einem engen Markt wie Silber hält, einen plötzlichen Ausverkauf nach seinem Willen auslösen kann. Der Trader identifizierte bestimmte Zeitpunkte, wann ein solcher Ausverkauf ausgelöst wird: Zum Verfallstag von Optionen, wenn Future-Kontrakte übergerollt werden müssen und bei der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten (egal ob diese nun gut oder schlecht ausfallen).

 

Ein konkretes Beispiel, wie die Trader von diesem vorhersehbaren Ereignis Nutzen zogen, gab er wie folgt: I brought to your attention during our meeting how we traders look for the "signals" they (JPMorgan) send just prior to a big move. I saw the first signals early in Asia in thin volume. As traders we profited from this information but that is not the point as I do not like to operate in a rigged market and what is in reality a crime in progress.

As an example, if you look at the trades just before the pit open today you will see around 1,500 contracts sell all at once where the bids were tiny by comparison in the fives and tens. This has the immediate effect of gaining $2,500 per contract on the short positions against the long holders, who lost that in moments and likely were stopped out. Perhaps look for yourselves into who was behind the trades at that time and note that within that 10-minute period 2,800 contracts hit all the bids to overcome them. This is hardly how a normal trader gets the best price when selling a commodity. Note silver instigated a rapid move lower in both precious metals.

 

Wenn das Verhalten in einem Markt vorhersehbar ist, dann kann dieser Markt nur manipuliert sein.

 

Im heutigen Goldmarkt ging es nach dem gestrigen Optionsverfall-Tag wieder aufwärts. Im frühen asiatischen Handel konnte sich Gold von $1.090 auf $1.095 verbessern. Mit diesem Niveau ging das gelbe Metall in den Londoner Vormittags-Handel. Dort stieg Gold mit dem gleichzeitig nachgebenden US-Dollar auf bis zu $1.100 an. Zum A.M. Fix stand Gold aber mit $1.098,00 (EUR 820,51) noch leicht unter dieser Marke. Im Tagesvergleich ein Zuwachs von sechs Dollar. Aber wegen des fallenden Dollars legte Gold in Euro gerechnet nur einen Euro zu.

 

Auf diesem Niveau hielt sich Gold dann bis in den frühen COMEX-Handel in New York. Dort wurde es im Vorfeld des Londoner P.M. Fixes auf bis zu $1.093 gedrückt. Der P.M. Fix kam wenig überraschend mit $1.096,50 (EUR 818,41) in der Nähe dieser Marke zustande.

 

Nachdem der Londoner Handel beendet war, stieg Gold stark auf $1.105 an und konnte dieses Niveau auch bis zum Schluss des COMEX-Handels halten. Der Schlusskurs lautete $1.104,20 und war damit elf Dollar höher als vor 24 Stunden.

 

Der US-Dollar (USDX) gab heute kräftig um 0,5 Punkte auf 81,6 nach. Die 10-jährigen Treasury Notes verharrten auf dem relativ hohen Zinssatz von 3,9 Prozent. Alan Greenspan bezeichnet diesen Zinssatz als den Kanarien-Vogel in Kohlenmine – ein Ansteigen dieses Wertes wird sich auf das komplette Zins-Niveau negativ auswirken.

 

Wir werden sehen, ob den oben dargestellten Manipulatoren nun von der Staatsanwaltschaft der Prozess gemacht wird. Wenn ja, dann müssen die ihre Manipulationen am Bond-Markt einstellen und der Zinssatz könnte plötzlich nach oben schnellen. Ein toter Kanarien-Vogel würde dann höchste Gefahr für das System anzeigen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.098,00

(€820,51)

$1.093,50

(€819,22)

+ $5,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.096,50

(€818,41)

$1.093,00

(€818,79)

+ $3,50

COMEX Schlusskurs

$1.104,20

$1.093,50

+ $10,70

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,6

82,1

- 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,9 %

3,9 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

20,9

21,1

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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