Bericht für den 31. März 2010

 

Gold & Gesellschaft: Häusermarkt-Monetarisierer

 

Die US-Notenbank hat bislang nach offiziellen Zahlen der Bilanz der FED $1.425 Milliarden an hypothekenbesicherten Wertpapieren aufgekauft. Das Programm läuft offiziell zum 1. April aus. Wer im Privatsektor wird dann diese Papiere kaufen?

 

Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) angeblich der Privatsektor sowie die Immobilien-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac.

 

Das möchte ich sehen. Fannie und Freddie hängen derzeit auch nur am Tropf des Bundeshaushaltes und produzieren von einem zum nächsten Quartal immer größere Verluste. Zentralbanken wie die PBoC (Peoples Bank of China) haben in der Vergangenheit ihre Devisen-Reserven zum Teil in die Bonds von Fannie und Freddie investiert. Nachdem im Jahr 2008 beide Gesellschaften praktisch Pleite waren und unter Conservatorship der Regierung gestellt werden mussten, hat China vom weiteren Ankauf dieser Bonds Abstand genommen und hat an deren Stelle lieber die Staatsanleihen-Kurzläufer gekauft. Auch Pimco, der größte private Bond-Holder der Welt hat sich zunehmens von den Anleihen von Freddie und Fannie verabschiedet. Inzwischen bevorzugt Pimco sogar deutsche Bundesanleihen anstatt US Treasuries.

 

Die beiden Finanzierer vergeben auf Geheiß der Regierung nur Immobilien-Kredite an die weiterhin sehr starke Gruppe der Subprime-Schuldner, die über die Federal Housing Administration (FHA) abgesichert sind. Die FHA selbst produziert massive Verluste und hängt ebenfalls nur am Tropf der Regierung.

 

Die ganze Häuser-Finanzierung ist ein einziges Debakel. Nur das kräftige Einschleusen von Regierungsgeldern hat bislang verhindert, dass sich die Abwärtsspirale am Häusermarkt weiter nach unten dreht.

 

Wenn Fannie und Freddie ihre Bonds aber nicht mehr der FED verkaufen können, wer soll diese maroden Finanz-Papiere denn sonst kaufen? Sicherlich nicht private Investoren oder ausländische Regierungen beziehungsweise Notenbanken.

 

Und auch die andere Hoffnung der FED, dass private Anleger diese Papiere kaufen werden, ist wohl mehr als unrealistisch. Wenn dann mit einem Haircut von 50 Prozent und mehr. Aber das würden die Emittenten dieser Anleihen nicht verkraften, die wahrscheinlich die Papiere noch nahe ihres Nennwertes in den Bilanzen stehen haben.

 

Auch der Versuch der US-Großbanken wie JP Morgan, das Schattenbanken-System wieder in Gang zu bringen, das vor dem Jahr 2008 einen Großteil dieser Papiere refinanziert hat, ist wohl als gescheitert anzusehen. Da die in diesem System erzeugte Geldmenge nicht in monetären Statistiken wie M3 erfasst wird, ist es schwierig einen detaillierten Überblick zu erhalten. Jedenfalls nimmt derzeit die offiziell ausgewiesene Kreditgeldmenge M3-M1 ab, was nicht gerade auf eine stärkere Kreditvergabe hindeutet. Sondern das Gegenteil: Kredit wird weiter abgebaut.

 

Die Notenbanken haben diese Löcher bislang gut mit einer kräftigen Ausweitung der Geldmenge M1 in den Griff bekommen können. Dieses M1 marodiert derzeit in den Asset-Märkten und es droht die Gefahr einer Stark-Inflation, wenn auch der Kreditmultiplikator wieder anspringt.

 

Nächste Woche haben wir eine weitere Versteigerungs-Auktion, insbesondere für die als Benchmark am Häuserkredit-Markt angesehenen 10-jährigen Notes (am Mittwoch, den 7. April) und 30-jährigen Notes (am Donnerstag, den 8. April). Signalisieren diese beide Anleihen steigende Zinsen, dann wird die Situation am Häusermarkt zunehmens schwieriger werden als bislang.

 

So wird der Staat dann wohl noch stärker in den besicherten Hypothekenmarkt eingreifen müssen, beispielsweise über verstärkte Garantien für Fannie, Freddie und die FHA. Finanziert wird das über eine noch stärkere Ausweitung der Staatsverschuldung, die wegen der direkten Monetarisierung dann wiederum M1-treibend wirken wird.

 

Ein Anstieg von M1 wird dann die Kurse der Edelmetalle weiter treiben. Deshalb reagiert das Gold-Kartell die letzten Tage auch so nervös. Gute Zeiten für die Besitzer für Gold & Co – schlechte Zeiten für die Konsumenten, die sich auf weiter steigende Ölpreise einrichten müssen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Wir haben heute wieder eine Devisenkurs-Gegenbewegung gesehen. Der Euro ist gegenüber dem Dollar um 0,9 Prozent gestiegen, während der Yen gegenüber dem Dollar um 0,7 Prozent gefallen ist.

 

Diese Konstellation war schon mehrere Male die letzten Wochen und Monate Edelmetall- und Rohstoff-freundlich. So auch heute.

 

Öl steigt weiter an. Mit ihm Platin – aber viel stärker; praktisch als Turbo – um $24. Silber scheint nach der offiziell bekanntgewordenen Manipulation durch JP Morgan auch seinen Turbo angeworfen zu haben: plus 27 Cent. Interessanterweise berichten die US-Medien überhaupt nicht von dieser Manipulation, die GATA auf den Anhörungen der CFTC vorgebracht hatte. Auch der Mordversuch auf den Silber-Trader, der die Vorwürfe konkretisiert hatte, findet keinerlei Gehör in unserer westlichen Wirtschaftspresse. Einzig eine russische Fernsehstation scheint einen Bericht zu planen. Das ist Pressefreiheit in Realität. Gut, dass es das Internet gibt, mit dem sich praktisch jeder nichtberichtete Nachrichten zusammensuchen kann.

 

Am Goldmarkt kam es heute früh in Asien zu einem leichten Preisanstieg auf über $1.105. Im Londoner Vormittags-Handel ging es dann auf bis zu $1.110 hoch. Der A.M. Fix kam mit $1.109,50 (EUR 823,99) knapp unter diesem Niveau zustande.

 

Mit Eröffnung des Handels an der New Yorker COMEX ging es weiter mit Gold bergauf. Vor dem P.M. Fix wurde mit $1.118 der erste Tageshöchststand verzeichnet.

 

Zum P.M. Fix ging es aber mit $1.115,50 (EUR 825,07) wieder leicht abwärts. Im Tagesvergleich konnte jedoch ein Zuwachs von neun Dollar erzielt werden.

 

Kurz nach dem P.M. Fix wurde mit $1.117 ein zweiter Höchststand verzeichnet. Nachdem diese Schwelle – wohl wegen der Gegenwehr des Gold-Kartells – nicht überwunden werden konnte, gab Gold wieder einige Dollar seines Gewinnes ab.

 

Der Schlusskurs an der COMEX betrug $1.114,40.

 

Am Freitag, den 2. April werden doch – entgegen meiner gestrigen Vermutung – die Arbeitsmarktzahlen für den März durch das BLS verkündet. Dieser Zeitpunkt ist immer einer der beliebten Manipulations-Punkte des Gold-Kartells. Egal, ob die Zahlen nun offiziell gut oder schlecht ausfallen werden. Auf eine hohe Volatilität bei Gold & Silber werden wir uns wohl die nächsten beiden Tage einstellen müssen. Wenn dies wieder durch Währungskurs-Manipulationen erreicht wird (in diesem Falle sinken nicht nur Gold & Silber, sondern auch Platin und Palladium), dann liegt die Vermutung sehr nahe, dass das Gold-Kartell gar kein physisches Gold in ausreichender Menge mehr auftreiben kann, um den Markt effektiv beeinflussen zu können. 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.109,50

(€823,99)

$1.109,75

(€823,56)

- $0,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.115,50

(€825,07)

$1.107,00

(€822,93)

+ $8,50

COMEX Schlusskurs

$1.114,40

$1.105,00

+ $9,60

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,0

81,5

- 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,9 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,3

20,9

+ 0,4

 

Über Ziemanns Gold News

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Er ist erreichbar unter: ziemann@bullionaer.de

 

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