Bericht für den 5. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Umlaufgeschwindigkeit des Goldes

 

Kürzlich hatte ich die Situation auf dem Goldmarkt wie folgt versucht zusammenzufassen: Beim Gold wird soviel gelogen wie vor der Wahl, während der Jagd und nach der Wahl zusammen.

 

In Wirklichkeit wird gar nicht echt gelogen, sondern Zahlen werden von den Marktteilnehmern einfach falsch interpretiert. Deshalb kommen auch die verächtlich als Gold-Bugs bezeichneten Investoren, die sich ein goldbasiertes Währungssystem wünschen, vielfach zu falschen Schlüssen. Oder sie verrennen sich in Themen wie den Kampf um einen freien Markt an der LBMA in London oder der COMEX in New York, der einfach nicht richtig von den Aufsichtsbehörden überwacht wird.

 

Meines Erachtens eine völlig falsche Baustelle. Aber deren Schluss teile ich: Physisches Gold kaufen, solange es noch billig und überhaupt zu haben ist.

 

Schauen wir uns doch einfach einmal die Zahlen des physischen Goldhandels der LBMA in London an. Dort werden täglich zwischen 18 und 20 Millionen Unzen Gold gehandelt. Das sind zwischen 560 und 620 Tonnen – täglich. Wohl gesagt wir sprechen hier von dem sogenannten physischen Handel. Kein Handel in Futures und Optionen, wie man die sogenannten Instrumente des Papiergold-Systems auch bezeichnet. Hinzu kommt noch das Handels-Volumen, das über ein Schatten-Goldmarktsystem OTC (Over the Counter) direkt zwischen großen Marktteilnehmern verschoben wird. Auch hier gibt es wieder Derivate, die einen bestimmten Goldkurs als Grundlage haben. Die Geschäfte dieses Schattenmarktes werden jedoch nicht offiziell erfasst. Und sie haben keinen Einfluss – jedenfalls nicht direkt – bei der Preisgestaltung an den offiziellen Märkten.

 

Stellen wir die Future- und OTC-Märkte einmal zurück und konzentrieren uns rein auf den physischen Handel in London. Bei einem physischen Jahresbedarf an Gold, der um die 3.000 Tonnen schwanken dürfte, hätten wir bei 230 Handelstagen der LBMA ein tägliches durchschnittliches physisches Handels-Volumen von 13 Tonnen Gold. Betrachtet man jedoch die tägliche Handelsmenge in London, dann wird das 45-fache dieser Menge dort täglich gehandelt.

 

Das Gold Anti-Trust Action Committee (GATA) beschuldigt die an der LBMA handelnden Großbanken, dass nur ein hundertstel der dort gehandelten Menge auch wirklich mit physischem Material gedeckt sei.

 

Zumindest müssen für 45 verkaufte Tonnen Gold eine wirkliche Tonne Gold an Investoren, Schmuckhersteller und andere Abnehmer verteilt werden. Denn einen wirklichen Nachfrager nach physischem Gold kann man nur mit der Lieferung von echten 400oz-Barren befriedigen. Wie sollte er sonst seine Goldmünzen prägen oder seinen Schmuck herstellen können, den seine Kunden nachfragen und auch wirklich erhalten. Das System scheint irgendwie noch zu funktionieren, weil ein Markt ohne ausreichendes Angebot den Ausgleich nur über Zwangsbewirtschaftungs-Maßnahmen oder den Preis erreichen kann.

 

Widmen wir uns also den 44 nur scheinbar verkauften Tonnen Gold (oder den täglich 547 bis 603 Tonnen an der LBMA umgesetzten Menge), die anscheinend nichts mit der realen Nachfrage zu tun haben.

 

Ein Teil dieser Menge entsteht als Ausgleichs-Ventil, um die Preisbewegungen der verschiedenen Future-Märkte an die des physischen Handels in London anzupassen. Fällt beispielsweise der Future-Preis an der COMEX für den nächsten größeren Liefermonat in New York um $15 Dollar, so werden Marktteilnehmer den Preis-Unterschied zwischen dem Spot-Markt und dem Future-Markt dadurch ausnutzen, in dem sie Gold am Spot-Markt leerverkaufen (oder verkaufen, wenn sie welches im Lager haben) und sich gleichzeitig durch Kauf eines Future-Long Kontraktes der COMEX absichern. Denn wenn beide Märkte funktionieren, dann kann der Marktteilnehmer bei Ablauf des Future-Kontraktes auf Lieferung bestehen und das leerverkaufte Gold zurückzahlen. Den Preis-Unterschied abzüglich der Kosten der Transaktion und der Leihkosten für das leerverkaufte Gold verbucht der Marktteilnehmer als Arbitrage-Gewinn. Es gibt viele solche Marktteilnehmer, deren Computer-Systeme innerhalb von Sekunden-Bruchteilen eine solche Chance erfassen und die entsprechenden Geschäfte automatisiert auslösen. So fällt der sogenannte Spot-Preis fast zeitgleich mit dem Preis an den Future-Märkten. Wobei es außerhalb der Handelszeiten in London mit den zwei Preispunkten zum Vormittag (A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ) und Nachmittag (P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ) eigentlich keinen offiziellen physischen Goldpreis gibt.

 

Die in London gehandelte Menge Gold lässt sich aber auch nur zu einem kleinen Teil auf diese Ausgleichsbewegungen zwischen den unterschiedlichen Gold-Märkten zurückführen.

 

Viel gravierender ist, dass die Market Makers der LBMA selbst die großen Goldkartell-Banken sind. Und diese haben ein Interesse daran, dass der Goldpreis unter Kontrolle bleibt. Deshalb werden über 75 Prozent der an der LBMA täglich gehandelten Menge zwischen den Market Makers und anderen Gold-Kartellbanken in London untereinander verschoben.

 

Denn wenn man ein großes Handelsvolumen unter sich schafft, dann sind die Preis-Wünsche der Anbieter und Abnehmer für echtes Gold längst nicht mehr so signifikant. Man schafft sich so einen durch Marktdominanz praktisch kontrollierten Handel.

 

Der Haken dabei ist, dass die Verkäufer-Bank in einem steigenden Goldmarkt zunehmens Geld verliert, während die Käufer-Bank zu den Gewinnern gehört. Außerdem besitzt die Goldbank-A, die auf der Verkäufer-Seite steht, gar nicht die physische Goldmenge, um solche Geschäfte in dem ausgewiesenen Umfang tätigen zu können.

 

Das können die Parteien nun folgendermaßen untereinander regeln:

 

1.         Goldbank-A ist am Tag 1 die Verkäufer-Bank, am Tag 2 aber die Käufer-Bank. Am Ende der beiden Handelstage hat sich der Goldbestand von Goldbank-A gar nicht verändert.

2.         Goldbank-A verkauft an Goldbank-B eine Goldmenge, die sie gar nicht physisch besitzt. Im Prinzip braucht Goldbank-A gar kein physisches Gold für die Geschäfte mit Goldbank-B zu besitzen, da am nächsten Tag das Geschäft in umgekehrter Reihenfolge erfolgt und gar keine physische Goldbarren ausgetauscht werden.

3.         Goldbank-A sichert sich gegen Preisbewegungen am Goldmarkt gegen Goldbank-B durch ein Gold-Geschäft am OTC-Markt ab. Das heißt Goldbank-A verkauft zwar Goldbank-B das Gold zu einem Preis von beispielsweise $1.100, sichert sich aber durch ein Derivate-Geschäft mit Goldbank-B am OTC-Markt dagegen ab. Wenn von Tag 1 auf den Tag 2 der Goldpreis beispielsweise um $10 steigen sollte, dann macht Goldbank-A zwar einen Verlust von $10 pro Unze an der LBMA, kann aber aus seinem Geschäft am OTC-Markt einen Gewinn in gleicher Größenordnung ausweisen.

 

Im Prinzip läuft das physisch vorhandene Gold durch diese Methoden 45 Mal so schnell am Tag um, das heißt wird zwischen den Parteien ausgetauscht, wie es der eigentliche Markt erfordern würde. Mit dieser hohen Umlaufgeschwindigkeit suggeriert man dem Markt, dass viel mehr Gold vorhanden sei als in Wahrheit da ist. Das kann man mit dem Effekt der Umlaufgeschwindigkeit von Papiergeld vergleichen: Wenn ein EUR 500-Schein bei einem Konsumenten oder anderen Marktteilnehmer pro Jahr 1, 10 oder 100 Mal durch seine Hände läuft, dann hat dieser Konsument eben einen Jahresverdienst von EUR 500, EUR 5.000 oder EUR 50.000. Dazu braucht man gar keine neuen Geldscheine drucken. Der Anschein einer großen Geldmenge wird allein durch die Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit erreicht. Und am Ende des Tages ist es für den Konsumenten egal, ob er den gleichen Geldschein mehrere Male im Jahr kurzzeitig in seinen Händen hält.

 

Die bisher von offiziellen und über Verleih-Geschäfte mit den Zentralbanken ausgeglichene Goldmenge hat das oben dargestellte Verfahren in der Vergangenheit gut funktionieren lassen. Inzwischen fehlen die über 1.000 Tonnen Gold, die bislang die Notenbanken via offizielle Verkäufe oder Goldleihoperationen dem Markt jährlich zur Verfügung gestellt haben. Dieses Gold haben auch die Goldkartell-Banken in London nicht, so dass sie es sich nur wieder über Tricks an Schattenmärkten besorgen können.

 

Das funktioniert folgendermaßen: Goldbank-A muss für den Tag 1 an einen Goldabnehmer 10 Tonnen Gold physisch liefern. 7 Tonnen konnte sich Goldbank-A durch Ankauf von Gold bei Minen-Gesellschaften oder Gold-Raffinerien sichern. Die restlichen 3 Tonnen, das Defizit am Goldmarkt, kauft sich Goldbank-A nun am OTC-Markt zu einem Preis über dem offiziellen Marktpreis an. Den Verlust aus diesem Geschäft trägt nun Goldbank-A. Der Marktpreis von Gold steigt trotz dieses Defizits aber nicht an, da das Geschäft zum erhöhten Preis am OTC-Markt gar nicht die offizielle Preisfindung in London beeinflusst. Aber das Marktverfahren mit dem 45-fachen Leverage (also 450 Tonnen Gold für Goldbank-A in dem Beispiel) an der LBMA funktioniert bislang noch weiter. Obwohl man jetzt noch tiefer in die Trickkiste greifen musste.

 

Das Verfahren hat seine Grenze dann erreicht, wenn Goldbank-A nicht mehr willens ist, die Verluste aus solchen Geschäften zu tragen – denn wenn Goldbank-A am OTC-Markt $1.150 pro Unze bezahlen muss, um Gold offiziell zu $1.100 zu verkaufen, dann ist das ein täglicher Verlust bei 3 Tonnen von $5 Millionen. Oder wenn sich selbst am OTC-Markt bei erhöhten Preisen kein Marktteilnehmer mehr findet, der Goldbank-A das Golddefizit ausgleicht. Weil einfach nicht mehr genug Gold vorhanden ist, egal zu welchen Preisen. Tritt dieser Fall ein, dann bricht mit dem LBMA-Markt in London die ganze Gold-Pyramide zusammen, die sich die letzten Jahrzehnte aufgebaut hat.

 

Zuerst werden dann die Käufer von Gold an der LBMA ihr gekauftes Gold nicht erhalten. Dann werden die Marktteilnehmer versuchen, physisches Gold durch Lieferung von COMEX-Futurekontrakten zu erhalten. Dort werden sie feststellen, dass ihre Long-Kontrakte nur mit maximal fünf Prozent mit physischem Gold hinterlegt sind.

 

In der nächsten Stufe werden alle Besitzer von Gold-Zertifikaten und Gold-Konten feststellen, dass ihre Banken gar kein physisches Gold zur Deckung hinterlegt haben. Gold ETF-Inhaber werden überrascht darüber sein, dass ihre physisch hinterlegten Papiere doch nicht mit real existierendem Gold hinterlegt sind. Da helfen auch die Derivate-Positionen der emittierenden und garantierenden Banken nicht, mit denen sie ihre Verpflichtungen abgesichert zu glauben schienen. Denn deren Counterparties werden nicht in der Lage sein werden, das Gold oder die fehlende Geldmenge auszugleichen. Lehman Brothers als emittierende Bank und AIG als Derivate absichernde Counterparty sind wohl Vielen noch in Erinnerung.

 

Kurz gesagt: Es wird Panik ausbrechen. Diese Panik ist nichts anderes als eine Mega-Golddeflation. Alles Scheingold (vergleichbar mit unserer Kreditgeldmenge M3-M1) wird augenblicklich verschwinden und kann nur zu einem kleinen einstelligen Prozentsatz in wirkliches Gold umgetauscht werden. Da man Gold im Gegensatz zu Papiergeld nicht beliebig drucken kann, wird diese Gold-Deflation unaufhaltsam und zerstörerisch wirken. Von der mächtigen Gold-Pyramide bleibt dann nur noch die Spitze übrig – die 150.00 Tonnen Gold, die in der Menschheitsgeschichte bislang gefördert wurden.

 

Am Ende gilt: Es ist nur Gold, was wirklich glänzt.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold bei EUR 840 – das ist die heutige signifikante Ausbeute des Ostermontags. Ohne die Fälscherwerkstatt LBMA (siehe Bericht oben).

 

Gold Anti-Kommentator Jon Nadler von Kitco versucht sich heute wieder mit dem  psychologischen Herunterreden des Gold-Preises. Nachdem seine Hinweise auf die Analysen der Elliott-Wellen-Idioten inzwischen auch schon bei den dümmsten Lesern als Kontraindikator für die weitere Goldpreis-Entwicklung angesehen werden, erwähnt er die nun anscheinend eher positiven Tendenzen von der EW-Front nur beiläufig. In der Hoffnung, dass seine Leser das eher als bearishes Signal für Gold verstehen.

 

Jon versucht sich mit Demand/Supply-Fundamentaldaten. Etwa die zurückgehende Goldnachfrage im derzeit stark überhitzten Dubai. Tolle Argumentation. In Dubai hat sich das U.K. Bankenimperium eine neue Megaverlust-Quelle geschaffen. Das ist nicht Gold-bearish, sondern negativ für die am stärksten überdruckte Währung der Welt – das britische Pfund.

 

Nachdem man in Asien aus Kenntnis über den ausfallenden Handel in London und New York am Freitag das Gold um sechs Dollar drücken konnte, war heute früh wieder alles vergessen. Zum COMEX-Schluss stand Gold bei $1.133,50 und damit neun Dollar höher als noch am Gründonnerstag.

 

Sehr schlechte Nachrichten gibt es im Vorfeld der anstehenden Versteigerung von langfristigen Treasury Notes zum Ende der Woche: Die Renditen der 10-jährigen Papiere sind auf 4,0 Prozent gestiegen. Einen solchen hohen Wert gab es die letzten Monate überhaupt nicht mehr. Der Kanarien-Vogel in der Kohlemine scheint zunehmens Giftgas wahrzunehmen – das Giftgas der Enteignung von Papiergeld-Vermögen durch permanentes Überdrucken von US-Dollars.

 

Morgen steht eine $40 Milliarden schwere Versteigerung der 3-jährigen Notes an, am Mittwoch folgen $21 Milliarden der 10-jährigen Notes und am Donnerstag werden $13 Milliarde der 30-jährigen Notes versteigert. Im Vergleich zu den Kurzläufern ein relativ niedriges Versteigerungs-Volumen. Die US-Treasury weiß was ihr droht, wenn die Versteigerung zu einem Flop wird. Deshalb der relativ niedrige Betrag. Die Primary Dealer Banken werden es schon richten, glaubt man.

 

Abwarten.

 

Seit langer Zeit wird gewinnt wieder mein Quotient aus den USDX und den Renditen der 10-jährigen Treasury Notes an Bedeutung. Heute hat sich dieser Wert nämlich mit 20,3 bedenklich nahe dem kritischen Wert von 20 genähert. Dieser Wert wurde seit Erfassung dieses Indexes bislang noch nicht nach unten durchbrochen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

kein Fixing

$1.116,00

(€826,79)

 

Gold P.M. Fix (LBMA)

kein Fixing

$1.123,50

(€832,65)

 

COMEX Schlusskurs

$1.133,50

$1.125,00

+ $8,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,1

80,8

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

4,0 %

3,9 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

20,3

20,7

- 0,5

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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