Bericht für den 6. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Lieber ein Ende mit Schrecken ...

 

Keinen Monat ist es her, dass die europäischen Regierungschefs eine Rettungs-Aktion für die stark angeschlagenen Griechen beschlossen haben. Auf Wunsch von Angela Merkel sollte der Internationale Währungsfond (IWF) in eine solche Rettungsaktion einbezogen werden. Denn der IWF fordert harte Einschnitte, die er auch imstande ist durchzusetzen. Ganz im Gegensatz zu dem europäischen Hühnerhaufen, wo die Franzosen die sozialen Errungenschaften der Griechen durch solche Maßnahmen gefährdet sehen. Von den anderen PIIGS-Staaten ganz zu schweigen.

 

Soziale Errungenschaften – was ist denn das und wer bezahlt es? Die Nettozahler in der EU, insbesondere Deutschland, deren Rentner erst mit 67 in Rente gehen dürfen, während die griechischen Rentner schon ab 61 beziehungsweise 63 mit vollen Nettobezügen in Rente gehen dürfen. Dolce Vita für die Südländer – das hätte Angela Merkel schon vor wenigen Wochen fast den Kopf gekostet.

 

Hat es aber noch nicht, da die EU-Rettungsmaßnahmen mit der BILD-Kampagne der Eisernen Kanzlerin vor den Augen der Öffentlichkeit verschleiert wurden. In Wirklichkeit ist Deutschland umgefallen und muss im Notfall für Griechenland zahlen. Nur die geBILDete Öffentlichkeit glaubt, dass Merkel sie vor Schlimmeren bewahrt hat.

 

Die rhetorische Rettungsmauer hat nicht einmal bis zu der für das Schicksal der Kanzlerin entscheidenden Wahl in Nordrhein-Westfalen gehalten. Griechenland schießt erneut quer und möchte keine Beteiligung des IWF.

 

Griechenland möchte nun selbst bestimmen, wie und unter welchen Bedingungen es gerettet werden möchte. Dabei sei man insbesondere über die besonders harten Bedingungen, die der IWF an Hilfe knüpfe, besorgt.

 

Was für ein Kraut haben die Griechen denn jetzt schon wieder geraucht? Da steht man vor der Zahlungs-Unfähigkeit / Bankrott und man möchte von den zwei identifizierten Rettern einen ausschlagen. Weil dessen Bedingungen zu hart seien. Anstatt die rettende Hand zu küssen, schlägt man sie nun auch noch. Welche Arroganz erlaubt sich die Regierung einer großen Nation der Antike, die inzwischen schon zu einem Dritte Welt Land verkommen ist. Welche Kräfte beraten die Regierung und was sind deren überzeugende Argumente?

 

Diese Argumente bleiben weiterhin, dass ein Bankrott des Landes insbesondere französische Banken fast 100 Milliarden Euro kosten würde. An zweiter Stelle folgen die deutschen Banken. Man weiß, dass man über den Hebel der Bankmanager praktisch jede Regierung erpressen und zu Rettungs-Aktionen umstimmen kann.

 

Wird aus unserer bereits wachsweichen Kanzlerin doch noch ein Komplett-Wendehals, die plötzlich eine 180 Grad-Gefechtskehrtwendung durchführt?

 

Dabei planen Professor Wilhelm Hankel und andere eine erneute Klage vor dem Bundesverfassungs-Gericht, sollte deutsches Geld zur Rettung von Griechenland eingesetzt werden. Denn der Stabilitäts-Pakt war das Instrument, mit dem die Euro-Befürworter die seinerzeitige Klage gegen die Abschaffung der Deutschen Mark erfolglos haben werden lassen. Wenn der Stabilitäts-Pakt zu einer Schulden-Gemeinschaft, bei welcher der Stärkere für die Schulden des Schwächeren bürgt verkommt, dann könnte die gesamte Währungs-Union vor dem Gericht für verfassungswidrig erklärt werden. Das Ergebnis wäre ein Austritt Deutschlands aus dem Euro.

 

Die Finanz-Märkte mögen diese Unsicherheiten überhaupt nicht. Das Düsseldorfer HANDELSBLATT spricht davon, dass die Märkte das Vertrauen in Griechenland verlieren. Und auch die Financial Times Deutschland resümiert unter der Überschrift Griechenland-Angst erreicht neuen Höhepunkt: Athen gelingt es nicht, die Märkte zu beruhigen: Bondinvestoren fordern die höchsten Risikoaufschläge seit dem Eintritt Griechenlands in die Euro-Zone. Kreditderivate legen deutlich zu. Und die eigene Bevölkerung holt ihr Geld von der Bank.

 

So langsam glauben auch die letzten gutgläubigen Griechen nicht mehr daran, dass ihr Land gerettet werden kann. Die Bankkonten werden geräumt und die EZB verhindert gleichzeitig im Hintergrund, dass es zu einem Liquiditätsmangel und einer endgültigen Panik im Lande kommt. Die Lasten dieser EZB-Bemühungen tragen dann sowieso die EZB-Mitgliedsländer, an erster Stelle natürlich wieder Deutschland. Aber darüber berichtet natürlich keine BILD-Zeitung.

 

Die Realrenditen der 10-jährigen griechischen Staatsanleihen stiegen heute kräftig auf 7,19 Prozent. Zum Vergleich: Die entsprechenden deutschen Papiere tendieren bei 3,12 Prozent.

 

Vielleicht nimmt Merkel nun ihre zweite Chance wahr, ein Exempel an den Griechen zu statuieren. Schuld daran wären sie allein, da sie das EU-Rettungspaket mit Beteiligung des IWF einseitig abgelehnt haben. Und in der Politik kommt es bekanntermaßen immer darauf an, seine eigene Position mit Schuld-Zuweisungen an den Anderen zu untermauern.

 

Wir haben das Thema Griechenland endgültig satt: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Meldungen über Griechenland lassen den Euro weiter auf Talfahrt gehen. Die europäische Währung verliert gegenüber dem US-Dollar weitere 0,75 Prozent. Gegenüber dem Yen sogar 1,2 Prozent. Der gleichzeitig steigende Goldpreis bescherte uns Euro-Goldpreise oberhalb der Marke von EUR 850 pro Feinunze. Mit EUR 847,23 zum Londoner P.M. Fix wurde der bislang historische Höchststand vom 5. März 2010 von EUR 836,53 gleich um über zehn Euro übertroffen.

 

Betrachten wir diese Zahlen einmal im Einjahres-Vergleich. Am 6. April des letzten Jahres stand Gold zum P.M. Fix bei EUR 646,93. Ein Zuwachs von EUR 200,30 oder 31 Prozent innerhalb eines Jahres. Das ist mehr als der durchschnittliche jährliche Anstieg der letzten fünf Jahre, der bei 20 Prozent liegt.

 

Der Tages-Höchststand betrug heute gegen 17:30 Uhr MEZ knapp $1.140.

 

Heute früh sah es noch gar nicht nach einem steigenden Goldpreis aus. Im asiatischen Markt tendierte Gold drei Dollar niedriger. Diese Tendenz setzte sich im Londoner Vormittags-Handel fort, wo Gold weitere Abschläge von bis zu fünf Dollar über sich ergehen lassen musste.

 

Der A.M. Fix kam entsprechend schwach mit $1.124,00 (EUR 837,74) zustande.

 

Im frühen Nachmittags-Handel konnten die Verluste zumindest im Londoner Handel wieder kompensiert werden. Mit Eröffnung der COMEX stand Gold wieder dort, wo es den Markt in Asien verlassen hatte. Eine Stunde später stieg Gold plötzlich um sechs Dollar auf $1.134 an. Der nahende P.M. Fix mit $1.132,75 (EUR 847,23) verhinderte erst einmal einen weiteren Anstieg.

 

Den kleinen Rückschlag zum P.M. Fix verdaute Gold jedoch problemlos und eine gute Stunde später war dann fast die Marke von $1.140 erreicht. Der Gold-Anstieg in US-Dollar ging einher mit einem auf 81,6 (USDX) ansteigenden US-Dollar. Dabei war insbesondere der wegen der Griechenland-Nachrichten stark unter Druck stehende Euro der Hauptgrund für die Dollar-Hausse.

 

Zum Schluss des Handels wurde Gold dann wieder um wenige Dollar gedrückt. Der COMEX-Schlusskurs lautete $1.135,00.

 

Die heutige Versteigerung der 3-jährigen Treasury Notes verlief nicht besonders gut, da ein Kurs von nur 99,92 erreicht werden konnte. Die 10-jährigen Treasury Notes verharrten bei 4,0 Prozent unverändert zu gestern.

 

Der US-Dollarindex konnte sich um 0,5 Punkte auf 81,6 befestigen. Der Quotient aus beiden Werten stieg heute leicht um 0,1 Punkte auf 20,4 an.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.124,00

(€837,74)

kein Fixing

 

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.132,75

(€847,23)

kein Fixing

 

COMEX Schlusskurs

$1.135,00

$1.133,50

+ $1,50

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,6

81,1

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

4,0 %

4,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

20,4

20,3

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
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