Bericht für den 7. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Der Goldbetrug wird sichtbar

 

Nur Bares ist Wahres – so lautet eine alte Volksweisheit. Leider sind die letzten Jahrzehnte solche Weisheiten in Vergessenheit geraten. Dazu haben Banken und andere Institute unserer Finanzindustrie kräftig beigetragen. Denn deren Argumente waren gar nicht schlecht: Unter der Matratze versteckt besteht die Gefahr, dass das Geld durch Brand, Diebstahl oder andere Einflüsse verloren geht. Auf dem Konto ist es dagegen sicher. Und bringt zudem auch noch Zinsen.

 

Allerdings ist nur dieses Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel, das heißt ich kann damit staatlich garantiert alle meine Schulden und anderen Verbindlichkeiten begleichen.

 

Das ist bei Geld auf Bankkonten, dem Sparbuch, in Geldmarktfonds, in Aktien und in Zertifikaten nicht so. Dem Kunden wird jedoch vorgespielt, dass dies der Fall sei.

 

Unser Papiergeldsystem ist nämlich in Wirklichkeit eine Geldpyramide, bei der nur ein Bruchteil des vorhandenen Geldes real als Bargeld vorliegt. Dieses Bargeld, oder auch das am engsten gefasste Geldmengenaggregat M0 wird durch die jeweilige nationale Notenbank in Umlauf gebracht. Dieses Geld ist gesetzliches Zahlungsmittel, das heißt jeder im Geschäftsverkehr muss dieses Geld akzeptieren. Tut er es nicht, dann handelt er ungesetzlich und kann seine Forderung nicht auf andere Weise geltend machen.

 

Dabei ist dieses Bargeld nicht mehr als ein künstlich geschaffenes Instrument der jeweiligen Notenbank, quasi eine Verbindlichkeit, die keinen Anspruch aus Einlösbarkeit beispielsweise in eine festgesetzte Goldmenge beinhaltet.

 

Auf der Geldmenge M0 aufbauend wird das Geldmengenaggregat M1 als die Summe des Bargeldes inklusiv der Sichtguthaben bei Kreditinstituten definiert. M1 umfasst also auf das Giro-Konto eingezahltes Bargeld, das jederzeit per Schalter oder Geldautomat vom Konto in M0 umgewandelt werden kann. Das ist zwar theoretisch richtig, aber die Geldmenge M1 ist wesentlich größer als das umlaufende Bargeld. Weil die Banken davon ausgehen, dass über die Giroguthaben nur zu einem kleinen Teil Bargeld nachgefragt wird.

 

Geld auf Girokonten ist also theoretisch sofort in Bargeld umtauschbar, praktisch jedoch nicht. Wenn es zu einem Ansturm auf die Bankschalter kommt, dann können den Banken ihre Bargeldbestände schnell zur Neige gehen. Die Bank wird illiquide – der Bankrun zerstört dieses System. Die jeweils betroffene Bank kann auch nur im Rahmen ihrer bei der Notenbank vorhandenen Guthaben – das ist quasi ein Girokonto der Bank bei der Notenbank – Bargeld abfordern. In Notfällen, wie wir sie die letzten Jahre antreffen konnten, hat die Notenbank andere Sicherheiten der Bank akzeptiert und Bargeld herausgerückt. Um die Illiquidität der Bank zu verhindern.

 

Dies wird vielfach als Errungenschaft des nicht goldgedeckten Geldsystems gefeiert – im Prinzip wird der Goldbetrug im Krisenfall nur verschleiert.

 

Die Geldpyramide türmt sich nun mit den weiter gefassten Geldmengenaggregaten M2 und M3 weiter auf. Auch dieses Geld schafft das kommerzielle Bankensystem selbstständig. Während bei der Geldmenge M1 noch ein merklicher Teil aus Bargeld (M0) und Einlagen bei der Zentralbank (quasi-M0) besteht, wird dieser Anteil bei M2 und M3 zunehmens geringer.

 

Unser fractional reserve banking System beruht also darauf, dass nur ein sehr kleiner Teil des ausgewiesenen Geldes bei Banken wirklich als Bargeld vorliegt. Diese Geldpyramide kollabiert, wenn nur wenige Prozent der Einlagen in Bargeld abgehoben werden. Das ist auch wirklich im Jahr 2008 passiert – aber die Notenbanken können praktisch ohne Limit Bargeld drucken. Es ist also nur eine Frage der Logistik, dieses System am Leben zu erhalten.

 

Beim Gold sieht das aber anders aus. Auch hier haben wir dieselbe Pyramiden-Bildung wie beim Papiergeld, wobei physisch im eigenen Besitz befindliches Gold (Barren und Bullion-Münzen) quasi die Goldmenge M0 bilden. Im Gegensatz zum Papiergeld ist der Wert dieses Goldes jedoch nicht gesetzlich reglementiert, sondern basiert auf der weltweiten Akzeptanz des Goldes als ultimatives, gegenparteirisikofreies Wertaufbewahrungsmittel. Ich möchte mit Bedacht nicht Geld sagen, denn mit Gold kann man formaljuristisch keine Verbindlichkeiten begleichen. Gold ist jedoch eine international akzeptierte Über-Währung – Metawährung wäre also ein besserer Begriff für Gold.

 

Eine Metawährung braucht keine gesetzliche Legitimation, um als Zahlungsmittel oder Geld zu gelten. Gold kann zwar als Geld verwendet werden, aber im Prinzip steht Gold über dem Geld – deshalb ist es auch ein Metawährung.

 

Das Pyramidenspiel bei Gold, sei es nun in Form von Futures, Zertifikaten, Goldkonten oder den sogenannten Exchange Traded Funds (ETF) führt nun zu einer ähnlichen Situation wie beim Papiergeld. Sobald die Besitzer der abgeleiteten Geldmengen auf das eigentliche Kerngeld zugreifen wollen, werden sie schnell feststellen, dass nur wenige Prozent dieses Kerngeldes vorhanden sind.

 

Bei Gold ist dieses Kerngeld allerdings nicht wie beim Papiergeld beliebig durch die Notenbanken druckbar. Deshalb wird das Ende des Pyramidenspiels beim Gold dazu führen, dass nur alle Besitzer physischen Goldes unter eigener Kontrolle (keine Lagerung durch Dritte) 100 Prozent ihres Goldes wirklich besitzen dürfen.

 

Selbst die ETFs sind jetzt mit der kürzlich verbreiteten Nachricht, dass der als sehr vertrauenswürdig geltende Central Fund of Canada (CFC) mit 10 Prozent seiner emittierten Anteile in physisch vorhandenen Gold hinterlegt ist, ins Gerede gekommen. Denn eigentlich sollten diese Funds mit 100 Prozent physisch hinterlegt sein.

 

Der mit über 1.000 Tonnen Gold größte ETF, GLD, steht schon lange unter Verdacht, dass die Lagerbank HSBC, die gleichzeitig eine der größten Gold-Kartellbanken ist, das Gold verleiht und deshalb nur ein kleiner Teil der ausgewiesenen über 1.000 Tonnen Gold physisch vorhanden sind.

 

Der CFC galt bislang als sichere Variante, ebenso wie der ETF der Züricher Kantonalbank (ZKB).

 

Besitzer diese Produkte sollten also schnellstmöglich auf Lieferung drängen. Denn wenn nur beispielsweise 10 Prozent Gold vorhanden sind, werden die letzten 90 Prozent diejenigen sein, welche die Hunde beißen. Die ersten 10 Prozent könnten dagegen ihren kompletten Goldbesitz physisch in Empfang nehmen. Die Volksweisheit nur Bares ist Wahres gilt also besonders bei Gold.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Wo soll ich heute anfangen? Die heutige Versteigerung der 10-jährigen Treasury Notes lief besser als von den Bond-Märkten erwartet. Die Realrendite sank auf 3,9 Prozent, nachdem bei der heutigen Versteigerung ein durchschnittlicher Realzinssatz von 3,874 Prozent erreicht wurde. Der Coupon war aber nur mit 3,625 Prozent ausgestattet. So dass für $1.000 anzulegendem Geld lediglich $977,60 bezahlt werden mussten.

 

Auch die Situation der Griechenland-Bonds scheint sich nicht zu verbessern: Mit 7,13 Prozent liegt der Zinssatz immer noch auf Rekordniveau.

 

Der Euro verlor weitere 0,34 Prozent und der Yen gewann gegenüber dem Dollar 0,23 Prozent. Das System versucht, über Währungs-Carrytrades die Edelmetalle unter Kontrolle zu bringen. Auch das hat nicht funktioniert.

 

Statt dessen kann Gold in Euro gerechnet ein weiteres All-Time-High von EUR 854,73 erreichen. Zum Schluss der COMEX stand das gelbe Metall bereits bei EUR 861,50. Bei Händlern, die ihre Preise dem aktuellen Goldpreis anpassen, ist eine Unze Gold inzwischen nicht mehr für unter EUR 900 zu haben. Die Lockangebote, bei denen selbst die angekauften Münzen über Spot bezahlt und gleich an die Käufer weiterverkauft werden, einmal abgesehen. Gold ist zwar Gold, aber Pfennigfuchserei lohnt sich meines Erachtens nicht bei einem Investment, das schon täglich weit stärker als der Verkaufs-Differenzbetrag zwischen neuen und gebrauchten Münzen schwankt.

 

Alle Nachrichten sind Gold-bullish und deuten auf einen weiteren Preisanstieg hin.

 

Zum heutigen Marktgeschehen im Einzelnen: Im asiatischen Markt gingen erneut keine weiteren Preisimpulse aus. Gold schwankte lustlos um die Marke von $1.135.

 

Im Londoner Vormittags-Handel, so wie gestern, ging erneut etwas Druck aus. Gold wurde unter die Marke von $1.135 gedrückt. Der A.M. Fix kam mit $1.133,25 (EUR 845,58) um neun Dollar stärker als gestern zustande.

 

Zum frühen Nachmittags-Handel konnte dieser kleine Einbruch in London wieder wettgemacht werden. Gold stabilisierte sich sogar oberhalb der Marke von $1.135.

 

Der nächste Preisimpuls kam allerdings erst 30 Minuten nach Eröffnung des Handels an der New Yorker COMEX auf: Gold stieg schnell auf $1.140 an. Der Londoner P.M. Fix blockierte dann einen weiteren Anstieg: $1.142,00 (EUR 854,73) und damit erneut neun Dollar stärker lautete die Notierung. Es scheint so, dass die Market Makers in London keinen stärkeren Anstieg als neun Dollar zulassen wollten.

 

Egal, denn nach dem P.M. Fix ging es erst einmal auf $1.147 hoch und nach einer weiteren Pause von 30 Minuten wurde die Marke von $1.150 geknackt.

 

Die COMEX beschloss den Handel fast auf dem Tageshöchststand von $1.152.

 

Heute war Gold der Favorit der Märkte, nachdem Öl, Silber, Platin & Co die letzten Tage stark gestiegen waren.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.133,25

(€845,58)

$1.124,00

(€837,74)

+ $9,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.142,00

(€854,73)

$1.132,75

(€847,23)

+ $9,25

COMEX Schlusskurs

$1.152,00

$1.135,00

+ $17,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

81,5

81,6

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,9 %

4,0 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

20,9

20,4

+ 0,5

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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