|
Bericht für den 8. April 2010 Gold & Gesellschaft: Klageschrift gegen den Euro Verlorene
Siege sind keine verlorenen Kriege – diese alte Weisheit hat sich der
damals bei der Einführung des Euros unterlegene Kritiker, der emeritierte
Volkswirtschafts-Professor der Universität Tübingen, Joachim Starbatty zueigen gemacht. Wieder wurde die FTD zur
Plattform, um Ideen in der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die
Systempresse scheint langsam kapiert zu haben, dass Internet-Blogs eine
geeignete Methode sind, Themen effektiv für die Öffentlichkeit zu präsentieren. Unter dem
Titel Klageschrift
gegen den Euro adressiert Starbatty die
derzeitige Griechenlandkrise in seinem heutigen Kommentar: Weil sich die Währungsunion in eine
Haftungsgemeinschaft verwandelt, ist eine Verfassungsklage gerechtfertigt.
Griechenland kann nur gerettet werden, wenn es die Euro-Zone verlässt. Die
Argumente für Starbattys Ausführungen werden quasi
auf dem Tablett präsentiert: Der Euro sei als große Illusion begründet worden,
aber das Gegenteil sei eingetreten. So der ehemalige Professor. Die durch
Deutschland eingebrachten Zinsen verleiteten jedoch insbesondere die Südländer
in der Euro-Zone dazu, eine exzessive Haushaltspolitik mit exzessivem Konsum zu
betreiben. Im Jahr
1998 haben Starbatty nebst Wilhelm Hankel, Wilhelm Nölling und Karl
Albrecht Schachtschneider vor dem Bundesverfasungsgericht
aus diesem Grund gegen die Einführung des Euros geklagt. Das Ergebnis war, dass
das Verfassungsgericht mit Hinweis auf den Stabilitätspakt, der insbesondere
die No-Bailout-Klausel enthielt, die Klage
zurückweisen musste. Die Deutschen Mark war damit der vom französischen
Präsidenten Mitterand von Helmut Kohl erpressten Einführung des Euros zwecks
der frühen deutschen Wiedervereinigung geopfert worden. Heute schieben wir
diesen ex-Kanzler im Rollstuhl zu seinem 80-jährigen
Geburtstag durch die Lande und feiern seine angeblichen Errungenschaften:
Geschichts-Klitterung nennt man so etwas. Zurück zu
der Argumentation von Joachim Starbarry: Der Maastricht-Vertrag
hat schlicht ausgeschlossen, dass die Gemeinschaft oder ein Mitgliedsstaat für
die Verbindlichkeiten der Zentralregierung oder anderer Organe haften. Wir vier
werden deshalb in Karlsruhe klagen, wenn der Schritt von einer Währungsunion in
Richtung Haftungsgemeinschaft gemacht wird. Die
Grundlagen der Währungsunion als eine Stabilitätsgemeinschaft sind schon längst
rhetorische Historie. Nach dem Umfallen von Angela Merkel (trotz des von der BILD-Zeitung verbreiteten Eisernen Kanzlerin –
Bullshits) auf dem Brüsseler Gipfel Ende März ist folgendes klar: Der Euro wird
zu einer Haftungsgemeinschaft, bei der der Stärkere
für den Schwächeren einzutreten hat. Das war nicht im Sinne der vom
Bundesverfassungsgericht proklamierten Genehmigung der Euro-Einführung –
genau das Gegenteil davon ist eingetreten. 10-jährige
griechische Staatsanleihen werden derzeit mit über 7,5 Prozent gehandelt. Bei
2-jährigen Papieren beträgt der jährliche Zins bereits 8 Prozent. Das Land ist
nicht mehr innerhalb des Euro-Raums zu halten. Das würde sonst den Euro
umbringen. Und in Form von internationalen Verflechtungen auch alle anderen
Papier-Währungen. Der Dollar und der Yen könnten einen Euro-Default keinesfalls
verkraften. Wenn
schon Merkel und Sarkozy aus europäischer Überheblichkeit
das nicht wahrhaben wollen, dann wird ihnen Obama
über den Finanzminister Geithner und den
Notenbank-Chef Bernanke schon eindeutige Befehle
erteilen. Denn wenn das Imperium gefährdet ist, dann müssen die Vasallen ihr
europäisches Ideen-Spielzeug kurzfristig abgeben. Es würde
aber auch Griechenland umbringen, da die erforderlichen Sparanstrengungen gar
nicht leistbar sind. Es sei denn, die anderen Länder finanzieren den
griechischen Wohlstand einfach weiter. Das wird wegen der NRW-Wahl aber nicht
funktionieren. Alles
deutet also auf die Einführung einer neuen Drachme hin, die dann wie Joachim Starbatty anmerkte, 40 Prozent gegenüber dem Rest-Euro
abgewertet werden wird. Über die im Nennwert Euro ausstehenden Schulden
Griechenlands insbesondere gegenüber Frankreich und Deutschland muss man eine
Regelung in Form eines Schulden-Ankommens treffen. Hierbei müssen die
Gläubiger-Länder wohl mindestens auf die Hälfte ihrer ausstehenden Forderungen
verzichten. Das erscheint leistbar, zumal die Banken mit der derzeitigen
Nullzins-Politik der EZB und Bond-Carry-Trades
praktisch risikolos milliardenschwere Gewinne auf Geheiß der Politik einfahren
können. Ansonsten käme Griechenland aus seiner derzeitigen Misere nicht heraus.
Die eigentliche Rettung des Landes durch Liquidität würde der IWF übernehmen;
anhand seiner harten Auflagen wäre auch sichergestellt, dass die versprochenen
Kürzungen in allen konsumtiven Bereichen des Lebens in Griechenland
durchgesetzt würden. International
niedrige Lohnkosten würden zunehmens wieder
Industrien anziehen und bei entsprechenden politischen Rahmenbedingungen einen
Wiederaufbau des Landes erlauben. Dazu würde die in Euro oder Dollar niedrigen
Lebenshaltungskosten das Land wieder für Touristen oder Pensionäre attraktiver
machen. Dies wäre meines Erachtens der einzige gangbare Weg. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Wieder
ein Gold All-Time High von EUR 862,74 – diesmal
zum Londoner A.M. Fix. Auch die Renditen der 10-jährigen griechischen
Staatsanleihen stiegen heute auf rekordverdächtige 7,51 Prozent. Lange kann
dies nicht mehr gut gehen. Die Situation lässt sich auch mit allen Tricks nicht
über den Termin der NRW-Wahl im Mai retten. Ab diesem Zeitpunkt würden dann
nämlich garantiert deutsche Gelder zur Rettung Griechenlands fließen. Dabei sah
es gestern nach dem COMEX-Schluss gar nicht so gut
für Gold aus. Im Access Handel wurde das gelbe Metall gestern nämlich noch um
fünf Dollar gedrückt. Auch in Asien setzte sich der Druck fort; dort betrug die
(weitere) Drückung drei Dollar. Zumindest
im Londoner Vormittags-Handel stabilisierte sich Gold dann jedoch und gab nicht
weiter nach. Der A.M. Fix kam mit $1.146,50 (EUR 862,74) noch einmal $13 höher
als noch vor 24 Stunden zustande. Der
Schwung ging wieder einmal von der COMEX aus. Dort stieg Gold nach Beginn des
Handels schnell auf über $1.150. Der P.M. Fix mit $1.148,00 (EUR 861,22) setzte
diesem Anstieg aber erst einmal ein Ende. Danach stieg Gold wieder über die
Marke von $1.150, konnte aber wie gestern nicht auf bis zu $1.150 steigen. In
der letzten Handels-Stunde der COMEX näherte sich der Gold-Kurs dem gestrigen
Verlauf an. Der Schlusskurs betrug $1.153 und damit einen Dollar mehr als
gestern. Der Euro
stand zeitweise mit einem Verlust von 0,16 Prozent gegenüber dem Dollar weiter
unter Druck. Der Yen stieg gegenüber dem Dollar erneut um knapp 0,3 Prozent.
Zumindest dieses Währungs-Manipulationsmuster hat die Rohstoffe wie Öl in ihrem
Anstieg gebremst. Aber auch die Aktien mussten bei dieser Breitband-Streuung
der Notenbanken Federn lassen. Der
US-Dollar Index (USDX) hat sich nach einem anfänglichen Gewinn auf 81,9 Punkte
bis zum Schluss auf einen unveränderten Wert von 81,5 reduziert. Auch die
Renditen der 10-jährigen Treasury Notes verharrten bei 3,9 Prozent. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
veröffentlicht. ©
Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010 |
||||||||||||||||||||||||||||||||