Bericht für den 15. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Griechenland muss pleitegehen

 

Das Drama um die Rettung Griechenlands verschärft sich fast stündlich. Auch heute sind die Renditen für die 10-jährigen Papiere des Landes weiter gestiegen – auf bis zu 7,4 Prozent, bis schließlich magische Kräfte die Renditen wieder bis auf 7,1 Prozent herunterdrücken konnten.

 

Das tat auch dem Euro nicht gut, der gegenüber dem US-Dollar bis zu einem Prozent an Wert verlor.

 

Auch die in der Presse kursierenden Rettungszahlen vergrößern sich fast täglich. Am Anfang der Woche waren es noch 30 Milliarden Euro von den Euro-Mitgliedsländern und 15 Milliarden vom IWF. Nun wird von der doppelten Summe gesprochen, welche die Euro-Mitgliedsländer zu tragen hätten. Das wären für Deutschland dann circa 17 Milliarden Euro.

 

Bernd Flossbach von der gleichnamigen Vermögensverwaltung schätzt in einem Interview mit dem HANDELSBLATT, dass Griechenland bis zum Jahr 2012 etwa 120 Milliarden Euro benötigt.

 

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble möchte bei dieser Größenordnung nicht allein die politische Verantwortung übernehmen. Deshalb solle der Bundestag beschließen. Die Mitglieder des Haushaltsausschusses wollen diese Thematik aber erst dann angreifen, wenn Griechenland einen Antrag auf die Mittel stellt. Klar, denn der Bundeshaushalt wird noch nach der klassischen Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung aufgestellt. Und wenn Deutschland wirklich 17 Milliarden Euro den Griechen zur Verfügung stellen möchte, dann muss dieser Wert in den Haushalt mit eingearbeitet werden. Egal, ob das Geld nur an Griechenland verliehen wurde. Im Zweifelfalle in Form eines Nachtragshaushaltes.

 

Das könnten die Abgeordneten in ihren Wahlkreisen den Bürgern wohl schwer vermitteln, da es weder die versprochene Steuersenkung noch Mittel für Infrastruktur-Maßnahmen wegen der kritischen Haushaltslage gibt. Vom Zustand der Sozialversicherungs-Träger einmal ganz abgesehen. Jene hat sich nämlich wegen weiter stark sinkender Steuereinnahmen noch weiter verschlechtert. Das wirkliche Hauen und Stechen geht erst dann los, wenn die Daten der nächsten Steuerschätzung vorliegen – nach der Wahl in NRW versteht sich.

 

Parallel formiert sich der Widerstand der Gruppe um die Professoren Hankel, Starbatty und Schachschneider, die gegen einen Verstoß der No Bailout Klausel des Maastricht-Vertrages vor dem Bundesverfassungs-Gericht vorgehen wollen. Dort scheint man eine einstweilige Verfügung anzustreben, um selbst nach einem positiven Votum des Bundestages zu verhindern, dass vor einer Entscheidung des Bundesverfassungs-Gerichts wirklich deutsches Geld nach Griechenland fließt. Würde das Gericht eine solche Verfügung erlassen, dann wären Deutschland für Monate die Hände bei der Rettung der Euro-Südstaaten gebunden.

 

Was letzte Woche wie eine Überrumpelungs-Aktion von Euro-Gruppenchef Juncker, dem französischen Präsidenten Sarkozy und dem italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi gegen Angela Merkel aussah, kann so schnell zum Rohrkrepierer werden. Eine kleindeutsche Lösung mit einer Währungsgemeinschaft der Starken würde die Hüttchenspieler in Brüssel, Paris und Rom ihrer Futtertröge berauben.

 

Schon bei der Entscheidung zu dem Lissabon-Vertrag hat das BVerfG eine Aktivierung dieser Regelungen bis zur endgültigen Entscheidung durch eine einstweilige Verfügung untersagt. Da das vorzeitige Fließen von deutschem Geld in griechische Staatskassen eine anderslautende Entscheidung des BVerfG praktisch aushebeln würde, wäre eine solche einstweilige Verfügung auch für diesen Entscheidungsfall angebracht. Es sei denn, die Klage hätte überhaupt keinen Aussicht auf Erfolg.

 

Auch Flossbach vertritt in dem Interview mit dem HANDELSBLATT die These, dass eine kontrollierte Deflation für Griechenland gar nicht leistbar wäre: Griechenland wird sich weder über Sparmaßnahmen noch über Steuererhöhungen aus seiner Finanzmisere befreien können. Durch eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts und damit auch der Staatseinnahmen lässt sich der Schuldenberg auch nicht so schnell abtragen. Griechenland dürfte das erste Land sein, das entweder an seinen Zinszahlungen erstickt oder schon vorher mangels Vertrauen kein Geld mehr von Investoren bekommt.

 

Und weiter: Ist der COLT, sprich das Backstop-Agreement der EU, überhaupt geladen?

 

Das muss man sich im Hinblick auf die deutsche Problematik fragen. Die in Brüssel überrannte Merkel könnte sich nun in Deutschland von dem BVerfG überrennen lassen und das als ihren politischen Erfolg darstellen. Ob ihr das die Wähler in NRW abnehmen werden, steht auf einem anderen Papier.

 

Aber anderen Staaten geht es auch nicht gut: Portugal müsste 800 Millionen Euro (oder 1,6 Milliarden Euro mit den neuen Zahlen) beitragen. Spanien noch mehr. Diese Länder standen heute schon an nächster Stelle der Abschussliste der Investoren. Wie kann jemand zahlen, der selbst wohl bald die Hilfe in Anspruch nehmen muss.

 

Letztlich drohen Deutschland dann Hilfezahlungen in Höhe von mehreren hunderten von Milliarden Euro. Es ist Zeit, diesem Spuk ein Ende zu bereiten: Griechenland muss pleitegehen. Auch wenn Vorstände und Chefökonomen der Deutschen Bank auch noch so jammern – obwohl sie ja angeblich nur geringfügig von einem Ausfall griechischer Staats-Bonds betroffen wären.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold stellt derzeit keine Gefahr für das System dar: Die Nachfrage für Investmentzwecke bleibt zwar weiterhin hoch, ist aber nicht auf Panikniveau. Das Big Money und das Very Big Money ist noch nicht in Gold eingestiegen und wenn dann in die ETFs, von denen vermutet wird, dass sie die ausgewiesene Gold-Menge gar nicht besitzen.

 

Während woanders die Kanonen donnern, ist der Goldmarkt noch eine Wiege der Ruhe – nach außen zumindest.

 

Jon Nadler, prominentester Anti-Gold Kommentator von KITCO.com zitiert derweil genüsslich aus der Analyse des vom Gold-Kartell bezahlten Consulting Unternehmens GFMS – angeblich hätte Gold seinen Höhepunkt nun nach einer 10-jährigen Rallye erreicht. Träum weiter, Jon.

 

Ein Grund, seinen Blick auf eines der Schlachfelder zu richten: Öl steht derzeit bei über $85 pro Barrel – und das bei sinkendem Eurokurs. Den Effekt dieses Preisschubes sieht man nur zu einem Teil an der Tankstelle, weil ein Großteil des Preises durch Steuern und Abgaben bestimmt wird. Aber die Hersteller von Vorprodukten, die Öl als Ausgangs-Material einsetzen, müssen zum Teil zweistellige Preisaufschläge an ihre Kunden weitergeben.

 

Und das (Very) Big Money scheint weiterhin Platin zu bevorzugen, obwohl in diesem Markt angeblich ein Angebotsüberschuss herrschen solle. Anglo Platinum, weltweit der größte Hersteller von Platin, hatte kürzlich verkündet, seine Produktion sogar noch kräftig ausweiten zu wollen. Die Nachricht wirkte nur kurz bearish – danach setzte Platin seinen Anstieg weiter fort.

 

Gold verhielt sich heute entsprechend der Entwicklung des Währungspaares US-Dollar / Euro – ein Ort der Ruhe eben.  Zum asiatischen Handel war der Euro noch stabil. Hier veränderte sich der Goldpreis praktisch nicht in US-Dollar gemessen. Mit dem beginnenden Londoner Vormittag setzte dann der Verfall des Euros ein. Dementsprechend sank auch der Goldpreis. In Euro gerechnet stieg er allerdings wieder über EUR 850. Der A.M. Fix: $1.151,25 (EUR 849,95).

 

Zum Nachmittag konnte Gold sich wegen des schwachen Euros nicht wesentlich von dieser Marke lösen. Erst der P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ brachte mit $1.154,50 (EUR 851,72) eine Wende nach oben. Obwohl Gold in US-Dollar gerechnet nur knapp einem Dollar im Vergleich zum gestrigen P.M. Fix zulegen konnte, gewann das gelbe Metall über vier Euro hinzu.

 

Nach dem P.M. Fix ging es dann wieder bergauf bis zur Marke von $1.160, die wiederum nicht nach oben durchbrochen werden konnte. Ein starker Marktteilnehmer (oder mehrere) leistet hier erbitterten Widerstand.

 

Mit $1.159,50 schloss Gold den COMEX-Handel nahe der $1.160er-Marke.

 

Der US-Dollar nahm heute um 0,4 Punkte auf 80,5 zu. Nachdem er zeitweise im Nachmittags-Handel die Marke von 80,7 erreicht hatte. Der Euro konnte auch einen Teil seiner Nachmittags-Verluste wettmachen und schloss gute 0,6 Prozent niedriger zum Dollar.

 

Die 10-jährigen Treasury Notes scheinen in eine Pingpong-Zone zwischen 3,8 und 3,9 Prozent eingetreten zu sein. Heute fiel der Wert einmal wieder auf 3,8 Prozent.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.151,25

(€849,95)

$1.159,00

(€849,52)

- $7,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.154,50

(€851,72)

$1.153,75

(€847,16)

+ $0,75

COMEX Schlusskurs

$1.159,50

$1.158,50

+ $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,5

80,1

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,9 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,2

20,5

+ 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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