Bericht für den 28. April 2010

 

Gold & Gesellschaft: Schlachtefest

 

Mit der gestrigen Rückstufung der Bonität griechischer Staatsanleihen auf Ramsch-Niveau (Junk) hat die Rating-Agentur Standard & Poors nun endgültig den Märkten klargemacht: Das erste PIGS Griechenland wurde bereits abgestochen und kann nicht mehr zum Leben erweckt werden. Portugal liegt derzeit auf der Schlachtbank und ihm droht dasselbe Schicksal.

 

Unsere EU-Politiker dagegen spielen sich derzeit als Tierfreunde auf, die höchstens einräumen wollen, dass böse Spekulanten die Messer wetzen. Der point-of-no-return ist dabei schon längst überschritten.

 

Neben den französischen Banken halten Banken in der Schweiz den größten Anteil griechischer Staatspapiere. Man spricht von ungefähr 60 Milliarden Euro. Da die Schweiz aber von der Einwohnerzahl und der Wirtschaftsleistung überhaupt nicht mit einer kontinentalen Wirtschaftsmacht wie Frankreich zu vergleichen ist, wiegen diese Lasten weit schwerer auf der Alpen-Republik. Bei 7,8 Millionen Einwohner sind das pro Kopf rechnerisch 7.700 Euro.

 

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat aber vor kurzem klargestellt, dass sie auch Großbanken im Notfall pleite gehen lassen möchte. Denn die Kunden-Einlagen, mit denen die Banken griechische Anleihen gekauft haben, sind weniger Ersparnisse der Schweizer. Sondern Gelder von Vermögenden aus dem Ausland, die ihr Geld in der Schweiz als sicher wähnen.

 

Neben der Enttarnung durch staatlich angekaufte Steuer-CDs droht nun für die Steuerflüchtlinge das nächste Unheil: Ein Haircut ihrer Einlagen bei den Schweizer Banken. Die Banken können natürlich nicht die Massen des ausländischen Geldes, welches in die Schweiz strömt, in die nationale Wirtschaft investieren. So aufnahmefähig ist eine kleine Nation wie die Schweiz nicht.

 

So fließen diese Gelder in alle möglichen Formen von ausländischen Anlagen. Und mit 60 Milliarden Euro auch in den Kauf griechischer Staatsanleihen.

 

Im Zweifelsfall wird die Schweizer Politik bei einer Schieflage der betroffenen Banken für die Guthaben der Schweizer Bürger eine Auffanglösung finden. Für den Großteil der Kunden – die Ausländer – wird dann wohl nur noch eine Abwicklungs-Quote übrigbleiben.

 

Wer denkt, er habe sich mit dem Transfer seines Vermögens in die Schweiz vor dem derzeit stattfindenden Schlachtefest gerettet, der sollte sich nun langsam der Realität stellen.

 

Wer auf eine Rettung in der letzten Minute hofft, der kann heute in Bloomberg lesen: International Monetary Fund Managing Director Dominique Strauss-Kahn told German lawmakers in Berlin today that Greece may need as much as 120 billion euros in aid, Green Party parliamentary spokesman Michael Schroeren said by phone today.

 

Dann wäre der deutsche Anteil an dem Rettungs-Volumen, wenn man von einer gleichmäßigen Verteilung der Lasten auf Basis des 45 Milliarden-Vorschlages ausgeht, in einer ersten Näherung bei etwas weniger als 25 Milliarden Euro.

 

Aber ob Portugal, das inzwischen selbst unter Druck steht, dann auch mehrere Milliarden beisteuern kann, ist mehr als fraglich. Genauso Spanien und Italien: Die müssten dann jeweils weit mehr als 10 Milliarden Euro aufbringen.

 

Absolut unrealistisch.

 

Das Schweine-Schlachten würde sich dadurch nur noch verstärken.

 

Aber auch Deutschland steht bereits auf dem Speiseplan: Je mehr PIGS als Zahler ausfallen, desto größer wird der Anteil von Deutschland & Co. So landen wir dann bei Verpflichtungen von 50 Milliarden Euro und mehr, wenn die Zahl von 120 Milliarden Euro stimmen sollte.

 

Auch wenn wir die Zukunftslasten Deutschlands aus Beamten-Pensionen außer Acht lassen, ist die Staatsverschuldung in Wirklichkeit viel größer als offiziell zugegeben wird. Deutschland versteht es nämlich genauso wie Griechenland zu tricksen. Da werden aus Staatsschulden in Schattenhaushalten plötzlich allerhand sogenannte Sondervermögen ausgewiesen.

 

Auch die sogenannte Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ist ein Instrument des Staates, um Schulden zu verschleiern. Ursprünglich wurde die KfW dazu gegründet, um die Mittel des US-Marshall-Planes nach dem Zweiten Weltkrieg zu verteilen.

 

Die Finanzierung des deutschen Beitrags zur Griechenland-Rettung soll nach den Vorstellungen der Politiker auch über die KfW erfolgen. Die KfW beschafft sich dabei, durch Bürgschaften des Bundes gedeckt, Geld auf dem freien Kapitalmarkt und kauft dafür griechische Staatspapiere zu einem gedeckelten Zinssatz von circa fünf Prozent. Durch diesen Trick muss der Finanzminister keinen Nachtragshaushalt ins Parlament einbringen – die Bundesschuld erhöht sich also nach außen hin nicht.

 

Erst wenn die Kredite der KfW an Griechenland faul werden, wird die Bürgschaft schlagend. Das wird wohl eher früher als später passieren: Denn außer das Geld zu konsumieren, werden die Griechen keine ernsthaften Sparanstrengungen unternehmen. So wird dann ein kleines Land auch Deutschland letztendlich in die Knie zwingen.

 

Das Schlachtefest wird keine Überlebenden zurücklassen.

 

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold bleibt weiter der Liebling der Investoren. Überall reißt die Krise die Aktien-Indizes nach unten. Die weißen Edelmetalle stehen weiterhin unter Druck. Nur Gold konnte mit stattlichen Gewinnen aufwarten.

 

Die heutige Zinsentscheidung des Offenmarktausschusses der FED (FOMC) hat wie erwartet keine Änderungen der Geld-Politik gebracht. Man hält auch in Zukunft an der Null-Zinspolitik fest. Kein Wunder – die massiven Treasury Carry Trades würden augenblicklich zusammenbrechen und mit ihren die Möglichkeiten des Staates, weiterhin kräftig aufzuschulden.

 

Trotzdem nutze man den Zeitpunkt nach Schluss des COMEX-Handels, um Gold im Access Market drücken zu können.

 

Heute früh konnte Gold seinen gestrigen Schlusskurs im Vormittags-Handel nicht halten. Gold schwankte so im asiatischen und Londoner Vormittags-Handel um die Marke von $1.165.

 

Der A.M. Fix kam mit $1.164,25 (EUR 884,29) zustande – allerdings $12 mehr als noch vor 24 Stunden.

 

Die anfängliche COMEX-Drückung ließ Gold zwar wieder auf bis zu $1.162 fallen, das gelbe Metall konnte sich aber auf diesem Niveau wieder stabilisieren. Der P.M. Fix mit $1.161,00 (EUR 880,61) ließ Gold dann aber wieder leicht einbrechen. Waren hier die Reste des IWF-Goldes im Spiel?

 

Nach dem P.M. Fix ging es dann aber wieder kräftig bergauf. Erst bei $1.175 war dann Schluss. In der letzten Stunde verlor Gold im COMEX-Handel wieder wenige Dollar und schloss bei $1.171,70 um zehn Dollar härter als noch am Dienstag.

 

Der US-Dollarindex (USDX) legte heute um weitere 0,5 Punkte auf 82,5 zu. Diesmal war nicht der schwache Euro der Grund für diesen Anstieg.

 

Die Renditen der 10-jährigen Treasury Notes stiegen heute wieder auf 3,8 Prozent an. Diese Woche läuft eine große Versteigerung der mehrjährigen Treasury Notes. Da ist es gut, wenn die Investoren sich auf den guten alten Dollar zurückbesinnen.

 

Die griechischen Anleihen, obwohl nach der angeblichen Nachricht, dass Deutschland doch zahlen würde, wieder etwas fester tendierend, stiegen weiter in der Real-Rendite. Die 10-jährigen Papiere notieren inzwischen bei 10,0 Prozent, während für die 2-jährigen Staatsanleihen inzwischen ein Realzinssatz von 15,9 Prozent verlangt wird.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.164,25

(€884,29)

$1.152,25

(€863,69)

+ $12,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.161,00

(€880,61)

$1.149,50

(€863,83)

+ $11,50

COMEX Schlusskurs

$1.171,70

(€890,26)

$1.162,00

(€875,00)

+ $9,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,96

(€13,61)

$18,16

(€13,64)

- $0,20

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.714,00

(€1.293,60)

$1.722,00

(€1.295,70)

- $8,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$543,00

(€409,80)

$550,00

(€413,85)

- $7,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,5

82,0

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,8 %

3,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,7

22,2

- 0,5

Griechenland

 

 

 

Renditen 10-jährige Staats-Anleihen

10,0 %

9,7 %

+ 0,3 %

Renditen 2-jährige Staats-Anleihen

15,9 %

15,1 %

+ 0,8 %

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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