Bericht für den 5. Mai 2010

 

Gold & Gesellschaft: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff

 

Der freie Fall des Euros setzte sich am heutigen Tag unvermindert fort. Selbst die deutschen Finanzmedien, die sich bislang im Auftrag der Banken vehement für die Rettung Griechenlands eingesetzt haben, merken inzwischen, dass sich der aus der Flasche entwichene Bailout-Geist nun gegen seine Herren richtet.

 

Das Unheil lässt sich ja täglich an dem Währungspaar EUR/USD ablesen. Schwankungsbreiten in der Größenordnung von einem Prozent sollten eher die Ausnahme als die Regel sein. Derzeit können wir solche Bewegungen fast täglich beobachten. Der Euro – eine Dritte Welt Währung.

 

Wie kläglich klingen dann die Rechtfertigungs-Versuche beispielsweise von Wolfgang Münchau in der Financial Times Deutschland (FTD), der nun unter dem Titel Auf dem Weg in die nächste Lüge die Flucht nach vorne antritt. Obwohl das, was er in seinem Artikel berichtet, ein weiterer Skandal wäre.

 

Münchau behauptet, dass die von dem IWF und den EU-Staaten vereinbarten Kredite, mit denen die derzeit unverkäuflichen griechischen Staatsanleihen refinanziert werden sollen, lediglich Junior-Status hätten. Das bedeutet, dass diese Kredite in der Rangfolge der Auszahlung hinter den Forderungen der bisherigen Gläubiger stehen. Sollte es zu Problemen bei der Auszahlung kommen, dann stehen die IWF-Kredite und die EU-Hilfen an letzter Stelle der Futter-Skala.

 

Das wird der Öffentlichkeit bewusst vorenthalten. Denn nur in dem äußerst unwahrscheinlichen Fall, dass die Anleihen zu hundert Prozent zurückbezahlt werden, würde für die jetzt zur Auszahlung stehenden Kredite überhaupt die Chance auf Rückerstattung bestehen.

 

Auf gut Deutsch: Die Hilfszahlungen auch der KfW im Falle Deutschlands werden garantiert auf die Bürgschafts-Mine des Steuerzahlers laufen. Unsere Regierungs-Politiker belügen ihr Volk also ohne dabei rot zu werden.

 

Plötzlich haben Münchau und Co ihr verfassungsrechtliches Gewissen entdeckt: Denn es würde in der Tat verfassungsrechtliche Probleme aufwerfen. Das Bundesverfassungsgericht würde mit Verweis auf Artikel 125 des Lissabonner EU-Vertrages die Beihilfen als illegal deklarieren, denn ein Junior-Kredit mit einem Zinssatz unterhalb der Marktzinsen ist in der Tat eine illegale Beihilfe.

 

Selbst die um Auszahlung keiner noch so großen Beihilfe verlegenen Amerikaner haben bei der Rettung von General Motors und anderer Firmen stets sichergestellt, dass ihre gegebenen Kredite an erster Rangfolge stehen. Wenn das Modell schief gehen sollte, dann bekommt der Staat zumindest so viel Geld zurück, wie sich aus der Liquidation der Firma ergeben würde. Wenn man gutes Geld nachschießt, ist das wohl das Recht jedes Gläubigers.

 

Aber nein, wenn die Information stimmen sollte, gelten in Europa die Regeln genau anders herum. Bei einem griechischen Haircut um sagen wir einmal 30 Prozent sind dann eben die IWF- und EU-Gelder zu 100 Prozent weg und die Banken und Versicherungen als Hauptgläubiger kommen mit Verlusten von vielleicht fünf bis zehn Prozent davon.

 

Ein weiteres Indiz: Vor kurzem wurde noch Deutsche Bank Chef Joe Ackermann für seine Initiative gefeiert, Gelder der Banken, Versicherungen und der Industrie zur Rettung Griechenlands bereitzustellen. Nun stellt sich heraus, dass Ackermann der KfW die Barmittel bereitstellen möchte, die dann zur Auszahlung nach Griechenland bereitgestellt werden. Aber diese Kredite sind sowieso vollständig durch den Steuerzahler garantiert. Der deutsche Staat müsste also selbst bankrott gehen, um die Rückzahlungen zu gefährden. Ein Null-Risikospiel, das nun auch die Finanz-Presse nebst SPIEGEL, bisher die Speerspitze der Euro-Rettungsbewegung, als lächerlich kritisiert.

 

Es wird immer deutlicher, dass täglich mehr Finanz-Ratten das sinkende Euro-Schiff verlassen. Zurück bleiben dann nur noch der Kapitän und die hörigen Offiziers-Ränge des Merkel-Regimes, die noch bis zu der totalen Niederlage an den Endsieg der europäischen Idee glauben. Hoffentlich schafft man es wenigstens, am Ende die schlimmsten Verbrecher wie Joe Ackermann und dessen politischen Adlatus Jörg Asmussen in einer Neuauflage der Nürnberger Prozesse zur Rechenschaft zu ziehen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Da kann der Antigold-Kommentator von KITCO, Jon Nadler auch noch soviel Negatives über Gold in seinen Berichten behaupten: Es bleibt die Feststellung, dass sich Gold von allen non-interest bearing assets noch am besten hält.

 

Während alle anderen Anlageklassen mit dunkelroten Kursen hinterlegt waren, stach Gold selbst in US-Dollar bewertet an den Kurstafeln in grüner Farbe hervor. Das war schon gestern bis zum Londoner P.M. Fix der Fall, was darauf hindeutet, dass die physische Nachfrage nach Gold weiterhin groß ist. Das Gegenteil behaupten Nadler & Co, die weiterhin von einem hohen Rücklauf von sogenannten scrap gold sprechen. Kein Wunder, sind nach dem Ausfall der offiziellen und auch der versteckten Goldverkäufe der Zentralbanken die Supply/Demand-Zahlen beim Gold nun total ins Ungleichgewicht gekommen. Da muss man dem Markt vorspiegeln, dass das Defizit angeblich von rücklaufenden Altgold gedeckt wäre.

 

Erst im reinen Papiergold-Handel an der COMEX brach Gold gestern um einen Prozent ein. Heute sollte sich dieses Spiel wiederholen, aber laut Nadler sollte Gold heute die Einbrüche erleben, die gestern Silber, Öl und Palladium nebst den Aktien-Märkten niedergemetzelt haben.

 

Um es vorweg zu sagen: Die Nadler-Propaganda verfiel nicht bei den Markt-Teilnehmern. Vielmehr setze sich die Talfahrt der weißen Edelmetalle nebst US-Öl fort, während Gold nach offensichtlichen Short-Spielereien mancher Marktteilnehmer wieder leicht ansteigen konnte. Das lag sicherlich auch daran, dass der Versuch, die Marke von $1.160 nachhaltig nach unten durchbrechen zu wollen, kläglich scheiterte.

 

In Euro gerechnet bedeutet dies, dass inzwischen 910 Euro pro Unze am Spotmarkt bezahlt werden müssen. Oder beim Gold-Händler, wenn er nicht schon ausverkauft ist, über 965 Euro für die gängigen Bullion-Münzen.

 

Die beiden Londoner Marken kamen mit $1.172,00 (EUR 902,51) zum A.M. Fix und $1.165,00 (EUR 906,47) zum P.M. Fix zustande. Kurz vor dem P.M. Fix wurde der Tagestiefstand mit $1.158 erreicht. So pessimistisch waren dann jedoch die Londoner Händler nicht, wie der wenige Minuten später ermittelte P.M. Fix anzeigte.

 

Danach ging es wieder bergauf und Gold beschloss den Handel an der COMEX mit $1.174,80 um fünf Dollar stärker als noch vor 24 Stunden. In Euro betrachtet betrug der Anstieg sogar 13 Euro.

 

Der US-Dollar Index legte um weitere 0,6 Punkte auf 83,8 zu. Die 10-jährigen Treasury Notes verharrten auf dem Stand von 3,6 Prozent. Der Euro verlor im Laufe des Tages weitere 1,2 Prozent seines Wertes gegenüber dem Dollar.

 

Griechenland ist nicht mehr zu retten. Jedenfalls aus Sicht der Bond-Investoren. Denn die 10-jährigen Papiere sind auf 10,2 Prozent um weitere 0,8 Prozentpunkte gestiegen, während die 2-jährigen Papiere um 1,1 Prozentpunkte auf 14,9 Prozent gestiegen sind.

 

Der EZB scheint nun zum letzten Mittel greifen zu wollen – dem direkten Ankauf griechischer Anleihen an den Bondmärkten mit frisch gedrucktem Geld; das sogenannte Quantitative Easing. Allerdings kommt hier Widerstand aus der Deutschen Bundesbank: Vom Präsidenten Axel Weber höchstpersönlich.   

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.172,00

(€902,51)

$1.184,25

(€901,46)

- $12,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.165,00

(€906,47)

$1.185,00

(€907,28)

- $20,00

COMEX Schlusskurs

$1.174,80

(€912,26)

$1.169,50

(€899,62)

+ $5,30

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,63

(€13,63)

$18,71

(€14,25)

- $1,08

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.636,00

(€1.276,65)

$1.712,00

(€1.309,85)

- $76,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$493,00

(€384,70)

$529,00

(€404,75)

- $36,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

83,8

83,2

+ 0,6

Renditen 10-jährige Treasuries

3,6 %

3,6 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

23,3

23,1

+ 0,2

Griechenland

 

 

 

Renditen 10-jährige Staats-Anleihen

10,2 %

9,4 %

+ 0,8 %

Renditen 2-jährige Staats-Anleihen

14,9 %

13,8 %

+ 1,1 %

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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