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Bericht für den 11. Mai 2010 Gold & Gesellschaft: Ende der Grande Nation So
langsam kommen die Hintergründe der dramatischen Rettungs-Aktion vom letzten
Wochenende zum Vorschein. Die Probleme lagen nicht bei Griechenland, Portugal
oder Spanien. Denn der PIIGS-Virus hat den bisherigen
Stabilitäts-Anker des Euro-Raums, Frankreich, befallen. Oder in plain words ausgedrückt: Ende
letzter Woche stand Frankreich vor dem Kollaps. Die
Grande Nation ist nämlich mit $911 Milliarden Dollar
der Hauptgläubiger der PIIGS-Staaten. Die $75
Milliarden, die französische Banken in griechischen Staatsanleihen halten, sind
da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie
großspurig hat sich der gallische Hahn auf dem EU-Gipfel am Ende letzter Woche
in Szene gesetzt: 95 Prozent der französischen
Forderungen sollen in den ausgehandelten Vertrag übernommen worden sein. Und
dann fühlte sich Sarkozy noch, als die Inkarnation
des einstigen Sonnenkönigs, über alle Vorschriften erhaben: Ihn interessiere
genauso wenig wie die Spekulanten die Rechtsgrundlagen. Dabei war
er nicht der Macher, sondern selbst nur ein Getriebener, der seinen Kopf aus
der Schlinge ziehen wollte: Ende letzter Woche waren die französischen
Staatsanleihen nicht mehr liquide. Es gab plötzlich einfach keinen Markt mehr,
wo sich Käufer für die Papiere gefunden hätten. Staatsbankrott in spe könnte
man auch sagen. Der
entsprechende Bericht der Telebörse: Nachdem in den vergangenen Wochen lediglich die bekannten
Schuldenprobleme Griechenlands die Debatte bestimmt hatten, schien vergangene
Woche das historische Projekt des Euro in Gefahr. Vor dem Euro-Gipfel der
Staats- und Regierungschefs am Freitag in Brüssel eskalierte die Lage und zwang
die EZB zum Eingreifen. "Plötzlich
waren nur noch deutsche Bundesanleihen liquide, noch nicht einmal mehr gute
französische Staatstitel", erklärt ein Euro-Notenbanker die
Zwangslage. "Es musste gehandelt werden - ohne Rücksicht auf
Verluste." Die Panik
war Sarkozy ins Gesicht geschrieben. Und plötzlich
ließen sich zwei einflussreiche Franzosen zu weitgehenden Maßnahmen hinreißen,
die vor wenigen Tagen undenkbar erschienen. Dominique
Strauß-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) beteiligte sich mit
einer bislang für den IWF ungeahnten Summe von 220 Milliarden Euro an dem 720 Milliarden
Euro schweren Rettungspaket der EU-Staaten. So weit ist es mit der Euro-Zone
schon gekommen, dass die Euro-Länder wie die Ukraine, Island und andere
überschuldete Dritte Welt Staaten auf massive IWF-Hilfe angewiesen sind. Und der
zweite Franzose im Bunde, Jean-Claude Trichet, setze den Ankauf von Staatanleihen der
Euro-Mitgliedsstaaten durch die EZB trotz erbitterten Widerstand der deutschen
Vertreter durch. Die EZB hat sich damit endgültig ihrer Bundesbank-Wurzeln
entledigt, die hießen: Politische Unabhängigkeit und Währungsstabilität. Die
EZB greift also nun zu ihrer letzten und ultimativen Waffe, die an den
Finanzmärkten auch als nukleare Option bezeichnet wird. Der Ankauf von
Staatsanleihen aus den PIIGS-Staaten setzte direkt am
Montag ein. Vielleicht waren da auch französische Staatspapiere dabei. Cui bono – wem nützt
es? Die Währungs-Swap Operation der FED, mit der sich die
Euro-Länder US-Dollarliquidität sichern können, ist ein weiteres Element eines
massiven Eingriffs zu Gunsten des Euros. Hier steckt natürlich ein Maß
Eigennutz der Wall Street Banken drin, die mit über insgesamt drei Billionen
Dollar im Euro-Raum engagiert sind. Aber in
den Vereinigten Staaten hagelt es inzwischen Kritik an diesen Maßnahmen. Die
USA als diejenige Nation, die den größten Anteil am IWF hält,
muss nun auch für die Euro-Rettung am meisten zahlen. Und die
Swap-Operationen der FED sind nichts anderes, als dass die Notenbank ihren
internationalen Partnern praktisch unbegrenzt US-Dollar zur Verfügung stellt. Frankreich
hat fertig. Ein baldiges Überspringen der PIIGS-Krankheit
auf Deutschland ist wahrscheinlich, wenn nicht bereits erfolgt. Für Deutschland
sollte spätestens jetzt gelten: fuga salutem petere – sein Heil
in der Flucht suchen. Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten Der
Euro-Rettungsschirm scheint zumindest bei den griechischen Staatsanleihen zu
funktionieren. Die Renditen der Papiere sind heute jeweils um ein weiteres
halbes Prozent gefallen. Das ist aber auch kein Kunststück: Braucht die jeweilige
EZB-Mitgliedsbank ja nur neue Euros zu schöpfen und kann Kauf-Angebote zu jedem
astronomisch hohen Preis den Bond-Händlern unterbreiten. Schon fällt die
Real-Rendite der Papiere auf das gewünschte Niveau. Dagegen
stimmen die Marktteilnehmer an den Devisen-Märkten derzeit weiter gegen den
Euro ab: EUR/USD minus 0,7 Prozent, EUR/CHF minus 0,8 Prozent, EUR/GBP minus
1,4 Prozent und EUR/JPY minus 1,3 Prozent. Neben dem
angeschlagenen Euro macht weiterhin der im Vergleich zum Dollar starke Yen
Probleme. Das deutet auf einen weiteren Unwind von USD/JPY-Devisen
Carry Trades hin – das heißt eine sich
fortsetzende deflationäre Tendenz in den Märkten. Das passt auch zu den anderen
Anlageklassen wie die weißen Edelmetalle (Silber ist später ausgebrochen
– dazu aber nachher mehr) und Öl, die heute weiter nachgegeben haben. Gold
zeigt sich weiter unbeeindruckt von diesen Marktbewegungen und stieg heute
kräftig an. Das gelbe Metall beendete den COMEX-Handel
heute faktisch auf Tages-Höchststand. Über die Entwicklung von Euro-Gold muss
man in Anbetracht des schwachen Dollars keine weitere Worte
verlieren. Der
Londoner A.M. Fix kam nach einem sich leicht im Plus befindlichen asiatischen
Handel mit $1.209,00 (EUR 953,77) dann schon
wesentlich stärker zustande. Im 24-Stundenvergleich sprechen wir von einem
Anstieg von $21. Zum
Nachmittag setzte bereits zwei Stunden vor Eröffnung der New Yorker COMEX eine
zweite Aufwärtsbewegung ein, die Gold stetig bis an
die Marke von $1.220 führte. Bis zum Londoner P.M. Fix stieg das gelbe Metall
bis auf $1.224 an – der P.M. Fix kam mit $1.222,50 (EUR 960,41). Zum Ende
des Handels an der COMEX kam es zu keinen weiteren Verschiebungen, so dass Gold mit $1.221,00 (EUR 960,56) diesen Handel
beendete. Inzwischen
wird es schwierig, auf Basis dieser Spot-Daten Verkaufs-Preise für 1
Unzen-Münzen zu ermitteln. Viele Händler sind komplett ausverkauft und Ware,
die nachkommt, ist in nu wieder verkauft. Die gesehenen Preis liegen bei EUR
1.030 und höher. Silber
war der heutige Superstar – allerdings ein Spätzünder: Vor Eröffnung der
COMEX stand das weiße Metall noch bei $18,40. Plötzlich schoss es auf bis zu
$19,20 hoch und beendete mit $19,25 den Handel an der COMEX. Der Hintergrund
ist wohl, dass JP Morgan Chase wegen seiner konzentrierten Silber Short-Positionen
an der Londoner LBMA und der New Yorker COMEX und der sich daraus abgeleiteten
Manipulationen des Silber-Marktes unter Beobachtung der Aufsichtsbehörde CFTC
steht. Die CFTC hat nun entschieden, JP Morgan wegen der Manipulation des
Silber-Marktes anzuklagen. Die beiden
bislang als zahnlos verspotteten US-Aufsichtsbehörden, die SEC und die CFTC
müssen nun wohl ein Exempel statuieren und der Öffentlichkeit Bissigkeit zeigen.
Bei der SEC hat es dabei Goldman Sachs getroffen und das Ziel-Objekt der CFTC
scheint nun JP Morgan zu sein. Den Silber-Investoren kann es nur recht sein –
schließlich wurden sie jahrelang um die Früchte ihres Investments betrogen. Wichtige Marktdaten im Überblick
Über Ziemanns Gold News Ziemanns
Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com
täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de
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