Bericht für den 25. Mai 2010

 

Gold & Gesellschaft: Ring of Fire

 

The U.S., Spain and Greece are among developed nations whose borrowing put them in a ring of fire amid sovereign debt concerns, said Pacific Investment Co., which runs the worlds biggest bond fund.

 

Da haben wir es jetzt schwarz auf weiß von einem der letzten verbliebenen privaten Großinvestoren in Staatsanleihen: Nicht nur die Anleihen aus Griechenland sind Schrott, sondern auch die Anleihen von Spanien und den Vereinigten Staaten. Übrigens ist PIMCO eine Tochter des Allianz-Konzerns.

 

PIMCO konzentriert sein Investment-Geschäft nach eigenen Aussagen auf die sogenannten Emerging Markets. Denn dort seien die Sparraten der Bürger höher und es gäbe dort auch keine Verschuldungs-Blasen. Insbesondere seien deren Staatshaushalte mit einer weniger starken strukturellen Verschuldung belastet.

 

Das sollte uns zu denken geben. Denn Sparraten existieren in den Mutterländern der Blasen-Ökonomie, Großbritannien und den Vereinigten Staaten, praktisch nicht. Im Immobilien-Sektor haben sich dort vielmehr massive Verschuldungs-Blasen gebildet. Und die Staatshaushalte dieser Länder geraten immer mehr aus dem Gleichgewicht. Genau das Gegenteil der Investment-Kriterien, die PIMCO anlegt.

 

Wenn PIMCO als weltweit größter Investor nicht mehr in die US-Staatsanleihen investiert, wer kauft dann eigentlich diese Papiere und treibt damit die Real-Zinsen auf Rekord-Tiefstände? Bei den Kurzläufern, den Treasury Bills, werden derzeit real keine Zinsen gezahlt. Zum Teil fallen die Realzinsen sogar leicht in den negativen Bereich. Man leiht der US-Regierung für einige Wochen und Monate Geld, um am Rückzahlungstag weniger Dollars zurückbezahlt zu bekommen – surreal!

 

Die Euro-Krise ist hier sicherlich ein Auslöser. Die europäische Währung entwickelt sich vom Kandidat einer Welt-Reservewährung immer stärker zu einem weltweiten Risiko. Deshalb versuchen Investoren, seien es nun Staatsfonds, Notenbanken, Banken aber auch private Investoren sich von ihren Euro-Anlagen zu trennen und die erzielten Erlöse im US-Dollarraum zu parken. Mangels Alternativen bleiben da praktisch nur die US Treasuries übrig. Der Flucht aus dem Euro wird insbesondere den internationalen Banken dadurch erleichtert, dass die Europäische Zentralbank (EZB) dazu übergegangen ist, die Staatsanleihen aus den Euro-Ländern an den Bond-Märkten aufzukaufen. So wird es den Banken ermöglicht, sich ihrer portugiesischen, spanischen, italienischen aber auch französischen Staatspapiere zu entledigen, ohne einen Abschlag darauf zahlen zu müssen. Eine Ausstiegs-Subvention made by EZB.

 

Der zweite Aspekt ist, dass es für US-Banken attraktiv ist, lang laufende Treasuries trotz niedriger Real-Zinsen bei den Auktionen des US-Schatzamtes zu ersteigern, um sie dann kurzfristig bei der FED zu unter einem Prozent Zinsen zu refinanzieren. Diese Bond Carry-Trades sind wohl der Grund dafür, dass diese Papiere derzeit überhaupt noch ausreichend Käufer finden. Denn im US-Bundeshaushalt wird nur noch jeder zweite ausgegebene Dollar durch Steuereinnahmen finanziert – der Rest ist Neuverschuldung.

 

Zuletzt finden sich in Ländern wie China noch ausreichend Käufer für die US-Papiere. Denn die USA mit ihrem immer noch mehrere hundert Milliarden Dollar umfassendem Leistungsbilanz-Defizit saugen die rein für die Exportmärkte produzierten Produkte aus den asiatischen Märkten auf, können diese aber nur durch neue Schulden bei diesen Ländern refinanzieren. China und andere Länder haben also überhaupt gar keine andere Wahl, als den Vereinigten Staaten ihre Schuldpapiere abzunehmen. Ansonsten könnten sie ja nicht mehr in die USA exportieren. Und bei den US-Schuldpapieren stehen die Treasuries an erster Stelle der vermeintlich risikolosen Investments.

 

Übrigens besteht der Ring of Fire der laut PIMCO riskanten Staatsanleihen aus einer Reihe bekannter Länder: Irland, Spanien, Frankreich, die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Italien, Portugal und Japan werden dort genannt. Deutschland taucht in dieser Liste (noch) nicht auf.

 

Von Japan, den Vereinigten Staaten und Großbritannien wissen wir ja, dass die jeweilige Notenbank (BoJ, FED, BoE) einen Großteil der neuen Staatsschulden mit frisch gedrucktem Geld aufkauft. Aber auch für die oben genannten Euro-Staaten gilt die alte Weisheit: Der Euro geht solange zur EZB, bis er bricht.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Aktienmärkte in Asien sind heute auf ein 10-Monatstief gefallen. Der japanische NIKKEI-Index gab 322 Punkte oder 3,3 Prozent und schloss mit 9.436 Punkten weit unter der Marke von 10.000. Anfang April des Jahres stand dieser Index noch bei 11.340 Punkten – ein Verlust von 17 Prozent. Gut, wir sind zwar noch weit von dem Tiefstand im März 2009 entfernt: Da notierte der NIKKEI noch bei knapp 7.100 Punkten.

 

Der Euro nähert sich gegenüber dem US-Dollar wieder seinem vor wenigen Tagen erreichten Tiefstand an. Der japanische Yen steigt sogar noch stärker und ist nun gegenüber dem Euro so stark wie zuletzt im Jahr 2001. Zeitweise betrug der Fall des Euros 2,1 Prozent.

 

Schockwellen durchziehen wieder einmal das System. Die Aktienkurse weltweit fallen und auch US-Öl nebst der weißen Edelmetallen bleiben von diesen deflationäre Schockwellen nicht verschont. Neben beim NIKKEI musste sich nun auch der Dow Jones Aktienindex gleich zu Handelsbeginn von seiner 10.000 Punktemarke verabschieden.

 

Wieder einmal stemmte sich Gold gegen diese Entwicklung. Im asiatischen Handel schwankte das gelbe Metall um den Freitags-Schlusskurs von $1.192,30. Im Laufe des Londoner Vormittags-Handels oszillierte Gold dann etwas schwächer um die Marke von $1.190. Der A.M. Fix kam mit $1.189,50 (EUR 974,28) zustande. Ein Zuwachs von sechs Dollar im Vergleich zum Montag.

 

Kurz nach dem A.M. Fix begann Gold jedoch in zwei Wellen zu steigen. In der ersten Welle bis kurz vor Handelsbeginn an der New Yorker COMEX stieg Gold auf bis zu $1.195 an. Nachdem die erste Drückungs-Welle genommen wurde, setzte Gold seine Aufwärtsbewegung fort, die es zum P.M. Fix nahe der Marke von $1.200 befördern konnte. Der P.M. Fix kam mit $1.198,25 (EUR 978,32) um elf Dollar kräftiger als zum letzten P.M. Fix zustande.

 

Man beachte den Euro-Goldpreis, der zum P.M. Fix nur noch knapp 32 Euro von der 1.000er-Marke entfernt liegt.

 

Zum Schluss des Handels an der COMEX ging Gold ebenfalls auf diesem Stand aus dem Markt. Der Schlusskurs lautete $1.198. Und siehe da: Nach 16:00 Uhr MEZ stieg der Euro wieder auf magische Art von einem 1,3 prozentigen Minus auf unverändert. Noch extremer beim Yen gegenüber dem Euro: Hier wurde der 2,1 prozentige Rückgang ebenfalls bis zum Ende des Handels nivelliert. Ab 20:00 Uhr MEZ machte dann der Dow Jones einen Großteil seiner Verluste wieder wett und schloss knapp über der Marke von 10.000 Punkten.

 

Die Notenbanken haben den Euro erneut vor dem Herzstillstand bewahrt. Die Frage ist nur, wie lange diese lebenserhaltenden Maßnahmen noch greifen werden.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.189,50

(€974,28)

$1.183,75

(€953,25)

+ $5,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.198,25

(€978,32)

$1.187,00

(€959,81)

+ $11,25

COMEX Schlusskurs

$1.198,00

NA

$1.194,00

NA

+ $4,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,63

(€14,45)

$17,78

(€14,35)

- $0,15

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.493,00

(€1.224,25)

$1.525,00

(€1.231,35)

- $32,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$428,00

(€350,95)

$450,00

(€363,35)

- $22,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

86,5

86,2

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,2 %

3,2 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

27,0

26,9

+ 0,1

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010

Parse Time: 0.316s