Bericht für den 3. Juni 2010

 

Gold & Gesellschaft: Alle Monate wieder ...

 

Jeden Monat vollzieht sich zum Freitag der ersten Woche immer dasselbe Schauspiel: Das US Bureau of Labor Statistics (BLS) – wegen seiner manipulierten Zahlen auch das (Orwellsche) Wahrheitsministerium genannt – veröffentlicht die US-Arbeitsmarkt-Zahlen für den vergangenen Monat.

 

Aber machen wir uns nichts vor: Die deutsche Arbeitsagentur meldet genauso Bogus-Zahlen wie ihr US-amerikanisches Vorbild. Zu sehr lassen sich die Politiker an den Arbeitsmarkt-Zahlen messen. Zumal in einer zunehmens sozialistisch geprägten Gesellschaft den Gewerkschaften eine staatstragende Rolle zugemessen wird. Deshalb ist dort die Versuchung besonders groß, mit verschiedenen Tricks die Zahlen zu schönen. Mit Wirklichkeit hat dies jedenfalls überhaupt nichts mehr zu tun.

 

Das zweite Manipulations-Objekt ist im Übrigen die erfasste Inflations-Rate, Consumer Price Index (CPI) genannt. In den Vereinigten Staaten wird der CPI zur Anpassung der Sozialleistungen an die Teuerung verwendet. Und selbst die Steuer-Progression wird automatisch an die Teuerungs-Rate angepasst. In Deutschland gibt es für Sozialleistungen wie Hartz IV diesen Automatismus jedoch nicht. Für die Steuern sowieso nicht. Je höher die Teuerung, desto mehr muss der Staat in den Vereinigten Staaten zusätzlich für Sozial-Ausgaben ausgeben.

 

Aber nicht nur die USA sind interessiert daran, diesen Wert möglichst niedrig auszuweisen. Hier ist deutsche Überheblichkeit genauso fehl am Platz wie bei den Arbeitslosen-Zahlen. Viel schlimmer wirkt ein falscher Ausweis der Teuerungs-Rate nämlich für Rentner, Arbeitnehmer und Sparer: Denn dann wird schnell aus einer Renten-Erhöhung ein Netto-Kaufkraftverlust, aus den Anlagen in Wertpapieren eine reale Negativ-Verzinsung und aus der Lohn- und Gehaltserhöhung ein negatives Real-Einkommen.

 

Seit der Lehman-Krise im Herbst 2008 versucht man uns den Bären einer Deflation (= sinkende Preise) oder zumindest einer fehlenden Inflation aufzubinden. Zwar Deflationieren bestimmte Anlageklassen wie Immobilien und Aktien wirklich – aber nicht die Gegenstände für das tägliche Leben. Man braucht sich nur die insgesamt intuitiv schrumpfende Kaufkraft anzusehen um festzustellen, dass hier etwas nicht stimmen kann. Das ist natürlich schwierig zu belegen, denn wenige Prozent-Punkte Abweichung fallen erst nach mehreren Jahren auf. Und zu jedem Zeitpunkt kann man sich üblicherweise nicht mehr an seine damalige Kaufkraft erinnern.

 

Deshalb sind eigentlich nur die Tendenzen der Zahlenreihen von Relevanz. Und die Entwicklung bestimmter Korrekturfaktoren wie beispielsweise den Ausweis der arbeitsfähigen Bevölkerung. Hier lassen sich viele Arbeitslose gut als nicht arbeitsfähig verstecken. Die nicht zu versteckenden Sozial-Kosten sprechen hier eine eindeutige Sprache.

 

Eine zweite Manipulations-Quelle des BLS ist das sogenannte Net Birth/Death Model. Mit diesem wird das Entstehen beziehungsweise Verschwinden von Arbeitsplätzen bei kleinen Firmen modelliert, die keine konkreten Arbeitsmarkt-Zahlen an das BLS liefern müssen. Modelliert heißt, dass es keinen konkrete Datenreihen gibt und die Ansätze von der Behörde geschätzt wird. Sieht man sich diese Zahlen für die letzen 18 Monate an, dann muss es ein wahres Feuerwerk bei der Gründung von kleinen Firmen gegeben haben.

 

Mit inzwischen schon lieb gewordener Regelmäßigkeit wird im Vorfeld der Verkündung der Zahlen der Goldpreis gedrückt. Auch heute konnten wir dieses Schauspiel wieder beobachten. Eine Gelegenheit für Day Trader, die beispielsweise mit Contract of Difference (CFD) Geschäften schnell einmal einige Dollar oder Euro verdienen möchten. An Anbietern dieser CFD-Tools mangelt es ja inzwischen nicht mehr.

 

Interessant ist auch der gestern beobachtete forcierte Anstieg der weltweiten Aktienmärkte um mehrere Prozent zu beobachten. Selbst der japanische NIKKEI-Aktienindex legte um knapp drei Prozent zu – obwohl mit dem Rücktritt des vor acht Monaten frisch gewählten Minister-Präsidenten eine erneute Regierungs-Krise eingeleitet worden ist. Eigentlich ein Grund für ein starken Einbruch der Märkte. Aber nicht in einem völlig manipulierten Marktumfeld, wo nur die stattfindende oder ausgesetzte Flutung der Märkte mit Zentralbank-Geld zählt.

 

Werden die Zahlen, die am Freitag um 14:30 Uhr MEZ veröffentlicht werden, so schlimm ausfallen, dass man sich wohl einen ausreichenden Abstand schaffen möchte?

 

Vielleicht – aber der kluge Investor lässt sich sowieso nicht durch die Kurs-Entwicklungen um den Tag der Verkündung der Arbeitsmarkt-Zahlen beeinflussen. Denn so wie Weihnachten alle Jahre wieder kommt, so müssen wir bei den Arbeitslosen-Zahlen reimen: Alle Monate wieder ...

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Gold dümpelte die letzten Tage lustlos um die Marke von $1.220 herum. Nach oben wird der Gold-Preis durch das Bestreben insbesondere der europäischen Notenbanken beschränkt, die Marke von 1.000 Euro nicht zu überschreiten. Auf der anderen Seite will sich der Euro trotz fortgesetzter und massiver Interventionen der FED, der BoJ und der SNB nicht stabilisieren lassen.

 

Aus technischer Sicht könnten also die Marktteilnehmer an den Gold-Märkten zu dem Schluss kommen, dass Gold ein Top ausgebildet hat, das es nicht überwinden kann. Setzt nun eine forcierte Korrektur wie wegen der Arbeitsmarkt-Daten ein, dann kann es plötzlich zu heftigen Rücksetzern kommen.

 

Genau das konnten wir heute beobachten. Gold tendierte lustlos im asiatischen Handel um den gestrigen Schlusskurs. Im Londoner Vormittags-Handel kam es dann zu einem Rückgang, der Gold unter die Marke von $1.220 trieb. Der A.M. Fix kam mit $1.219,75 (EUR 993,04) trotzdem noch relativ stabil zustande.

 

Im frühen Nachmittags-Handel bis zum Londoner P.M. Fix trieb Gold relativ lustlos zwischen $1.215 und $1.220 umher. Der P.M. Fix kam mit $1.215,00 (EUR 992,00) am unteren Ende dieses Korridors zustande. In den folgenden 90 Minuten konnte sich Gold dann erneut leicht erholen, war aber nicht mehr imstande, die Marke von $1.220 zu erreichen.

 

Gegen 17:30 Uhr MEZ setzte dann plötzlich eine zweistufige Drückungs-Welle ein, die Gold um fünfzehn Dollar auf bis zu $1.202 fallen ließ. Die Marke von $1.200 hielt jedoch erst einmal.

 

Zum Schluss des COMEX-Handels kommt sich Gold wieder leicht auf $1.208,30 verbessern.

 

Die weißen Edelmetalle konnten sich trotz anfänglich positiver Tendenz nicht dem plötzlichen Goldpreis-Einbruch verschließen und verloren ebenfalls im Tagesvergleich zum Teil heftig.

 

Der Euro musste heute gegenüber dem US-Dollar 0,7 Prozent seines Wertes abgeben und notiert derzeit bei $1,2160 auf Tagestiefstand. Hier wird wohl morgen eine erneute Rettung erforderlich sein.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.219,75

(€993,04)

$1.221,00

(€997,71)

- $1,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.215,00

(€992,00)

$1.215,00

(€996,56)

unverändert

COMEX Schlusskurs

$1.208,30

NA

$1.221,00

NA

- $12,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,27

(€14,91)

$18,43

(€15,06)

- $0,16

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.565,00

(€1.276,00)

$1.542,00

(€1.264,45)

+ $23,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$462,00

(€376,70)

$450,00

(€369,00)

+ $12,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

87,2

86,8

+ 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,3 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

25,6

26,3

- 0,7

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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