Bericht für den 14. Juni 2010

 

Gold & Gesellschaft: Staatlich geplünderte Pensionskassen

 

In den Vereinigten Staaten werden die Pensions-Verpflichtungen des Staates und der Gemeinden in Pensions-Fonds ausgelagert. Es gibt solche Pensions-Fonds für Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute und andere staatlich Angestellte. Der Pensions-Fond erhält von der öffentlichen Hand jährliche Zahlungen für die jeweiligen (aktiven) Angestellten und soll diese Gelder möglichst gewinnbringend anlegen.

 

Scheidet der Mitarbeiter nun wegen des Erreichens der Altersgrenze aus, dann werden die angesammelten Gelder dazu verwendet, die Pensionen der ehemaligen Staatsangestellten zu bezahlen. Auf den Staat beziehungsweise die Gemeinden kommen ab diesem Zeitpunkt keine Lasten mehr zu. Das ist im Prinzip ein solide finanziertes System der Altersversorgung, bei dem die zukünftigen Lasten durch Bildung eines Kapitalstocks abgesichert werden.

 

Nun sind die Pensions-Fonds durch die Finanzkrise zunehmens in Probleme geraten. Denn sie haben in der Vergangenheit einen großen Teil ihres verwalteten Vermögens in den Aktien-Märkten investiert. Außerdem haben bestimmte Fonds ihr Geld in Hedge Fonds und Private Equity Firmen investiert, welche die letzten Jahre zum Teil erhebliche Verluste verzeichnen mussten.

 

Garantiert der Staat eine bestimmte Pensions-Leistung und kann der Pensions-Fond diese Leistung nicht in dem Umfang erbringen, weil sein Portfolio nicht die entsprechende Verzinsung erwirtschaftet, dann muss der Staat Gelder in den Pensions-Fond nachschießen. Der Fond ist underfunded oder auf gut deutsch mit einem unzureichendem Kapitalstock ausgestattet.

 

Besteht dagegen keine Verpflichtung auf eine bestimmte Auszahl-Leistung, dann werden die Pensions-Zahlungen zum Teil erheblich geringer ausfallen, als bislang prognostiziert wurde. Das kennen wir ja von der deutschen Versicherungs-Branche, die wegen der niedrigen Zinsen kaum Erträge für ihre Kunden erwirtschaften kann. Wer auf diese Art und Weise seine Immobilien-Hypothek vor zehn Jahren und früher mit noch hohen prognostizierten Zinsen der Versicherungs-Branche refinanzieren wollte, der sitzt jetzt auf einer wesentlich höheren Restschuld – hätte er doch lieber das Annuitäten-Darlehen abgeschlossen, bei dem die Tilgungsleistung mit der Zeit wegen der ersparten Zinsen auf die getilgte Schuld immer größer wird.

 

Das Gute an dem US-System ist: In den Pensions-Fonds ist wirkliches Geld drin – das heißt die zukünftigen Verpflichtungen für die Pensionäre sind (teilweise) gedeckt. Das ist anders als die europäischen staatlichen Pensions-Systeme, die überhaupt nicht finanziert sind. In Europa müssen die anfallenden Pensions-Verpflichtungen deshalb voll durch den Staat aus den Steuereinnahmen finanziert werden. Mit unseren alternden Beamten rollt deshalb eine massive Kostenwelle auf die staatlichen Haushalte zu.

 

Aber die Vereinigten Staaten sind de facto nun auf dem gleichen Weg. Die New York Times berichtete am Freitag unter dem Titel State Plan Makes Fund Both Borrower and Lender: Gov. David A. Paterson and legislative leaders have tentatively agreed to allow the state and municipalities to borrow nearly $6 billion to help them make their required annual payments to the state pension fund. And, in classic budgetary sleight-of-hand, they will borrow the money to make the payments to the pension fund – from the same pension fund.

 

Der Staat New York kann sich also seine jährlichen Pensions-Zahlungen an den jeweiligen Pensions-Fond nicht mehr leisten und möchte sich nun um diese zu zahlende Summe bei dem Fond verschulden. Auf gut deutsch: Der Staat leistet keine Zahlungen für seine zukünftigen Pensionäre mehr – bilanztechnisch verschuldet er sich in der Höhe der Zahlungen bei dem jeweiligen Fond. Geld vom Staat in Richtung Pensions-Fond fließt also keines mehr.

 

Aus welchen Mitteln soll der Fond dann in Zukunft seine Zahlungen an die staatlichen Pensionäre leisten, wenn kein echtes Geld mehr herein kommt, sondern der Fond zunehmens auf Schuld-Papieren (IOU = I owe you) des Staates sitzt? Die ersten Jahre wird das System noch funktionieren, da sich der Fond zur Erfüllung seiner Verpflichtungen seiner Geld-Anlagen entledigen kann. Sind alle diese Geld-Anlagen aufgebraucht, dann wird der Fond selber zahlungsunfähig. Vielleicht erhalten dann die Pensionäre anstatt eines Schecks die IOU-Papiere des Staates. Während die frühen Pensionären wohl noch ihre Zahlungen erhalten dürften, bleibt für deren Nachfolger wohl kein Geld mehr übrig: Die letzten beißen ja bekanntlich die Hunde.

 

Im Prinzip ist dieses Vorgehen auch negativ für die Finanz-Märkte: Denn die Fonds können nicht mehr investieren und müssen statt dessen ihre Bestände an den Märkten verkaufen, um ihre fortlaufenden Zahlungen an die Pensionäre leisten zu können. An Märkten, wo mehr verkauft als gekauft wird, sinken bekannterweise die Kurse. Das verschärft die Situation der Pensions-Fonds noch zusätzlich.

 

Der Staat räubert nun die letzten verfügbaren Gelder seiner Bürger. Die New York Times spricht von einem shell game (betrügerisches Hütchenspiel): Call it what you will, its taking money from future budgets to help solve this years budget. Zurück bleiben wird nur verbrannte Erde.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Finanz-Märkte reagieren paradox: Der Euro steigt heute gegen den US-Dollar kräftig an, während derzeit die Spanien-Krise immer neue Dimensionen annimmt. Aber wir kennen den Grund für diesen Handelsverlauf ja bereits: Man möchte den Markt von den wahren Problemen ablenken.

 

Wenn man den Markt allerdings mit Liquidität flutet, muss man auspassen, dass der Goldpreis nicht einen erneuten Satz nach oben macht. Das hat er heute früh zwar in US-Dollar bewertet getan: In der Spitze wurden kurz vor Beginn des Londoner Vormittags-Handels Kurse um die $1.235 gesehen. Aber wie wir es die letzten Tage schon beobachten konnten, setzt zum Londoner Handel Druck durch Goldverkäufe der europäischen Zentralbanken ein.

 

Das Ziel lautet: Euro-Gold wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro zu drücken. Während die Bank of Japan und die FED in kräftigen Umfang die Märkte mit ihren Währungen fluteten, explodierte der Euro-Kurs und die Aktien-Indizes an den Weltbörsen applaudierten. Mit Gold-Verkäufen wurde dieser Effekt für die Marktteilnehmer verschleiert.

 

Und das, obwohl selbst Bloomberg heute von einer zweiten Abschreibungs-Runde der europäischen Banken sprach. Diesmal nicht von Immobilien-Engagements in den Vereinigten Staaten, sondern von Anleihen bestimmter europäischer Staaten. Zurück sind wir schon bei der Spanien-Krise.

 

Die durch die Notenbank-Drückung betroffenen Londoner Fixings zeigten die heutige Preis-Strategie an: A.M. Fix $1.229,50 (EUR 1.004,33) und P.M. Fix $1.223,75 (EUR 999,22).

 

Im Anschluss an den P.M. Fix konnte Gold dann auf bis zu $1.217 gedrückt werden, erholte sich aber bis zum Ende des COMEX-Handels wieder auf $1.224. Der Euro-Goldpreis, der zwischenzeitlich auf fast 990 Euro gefallen war, konnte sich wieder mit leicht steigendem US-Dollar auf 1.000 Euro befestigen. Auch die anfänglichen kräftigen Gewinne am Aktien-Markt verkehrten sich zum Handelsschluss in New York wieder ins negative Terrain.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.229,50

(€1.004,33)

$1.220,50

(€1.007,18)

+ $9,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.223,75

(€999,22)

$1.220,00

(€1.006,93)

+ $3,75

COMEX Schlusskurs

$1.224,00

NA

$1.228,50

NA

- $4,50

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,43

(€15,07)

$18,31

(€15,09)

+ $0,12

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.556,00

NA

$1.539,00

NA

+ $17,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$457,00

(€372,60)

$449,00

(€371,38)

+ $8,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

86,6

87,5

- 0,9

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,2 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

27,3

27,3

unverändert

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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