Bericht für den 15. Juni 2010

 

Gold & Gesellschaft: Wissenschaftliche Steuererhöhungs-Propaganda

 

Es gibt Dinge in unserer Gesellschaft, die sich wie eine tibetanische Gebetsmühle wiederholen. Das sind die sogenannten Wirtschaftsinstitute, die uns genau immer dann alle Arten von Steuererhöhungen mit pseudowissenschaftlichen Begründungen vorschlagen, wenn der Staat wieder besonders klamm zu sein scheint.

 

Die eine Fraktion dieser staatlich alimentierten Wissenschaftler plädiert für eine kräftige Anhebung der Mehrwertsteuer – Sätze von 25 Prozent werden hier genannt, um das sogenannte strukturelle Defizit der Staatshaushalte ausgleichen zu können.

 

Die andere Fraktion um das Berliner DIW möchte uns dagegen weismachen, dass sich die Einkommenslücke zwischen Arm und Reich immer weiter öffnet und diese deshalb mit höheren Einkommens-Steuern bei den sogenannten Wohlhabenden zu schließen sei.

 

Das DIW geht über das inzwischen zum Regierungs-Sprachrohr verkommene Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in die Offensive. Unter dem Titel Ökonomen warnen vor Absturz der Mittelschicht stellt der Bericht folgendes fest: Die Reichen werden trotz Krise immer reicher, gleichzeitig wächst die Zahl der Armen – Nach einer neuen Studie hat sich die Einkommenslücke in Deutschland ausgeweitet. Großer Verlierer ist die Mittelschicht – und das Sparprogramm der Regierung könnte die Lage noch verschärfen.

 

Ohne sich der Fakten in dem Bericht zu widmen, wird bereits in den einleitenden Worten suggeriert: Das Sparprogramm macht die Reichen noch reicher und deshalb müsse man aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit die Steuern für die Wohlhabenden erhöhen.

 

Wer zählt nun zur Gruppe der vermeintlich Armen, wer ist der angeblich Wohlhabende, der dem Luxus frönt. Intuitiv möchte man sagen, arm ist derjenige, der Sozialleistungen wie Hartz IV bezieht oder noch tiefer in der Gesellschaft abgerutscht ist. Und zu den Reichen zählen wohl diejenigen, die Mercedes S-Klasse, Rolls-Royce oder Bentley fahren und mehrmals im Jahr nach New York oder auf die Malidiven in der FIRST Class jetten. Von einem eigenen Anwesen in den Villen-Gegenden um Hamburg, München und Frankfurt mit Bediensteten einmal ganz zu schweigen.

 

Nein – was müssen wir stattdessen in dem Bericht lesen: Arm ist derjenige, der weniger als 70 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, während der Wohlhabende 150 Prozent des mittleren Einkommens ausgeben kann. Also hat der ärmste Wohlhabende in etwa ein doppelt so großes Einkommen die der wohlhabenste Arme – so jedenfalls nach den Bezugsgrößen des DIW.

 

Interessant auch die konkreten Bezugszahlen des DIW. Ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren inklusiv Kindergeld und anderen staatlichen Leistungen ist mit einem Nettoverdienst von 1.800 Euro bereits arm. Also läge nach Anwendung der DIW-Regel das mittlere Einkommen dieser Familie bei 2.570 Euro. Das wohlhabende Paar mit zwei Kindern läge also bei einem verfügbaren Einkommen von 3.855 Euro. Das wären knapp 1.000 Euro pro Kopf, mit denen diese Familie kräftig auf den Putz hauen kann.

 

Rechnen wir einmal nach: Eine Leasing S-Klasse würde wohl mit monatlichen Kosten von 2.000 Euro zu Buche schlagen und der Ehefrau möchte man ja mit 1.500 Euro angenommenen monatlichen Kosten ein dem Gesellschaftsstand angemessenes Gefährt zumessen. Da blieben dann ganze 355 Euro für den anderen Luxus der Familie.

 

Wie wir es auch drehen möchten, diese angeblich wohlhabende Familie ist gar nicht reich. Sie kann sich vielleicht zwei Autos finanzieren, die im klassischen Mittelsegment angesiedelt sind. Vielleicht hat sie noch ein hochverschuldetes Eigenheim, das sie im besten Fall mit Erreichen des Rentenalters abgezahlt haben wird. Und für Reisen kommen wohl eher die Verwandten und der Pauschalurlaub in der Holzklasse in Frage.

 

Nix Luxus – das ist eine Familie im klassischen Mittelschichts-Segment.

 

Ich würde den gehobenen Mittelstand ab einem verfügbaren pro-Kopf Einkommen von monatlich EUR 1.500 ansetzen. Mit 6.000 Euro verfügbaren Einkommen wäre die obige Familie gut versorgt. Aber sie könnte sich immer noch keinen Luxus gönnen.

 

Die eigentliche Einkommens-Oberschicht würde bei einem pro-Kopf Nettoeinkommen von 5.000 Euro aufwärts beginnen, wobei für einen Alleinstehenden dann wohl ein noch höherer Betrag zum Ansatz gebracht werden müsste.

 

Das Segment der wirklich Wohlhabenden beginnt mit monatlichen Einkommen von 10.000 Euro pro Kopf aufwärts. Das würde bei einer vierköpfigen Familie ein Jahres-Nettoeinkommen von knapp 500.000 Euro bedeuten – also ein zu versteuerndes Einkommen in der Nähe der eine Millionen Euro-Grenze.

 

Von dieser Klientel gibt es nach der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Einkommens-Statistik aber nur circa 10.000 Haushalte in Deutschland. Von der oben definierten Einkommens-Oberschicht vielleicht 50.000 Haushalte.

 

Man sieht, dass die Diskussion um höhere Steuern für die wirklich Wohlhabenden und die Einkommens-Oberschicht rein akademisch ist. Denn diese Gruppe bringt allein wegen ihrer zahlenmäßigen Größenordnung nicht die kritische Masse zusammen, um signifikante Staatseinnahmen durch Steuererhöhungen für Besserverdiener zu erzielen.

 

So betrügen SPIEGEL und DIW das Volk mit einer Meßlatte für Wohlhabende, die überhaupt nichts mit Luxus zu tun hat. Ich sage es erneut: Diese Propaganda zielt einzig und allein darauf, die Wohlhabenden öffentlichkeitswirksam zu brandmarken, um dann bei den eigentlichen Mittelstands-Haushalten kräftig abzukassieren zu können.

 

Welch ein verlogenes Volk von Banditen und Raubrittern uns der Staat doch zumutet. Und alles unter dem Deckmantel der Wissenschaft.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die Rettungs-Aktionen für den Euro gehen weiter. Gestern Abend haben die Versuche, den Euro gegenüber anderen Währungen zu heben, einen erheblichen Rückschlag erlitten: Die Rating-Agentur Moodys hat Griechische Staatsanleihen um mehrere Stufen auf Ramsch-Status (below investment grade / junk) heruntergestuft. Der Anstieg des Euros wurde gebremst und Gold konnte sich wieder erholen.

 

Heute der erneute Versuch: Egal wie schlimm die Situation im Euro-Raum auch sein mag – und sie wird fast täglich immer schlimmer – die Notenbanken mit ihren Hilfsgesellen manipulieren die Finanz-Märkte in genau die andere Richtung, als es die Markt-Teilnehmer erwarten würden: Black is White, and White is Black.

 

Bloomberg berichtete heute, dass internationale Unternehmen keine weitere Anleihen (corporate bonds) mehr im Euro-Raum absetzen können. Statt dessen weichen sie auf den Kanadischen Dollar und den Schweizer Franken aus. In diesem Währungs-Räumen kann man sich anscheinend noch verschulden. Nur dumm, wenn die Firmen bei massiver Abwertung des Euros zu lebenden Hedge Fonds werden. Ein Unternehmen wie BMW, dass ein Großteil seiner Umsätze im Euro-Raum erwirtschaftet setzt sich bei einem Verschuldungs-Titel in Can-Dollar oder Schweizer Franken der Gefahr aus, dass es bei Fälligkeit der Anleihen einen viel größeren Euro-Betrag zurückzahlen muss, als ursprünglich angenommen. Aber hier sieht man wieder einmal, wie stark die Unternehmen für die Finanzierung ihres Geschäftsbetriebs auf Kredit-Aufnahme angewiesen sind.

 

Mit Japan hat auch eine weitere Region Probleme mit Unternehmens-Finanzierungen. Hier übernimmt nach einem heutigen Bericht von Bloomberg die Bank of Japan (BoJ) die Unternehmens-Finanzierung – es wurde ein Volumen von 3 Billionen Yen, entspricht 33 Milliarden US-Dollar zu Finanzierung der Unternehmen bereitgestellt. Und das zu Minimalst-Zinsen von 0,1 Prozent (pro Jahr versteht sich).

 

Der Gold-Preis konnte sich mit der angeschobenen Euro-Stützung in US-Dollar gerechnet wieder stabilisieren. Zum A.M. Fix um 11:30 Uhr stand Gold mit $1.223,00 (EUR 1.001,39) noch sieben Dollar oder drei Euro im Minus im Vergleich zum gestrigen A.M. Fix.

 

Um 16:00 Uhr zum Londoner P.M. Fix stand Gold in US-Dollar bewertet mit $1.225,00 (EUR 997,40) bereits einen Dollar im Plus zu gestern. Aber durch den gehobenen Dollar verlor Euro-Gold zwei Euros.

 

Wieder einmal müssen es wohl physische Eingriffe der europäischen Notenbanken gewesen sein, die den Gold-Preis unter die Marke von 1.000 Euro halten wollen. Viele Markt-Teilnehmer sind bearish über die weitere Goldpreis-Entwicklung. Das bremst die Kurs-Entwicklung noch zusätzlich.

 

90 Minuten nach Handelsschluss in London stieg Gold dann plötzlich um zehn Dollar auf bis zu $1.235 an. Zum Ende des COMEX-Handels musste Gold noch wenige Dollar abgeben und schloss mit $1.233. Euro-Gold konnte sich wieder die 1.000er-Marke zurückerobern.

 

Der US-Dollarindex (USDX) fiel um 0,7 Punkte auf 85,9 Punkte zurück. Mit unveränderten Real-Zinsen von 3,3 Prozent bei den 10-jährigen Treasury Notes fiel der Quotient aus beiden Werten um 0,2 Punkte auf 26,0.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.223,00

(€1.001,39)

$1.229,50

(€1.004,33)

- $6,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.225,00

(€997,40)

$1.223,75

(€999,22)

+ $1,25

COMEX Schlusskurs

$1.233,00

NA

$1.224,00

NA

+ $9,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$18,42

(€15,02)

$18,43

(€15,07)

- $0,01

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.558,00

(€1.267,70)

$1.556,00

NA

+ $2,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$460,00

(€374,29)

$457,00

(€372,60)

+ $3,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

85,9

86,6

- 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,3 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

26,0

26,2

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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