Bericht für den 19. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Null-Bock Politiker

 

Das Spitzenpolitiker-Sterben in der Union nimmt immer bizarrere Ausmaße an. Nun hat auch der Hamburger Erste Bürgermeister Ole von Beust seinen Rücktritt von seinen politischen Ämtern angekündigt. So wie Roland Koch in Hessen saß er eigentlich fest im Sattel. Der SPIEGEL lästert schon über die Null-Bock-CDU und über Merkel ohne Männer. Das Handelsblatt bezeichnet die CDU als amtsmüde.

 

Man verliert so langsam den Überblick, welche Spitzenpolitiker der Union in letzter Zeit freiwillig oder weniger freiwillig ihren Hut genommen haben. Als erster stolperte Dieter Althaus für Thüringen im Herbst 2009 über einen tödlich verlaufenden Skiunfall. Dann nahm Günther Oettinger im Februar 2010 seinen Hut als Ministerpräsident von Baden-Württemberg und wurde als EU-Kommissar mit einem gutdotierten Posten in Brüssel versorgt. Roland Koch verkündete Ende Mai überraschend seinen Rückzug von allen Ämtern. Zuvor wurde Jürgen Rüttgers, das linke Gewissen der Union und selbsternannter Arbeiterführer aus Nordrhein-Westfalen von den Wählern seines Amtes enthoben – die CDU als vierte Linkspartei wollte der Wähler Rüttgers einfach nicht abnehmen.

 

Dem folgte der plötzliche Rücktritt von Horst Köhler vom Amt des Bundespräsidenten. Schließlich einigte man sich in der schwarz-gelben Koalition auf Christian Wulf als den Kandidaten für den vakant gewordenen Posten. Der musste daraufhin seine Position als Ministerpräsident von Niedersachsen aufgeben. Auch ein Versorgungs-Posten.

 

Ole von Beust ist also nun der sechste Ministerpräsident beziehungsweise der siebente Spitzenpolitiker der Union, der seit der Etablierung der neuen Bundesregierung seinen Hut genommen hat. So langsam bleiben gar keine gestandenen Unions-Politiker mehr übrig.

 

Die CDU unter Führung von Angela Merkel wirkt nur noch bedingt regierungsfähig. Ihr fehlen die Köpfe - und die Ideen, charakterisierte das Handelsblatt diese Entwicklung.

 

Es gibt nun folgende Erklärungs-Ansätze für dieses eigentlich für Unionspolitiker unbekannte Verhaltensmuster: Entweder die Betroffenen sind über die praktisch aussichtslose Situation unseres Finanz- und Währungssystems informiert und wollen im Falle des endgültigen Knalls nicht diejenigen sein, die man als erste an der Mauer aufreiht.

 

Oder man ist frustriert, weil man unter Führung von Angela Merkel keine weiteren Entwicklungs-Möglichkeiten mehr für sich sieht. Anstatt von einer kommunalen Veranstaltung zur nächsten zu hechten, will man lieber Verantwortung für das Große übernehmen. Dieser No Future-Frust entlädt sich nun in Massen-Rücktritten.

 

Das Düsseldorfer Handelsblatt sieht das folgendermaßen: Angela Merkel hat die Macht, aber sie zerrinnt unter ihren Händen. Das beherrschende Element ihrer Amtszeit ist die Leere. Es fehlen nicht nur die Führungspersönlichkeiten, es fehlen auch die Ideen, hinter denen sich Gefolgschaft versammeln könnte. Ihre CDU wirkt amtsmüde, zuweilen fast schon ausgebrannt.

 

Eine Reihe von CDU-Spitzenpolitikern hat aus dem Umgang mit Angela Merkel gelernt. Auch sie beginnen jetzt, die Probleme auszusitzen: Mit Amtsverzicht und dem Image des Null-Bock Politikers entziehen sie Angela Merkel gerade das Element ihrer Macht, das sie so übermächtig gemacht hat. Dass Andere immer die Ideenbringer, die Streiter und die Kämpfer für die Union waren. Und sie als Bundeskanzlerin immer für sich den Erfolg dieser Arbeit reklamieren konnte.

 

Denn mit ihren (sieben) Politik-Zwergen vom Range eines Roland Profalla, einer Annette Schavan, eines Thomas de Maiziere, eines Volker Kauder, eines Herrman Gröhe, eines Norbert Röttgen oder einer Ursula von der Leyen ist sie noch nicht einmal in der Lage, zweitklassige Politik zu machen. Wie sich ein Unrechtsstaat mit seinem Apparatschik vor den Bürgern schützen möchte, so schützt die im vorauseilenden Gehorsam agierende Merkel-Schutztruppe ihre Chefin vor der eigenen Partei. Aber in beiden Fällen erbringt diese Gruppe keine Leistung oder Mehrwert für die Gesellschaft beziehungsweise Union selbst. Sie ist – neudeutsch gesprochen – reiner Overhead.

 

Die CDU ist nicht amtsmüde – aber sie ist müde, sich für die Politik zu engagieren, solange Angela Merkel an der Macht ist. Null Bock auf Merkel – das zeichnet die Politiker-Generation in der CDU aus.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Die EZB Strong-Euro Policy der letzten drei Wochen hat ihre Wirkung am Markt und in den Medien nicht verfehlt. Plötzlich wird wieder negativ über den US-Dollar berichtet und auf die kräftigen Kurszuwächse des Euros hingewiesen. Und auch die Griechenland-Misere scheint aus der Presse verschwunden zu sein. Einige Euro-Südstaaten konnten ihre Staatsanleihen angeblich ohne Probleme am Markt platzieren.

 

Sind die Probleme damit gelöst? Natürlich nicht – aber price action makes market commentary. Die Markt-Psychologie durch Eingriffe beeinflussen – das ist das vielfach bewährte Rezept der Papiergeld-Sozialisten aus den Quartieren der Notenbanken.

 

Lassen wir einmal die Kursentwicklung von Euro-Gold der letzten drei Wochen Revue passieren. Da ist Gold bei einem Stand von EUR 1.019,26 am 25. Juni (P.M. Fix) auf zuletzt EUR 917,70 gesunken. Ein Rückgang von EUR 101,56 oder zehn Prozent. Inzwischen kann man die gängigen Bullionmünzen wieder für unter 1.000 Euro kaufen. Kurzzeitig sahen wir vor einigen Wochen bereits Retail-Kurse um die 1.100 Euro.

 

Dass dieser Rückgang zum großen Teil von dem starken Euro getragen wird, kann man anhand eines Kursvergleichs in US-Dollar nachvollziehen. Da ist Gold nämlich nur um $64,75 von $1.254,00 am 25. Juni gefallen. Der Rückgang war hier mit fünf Prozent viel moderater als der Einbruch um zehn Prozent beim Euro-Gold.

 

Wir erinnern uns: Die EZB hat zur Rettung ihrer Binnen-Währung die Märkte mit Gold-Barren überflutet, was sich besonders eindrucksvoll zu den intraday Marken zeigte, an denen der physische Handel seine jeweiligen Höhepunkte hat. Die zweite Maßnahme: Das Rettungsnetz innerhalb der aus der FED, der EZB, der BoJ und der BoE bestehenden Vierer-Bande. In diesem Verbund können die jeweils anderen Parteien eine in Not geratene Währung immer dadurch (wieder) retten, indem sie mit Hilfe der elektronischen Notenpresse ihre eigene Währung am Markt gegen die zu rettende Währung verkaufen. Mit dieser Maßnahme kann man an den Devisen-Märkten dann beispielsweise den Euro mit Hilfe der FED und BoJ heben. Die am Markt auf einen weiter sinkenden Euro-Kurs spekulierenden Teilnehmer werden so auf dem falschen Fuß erwischt und müssen ihre Euro-Shortpositionen nun zu erhöhten Einkaufspreisen am Devisenmarkt zurückkaufen. Das erzeugt einen zusätzlichen Nachfrageschub an Euros, was wir an den zeitweise stark steigenden Euro-Notierungen beobachten konnten.

 

Es ist wichtig zu verstehen, dass eine reine Rettung durch Devisen-Geschäfte nicht ausreichend gewesen wäre, um die kritische Situation des Euros wieder unter Kontrolle bringen zu können. Hier können die Notenbanken im Prinzip – nehmen wir einmal die Carry-Trades aus – den Umtauschkurs von einer Papier-Währung zu einer anderen Papier-Währung beeinflussen. Bestände weiterhin eine kräftige Nachfrage nach Gold, dann würde zwar der Euro-Goldpreis nicht oder nur moderat steigen. Aber in US-Dollar hätten wir wegen der Flutung der Devisen-Märkte mit frisch gedruckten Dollar-Noten wohl einen kräftigen Goldpreis-Anstieg – auf Basis von $1.250 mit fünf Prozent Euro-zu-Dollar Anstieg wären das dann wohl Goldpreise jenseits der Marke von $1.300 gewesen – erleben dürfen. Das hätte dann aber wegen der Dominanz des Dollars für den Goldmarkt einen neuen Nachfrage-Schub geschaffen.

 

Also blieb nur die Möglichkeit, Gold parallel zu den Aktionen am Devisenmarkt durch Abverkauf physischer Lagerbestände der Notenbanken unter Kontrolle zu halten. Dadurch wurde dem Markt suggeriert, dass es sich um eine Euro-Stärke handele und nicht nur um eine Rettungs-Aktion der Notenbanken.

 

Man sieht: Gold ist nicht nur eine Investment-Alternative zu den Anlagen in den jeweiligen Papier-Währungen. Nein – Gold ist der Feind.

 

Wie startete der Feind nun in die neue Woche? Im asiatischen Handel konnte sich Gold noch oberhalb der Marke von $1.190 halten. Man erkannte aber, dass die Preis-Drückung vom Freitag wohl heute fortgesetzt werden würde. Halb gedrückt ist eben nur herausgeschmissenes Gold, das von den Investoren praktisch nicht rückholbar ist.

 

Mit Beginn des Londoner Vormittags-Handels kam dann zunehmens Druck auf das gelbe Metall auf. Der A.M. Fix kam mit $1.190,25 (EUR 919,47) nur noch knapp oberhalb der $1.190er-Marke zustande.

 

Mit Beginn des Handels an der COMEX ging es dann in stetigen Schritten bis zum P.M. Fix mit Gold südwärts. Erst bei $1.180 war heute nach unten hin Schluss. Der P.M. Fix mit $1.181,00 (EUR 910,63) kam nahe dieser Marke zustande. Der stetige Kursrückgang sowie der Tages-Tiefstpreis zum P.M. Fix deuten ohne jegliche Zweifel auf Interventionen einer (oder mehrerer) Notenbanken hin.

 

Zum COMEX-Schluss konnte sich Gold nur unwesentlich auf $1.181.80 (EUR 913,00) befestigen. Silber zeigte sich im heutigen Handelsverlauf als besonders anfällig für die Preis-Drückung. Das weiße Metall bekommt bei einer Gold-Preisdrückung immer gerne eine besonders kräftige Preisdrückungs-Packung verabreicht.

 

Die beiden anderen weißen Edelmetalle tendierten wie Gold und Silber schwächer, wobei das insbesondere dem Palladium schwer zu schaffen machte.

 

Der US-Dollar Index (USDX) gab heute um weitere 0,2 Punkte auf 82,5 nach. Die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes stiegen heute wieder leicht auf 3,0 Prozent an. Die Bond-Märkte scheinen die Notenbanken wieder unter ihre Kontrolle gebracht zu haben.

 

Wie geht es nun mit Gold & Co weiter. Solange die Flutung des Marktes mit physischem Material anhält, ist ein weiterer Preisrückgang wahrscheinlich. Insbesondere weil sich viele Akteure im Urlaub befinden. Vor spekulativen Short-Geschäften sei trotzdem abzuraten, da die massive Drückung der letzten Wochen wohl in einer bevorstehenden negativen Nachricht zu suchen sei wird. Entweder es kommt zu massiven Problemen innerhalb eines Währungsraumes, für die man Gold vorsorglich drücken musste. Oder die wieder durch das Auslaufen von staatlichen Stimulus-Programmen erlahmende Konjunktur muss mit neuen massiven Quantitative Easing Maßnahmen der Notenbanken gestützt werden. Aus der Richtung der FED gibt es ja bereits entsprechende Nachrichten. 

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.190,25

(€919,47)

$1.204,75

(€928,80)

- $14,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.181,00

(€910,63)

$1.189,25

(€917,70)

- $8,25

COMEX Schlusskurs

$1.181,80

(€913,00)

$1.188,20

NA

- $6,40

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,78

(€13,72)

$18,25

(€14,08)

- $0,47

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.499,00

(€1.157,55)

$1.512,00

(€1.165,75)

- $13,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$447,00

(€345,15)

$456,00

(€351,60)

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,5

82,7

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

2,9 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

27,5

28,5

- 1,0

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
ziemann@bullionaer.de

 

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