Bericht für den 22. Juli 2010

 

Gold & Gesellschaft: Flammen über (Fern-)Ost

 

Die Finanzkrise läuft ab wie ein Buschfeuer – sie breitet sich rasend schnell aus. Und manchmal wundert man sich, an welchen Stellen erneute Ausbrüche zu verzeichnen sind.

 

Besonders von dieser Krise betroffen ist der Osten Europas. Diese lange Zeit als Wirtschafts-Wunderländer bezeichneten Staaten haben vielfach nur mit westlichem Kredit eine Konsum-Infrastruktur aufgebaut, so wie wir sie sonst nur von den Vereinigten Staaten und einigen Südländern der Euro-Zone her kennen. Besonders schwer betroffen sind hier neben den baltischen Staaten und der Ukraine auch Ungarn.

 

In dieses Land lief aufgrund der Expansions-Gelüste der österreichischen Banken besonders viel Westknete – meist in Form von direkten oder indirekten Konsumenten-Krediten. Da Ungarn selbst keine wesentliche industrielle Infrastruktur besitzt und damit nicht in den Rang eines Netto-Exporteurs seinen Konsum selbsttragend finanzieren kann, sind Probleme in der Zukunft so sicher wie das Amen in der Kirche.

 

Hinzu kommt, dass sich viele Ungarn mit endfälligen Krediten auf Schweizer Franken lautend, für ihr Eigenheim verschuldet haben. Das versprach zwar seinerzeit niedrigere Zins-Belastungen als bei Krediten in der lokalen Währung Forint oder des Euros. Aber mit der Krise des Euros kam es zu einer massiven Fluchtbewegung insbesondere in den Schweizer Franken. Aus Euro-Kursen von um die 1,60 CHF sind inzwischen Kurse nahe der Marke von 1,30 CHF geworden. Und das auch nur deshalb, weil die Schweizer Notenbank SNB im Umfang von hundert Milliarden Euro den Schweizer Franken vor einer noch massiveren Aufwertung bewahrt hatte. Den Effekt dieses gegen die Marktentwicklung ausgerichteten Vorgehens der Notenbanker kann man an ihrer Bilanz ablesen: Über zehn Milliarden Franken verlor die SNB bislang aus diesen Geschäften.

 

Also knapp 20 Prozent haben die ungarischen Schuldner durch die Abwertung des Euros verloren. Das sind aber auch laufende Zins- und Tilgungsbelastungen, die nun 20 Prozent über den ursprünglich geplanten Werten liegen. Wer sich einmal mit den üblicherweise sehr eng gerechneten Immobilien-Finanzierungen auskennt, der weiß, welches Ungemach über die Kredit-Sklaven nun einbrechen wird beziehungsweise bereits eingebrochen ist.

 

Aber diese Franken-Kredite sind nur ein kleiner Teil der Probleme, die Ungarn zu lösen hat. Das Land hängt sowieso schon seit einiger Zeit am Tropf des Internationalen Währungsfonds IWF und wird durch europäische Notkredite vor dem finanziellen Kollaps bewahrt. Der Grund sind hierbei die wackeligen österreichischen Banken, die bereitwillig das Land mit Krediten überschwemmt hatten. Werden diese notleidend, dann steht auch das österreichische Banken-System vor dem aus.

 

Sie erinnern sich sicherlich noch an die Periode vor über einem Jahr, als die Kreditausfall-Versicherungen und die Real-Renditen für österreichische Staatsanleihen in die Höhe schnellten. Das Ost-Engagement der Banken Österreichs war dafür der Grund. Seinerzeit konnte man die EU-Partnerländer und den IWF zu Notkrediten für Ungarn überreden und so die kritische Situation erst einmal überwinden.

 

Nun bricht die Ungarn-Krise erneut los und die neue Regierung scheint nicht willens zu sein, die Forderungen des IWF zu erfüllen. So wurden weitere Hilfszahlungen dieser internationalen Finanz-Feuerwehr, die durch Darlehen und Beiträgen im Wesentlichen der westlichen Länder finanziert wird, erst einmal auf Eis gelegt.

 

Versuchen die Ungarn die gleiche Erpressungs-Methode, mit denen die Griechen letztendlich doch gegen Merkel & Co erfolgreich waren? Es sieht so aus.

 

Die Financial Times Deutschland umschrieb Ungarns Problematik mit den Worten: Die Wirtschaft des Landes steht vor dem Kollaps, dem Staat geht das Geld aus. Trotzdem weigert sich die Regierung zu sparen. Stattdessen legt sie sich mit dem IWF an und schürt nationale Ressentiments. Die Demokratie ist in Gefahr.

 

Die Flammen über den uns durch lange Jahre kommunistischer Herrschaft fernen Osten, der durch die Verflechtungen der Finanz-Industrie doch nun ganz nah kommt, sind beileibe noch längst nicht erloschen.

 

Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten

 

Bloomberg-Schlagzeilen von heute: Purchases of U.S. Existing Homes Fell in June  & Index of U.S. Leading Economic Indicators Fell 0.2%. Schlechte Nachrichten, so würde man vermuten. Der Dow Jones Aktienindex steigt heute trotzdem um 200 Punkte.

 

Hier sieht man wieder einmal, dass die Finanz-Märkte überhaupt nicht mehr von den Nachrichten der Real-Wirtschaft gelenkt werden, sondern nur noch von den Liquiditäts-Spielchen der Notenbanken und ihrer Helfershelfern, den Banken.

 

Gestern hatte das Gold-Kartell im späten Access Handel den Goldpreis knapp sechs Dollar auf $1.186,10 heruntergeprügelt. Diese Plan C Aktionen wurden in der Vergangenheit als Vorbereitung für eine auf den nächsten Tag folgende kräftige Goldpreis-Drückung durchgeführt. Aber zur Überraschung der Marktteilnehmer blieb diese Drückung heute aus.

 

Vielmehr geriet der US-Dollar heute in Turbulenzen, die insbesondere zu einem kräftigen Anstieg des Euros führten. Im asiatischen Handel heute früh spürte man davon aber noch nicht viel: Gold startete den Tag auf dem Schluss-Niveau in New York und bewegte sich im Handelsverlauf kaum.

 

Zum Londoner Vormittags-Handel ging es dann aber wieder leicht aufwärts. Der A.M. Fix mit $1.187,00 (EUR 925,54) war jedoch nicht signifikant höher als der gestrige New Yorker Schlussstand. Im Tagesvergleich verlor das gelbe Metall vier Dollar.

 

Zum Nachmittag und im Vorfeld des beginnenden Handels an der COMEX ging es für Gold wieder leicht nach oben. Auch die erste Stunde des COMEX-Marktes verlief ruhig. Mit dem verfallenden US-Dollar stieg Gold dann plötzlich im Vorfeld des P.M. Fix um $15 nach oben. Der P.M. Fix kam mit $1.199,50 (EUR 930,42) sehr knapp unterhalb der Marke von $1.200 zustande.

 

Dieser Enthusiasmus beim Gold gefiel dem Kartell überhaupt nicht und so war man damit beschäftigt, den Goldpreis unterhalb der Marke von $1.200 zu halten.

 

Das gelang schließlich, so dass Gold mit $1.196,10 (EUR 928,07) knapp vier Dollar höher als zum gestrigen COMEX-Schlusskurs aus dem Markt ging.

 

Der US-Dollarindex (USDX) sank kräftig um 0,7 Punkte auf 82,6. Besonders kräftig zog der Euro mit einem Plus von 1,2 Prozent gegen den US-Dollar an. Wer den Euro-Goldkurs im Blickfeld hat, der sieht die heutige Preisentwicklung eher mit einem weinenden Auge.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.187,00

(€925,54)

$1.191,25

(€926,61)

- $4,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.199,50

(€930,42)

$1.191,50

(€930,50)

+ $8,00

COMEX Schlusskurs

$1.196,10

(€928,07)

$1.192,60

(€931,00)

+ $3,50

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$17,82

(€13,86)

$17,88

(€13,97)

- $0,06

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.519,00

(€1.180,70)

$1.524,00

(€1.188,75)

- $5,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$453,00

(€352,10)

$453,00

(€353,35)

unverändert

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

82,6

83,3

- 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

2,9 %

2,9 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

28,5

28,7

- 0,2

 

Über Ziemanns Gold News

Ziemanns Gold News, bislang unter Walter Eichelburgs hartgeld.com täglich publiziert, werden seit Ende August 2009 unter bullionaer.de veröffentlicht.
Er ist erreichbar unter:
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