Bericht für den 11. Oktober 2010

 

Euro-Gold zieht nach

 

Der seit zwei Wochen von einem (US-Dollar) Hoch zum nächsten eilende Gold-Preis hat eine Gruppe von Investoren links liegen lassen: Die der Euro-Gold Besitzer. Denn deren gelbes Investment-Metall dümpelt die letzten Wochen relativ lustlos zwischen 960 und 970 Euro herum. Wäre der Euro die Weltleitwährung – niemand würde über Gold nur eine Nachrichtenzeile verschwenden wollen.

 

Aber auch für die Europäer kommt die Zeit der Ernte – und in den letzten 12 Monaten ist diese beim Gold sogar noch viel reichlicher ausgefallen als für die Gold-Besitzer im Dollar-Raum. Derzeit treiben nämlich die Vereinigten Staaten im Vorfeld der IWF-Tagung mit ihrem künstlich gesenkten Dollar Währungs- und vor allen Dingen Wirtschaft-Politik.

 

Da wird lauthals über QE2 diskutiert, die Japaner als währungspolitisches Versuchs-Kaninchen der Amerikaner schwächen schon einmal vorab ihre Währung, um den Effekt an den internationalen Finanz-Märkten auszutesten.

 

Und vor allen Dingen soll China unter Druck gesetzt werden. So paradox das auch klingen mag, nicht die USA haben mit ihren riesigen Schulden in China ein Problem ... Denn die Geschichte lehrt uns, dass es für den Gläubiger ungemütlich werden kann, wenn der Schuldner mit dem Rücken zur Wand steht. Da wurden schon zur Römerzeit die Gläubiger des Staates für vogelfrei erklärt und dem mordenden Mob zum Abschlachten überlassen.

 

Letztendlich ist der US-Dollar keine Weltwährung mehr, wie er 1944 mit Bretton Woods durch die freie Konvertierbarkeit in Gold aufgesetzt worden ist. Der Dollar ist im Extremfall nur eine nationale Währung der Vereinigten Staaten. Dort und nur dort kann man etwas kaufen. Und auch wenn die Chinesen plötzlich auf die Idee kommen sollten, US-Unternehmen, Immobilien oder andere handfeste Werte in den USA mit ihren Dollar-Reserven kaufen zu wollen, dann wird der Kongress das mit Argusaugen beobachten und wohl die Ausverkaufs-Bremse ziehen. Da bleibt den Chinesen nur noch der Bezug von US-Lebensmittel und Industrie-Produkten.

 

Letztendlich haben China & Co, aber auch Japan und Deutschland das gleiche Problem: Sie produzieren mit ihren Industrien eine gewaltige Überhang-Menge an Konsum- und Investitions-Produkten für Länder wie die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die PIIGS.

 

Heutzutage erklärt man den Gläubiger für vogelfrei, in dem man seinen Binnenmarkt vor Importen aus dem Ausland schützt. Und seine Währung künstlich verwässert. Das könnte man mit Import-Zöllen bewerkstelligen – Bürokraten finden immer einen Weg, solche Abgaben zu begründen. Oder man könnte die Zollbehörden intensiv die ankommenden Waren untersuchen lassen – da es zu wenige Zöllner gibt, bleibt der Überhang dann einfach liegen. Die dritte Möglichkeit ist, den Verstoß regulatorischer Vorschriften zum Anlass für ein Importverbot heranzuziehen. Das reicht über Gesundheits-Gefahren bis hin zur menschenunwürdigen Ausbeutung durch Kinderarbeit.

 

Der Vorgänger der WTO (World Trade Organisation) war das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT. Das sah zwar auch sogenannte Anti-Diskriminierungsregeln vor, wie beispielsweise das Verbot einer mengenmäßigen Beschränkung bei Importen und Exporten. Aber da gibt es den Artikel XII, der Beschränkungen zum Schutz der Zahlungsbilanz vorsieht. Wenn das für die USA nicht anwendbar sein sollte, was denn sonst.

 

Oder Artikel XIX, der Notstandmaßnahmen bei der Einfuhr bestimmter Waren vorsieht, um zu verhindern, dass inländischen Erzeugern ernsthafter Schaden zugeführt wird. Wenn die US-Automobilindustrie nicht durch asiatische Importe praktisch pulverisiert wurde, wer denn sonst?

 

Ob die WTO im Konfliktfall wirklich den freien Welthandel zum Primat ihrer Politik machen wird, darf bezweifelt werden. Denn an deren Spitze sitzt Pascal Lamy, einer der vielen ENA-Absolventen (unter anderem die Elite der französischen Staatführung wie Jacques Chirac, Louis GalloisEADS, Valerie Giscard d’Estaing, Lionel Jospin, Alain Juppe, Segolene Royal, Dominique de Villepin) der französischen Elite-Verwaltungsschule. Dort kommen übrigens auch der EZB-Chef Trichet und der geschäftsführende Direktor des IWF, Strauß-Kahn her. Im Konfliktfall wird man hier französisch etatistisch agieren und nicht im Sinne des freien Welthandels.

 

Aber kommen wir zurück zum Euro-Gold: Das ist nämlich im Verlauf des heutigen Tages trotz relativ starken US-Dollars überproportional gestiegen. Um 21:30 Uhr MEZ konnte Gold knapp fünf Dollar zulegen, der Anstieg in Euro betrug jedoch umgerechnet elf Dollar.

 

Ein weiterer Vorteil: Das Gold Kartell hat nur den US-Dollarpreis des gelben Metalls im Fokus. Wenn also beispielsweise der Euro gegenüber dem US-Dollar abwerten sollte – und aus Sicht der Fundamentaldaten des Euro-Finanzraums ist das mehr als wahrscheinlich – dann könnte Gold in den nächsten Wochen in Euro bewertet kräftige Zuwächse verzeichnen, ohne dass weitere Rekordmarken in US-Dollar vor der Tür stehen müssen. Jeder, der auf einen Goldpreis-Rückschlag in US-Dollars hofft, mag trotz dieses Ereignisses feststellen, dass er den kürzlich bezahlten Euro-Goldpreis von unterhalb €960 nicht mehr erzielen kann.

 

Der heutige Goldtag war geprägt von dem stärkeren US-Dollar. Am frühen Vormittag ging es bei einem praktisch unveränderten US-Dollarindex (USDX) mit Gold noch kräftig nach oben: Preise jenseits der Marke von $1.350 wurden bezahlt. Im Vorfeld der Eröffnung des Vormittags-Handels in London wurde das gelbe Metall dann jedoch wieder unter diese Marke gedrückt.  

 

Der A.M. Fix kam mit $1.348,50 (EUR 967,29) zustande. Mit diesen Kursen ging es bis zur Eröffnung der New Yorker COMEX weiter. Dann geriet Gold jedoch erneut unter Druck und wurde bis auf $1.342 gedrückt.

 

Dieses niedrige Niveau konnte jedoch nicht gehalten werden, was man an dem mit $1.351,50 (EUR 969,72) dann plötzlichen heraufschnellenden P.M. Fix erkennen konnte. Im Anschluss konnte man Gold zwar wieder kurzzeitig unter die Marke von $1.350 drücken. Danach erholte sich das gelbe Metall trotz des erstärkten Dollars stetig. Den Tages-Höchststand von $1.354 markierte der COMEX-Schlusskurs.

 

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.348,50

(€967,29)

$1.330,50

(€956,58)

+ $18,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.351,50

(€969,72)

$1.341,50

(€961,99)

+ $10,00

COMEX Schlusskurs

$1.354,00

NA

$1.344,00

NA

+ $10,00

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$23,31

(€16,73)

$22,37

(€16,12)

+ $0,94

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.686,00

(€1.209,45)

$1.683,00

(€1.213,40)

+ $3,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$584,00

(€418,95)

$572,00

(€412,40)

+ $12,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

77,5

77,4

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

2,4 %

2,4 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

32,3

32,3

unverändert

 

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