Bericht für den 5. November 2010

 

Gold trotz US-Arbeitsmarktzahlen gestiegen

 

Das war eine herbe Enttäuschung für diejenigen, die mit der Verkündung der US-Arbeitsmarktzahlen für den Monat Oktober einen kräftigen Goldpreis-Einbruch erwartet hatten. Zum ersten kam dieser nicht – siehe die Entwicklung der Edelmetall-Preise in der untenstehenden Markt-Übersicht. Und zum zweiten stieg auch noch der US-Dollar kräftig gegen den Euro an. Und das trotz der mittwochabends verkündeten QE2-Maßnahmen der FED.

 

Die Folge: Sowohl Gold als auch Silber legten am Freitag in Euro gemessen kräftig zu. Zeitweise musste man sogar den Bruch der 1.000 Euro-Marke befürchten. Das wären dann Kurse, wie wir sie zuletzt zur Euro-Krise im Mai dieses Jahres gesehen hatten.

 

Das konnte man auch am Verhalten der Besucher auf der am Freitag und Samstag stattgefundenen Edelmetall-Messe in München beobachten. Während man am Freitag Vormittag noch relative Zurückhaltung beobachten konnte und ein Raunen durch die Masse ging – mit Kommentaren wie: bei Höchstkursen kaufe ich nicht – brachen am Nachmittag plötzlich alle Dämme. Dort wurden dann natürlich auch die Verkaufs-Preise entsprechend dem Markt-Niveau nach oben angepasst.

 

Im späten Access Handel am Donnerstag gingen nämlich die Kurse für Gold & Co weiter hoch. Während zum COMEX-Schuss für Gold noch knapp $1.383 bezahlt werden musste, lag der Kurs zu Ende des New Yorker Handels mit $1.393 noch einmal zehn Dollar höher. Im frühen asiatischen Handel am Freitag wurde dieses Niveau zwar bestätigt, aber im Londoner Vormittags-Handel ging es dann stetig wieder abwärts in Richtung des COMEX-Schlusskurses vom Donnerstag. Der A.M. Fix kam mit $1.384,25 (EUR 978,06) zustande – ein 24-Stundengewinn von $23.

 

Mit Eröffnung der New Yorker COMEX ging es dann etwas abwärts – insbesondere nach Verkündung der besser als erwarteten Daten vom US-Arbeitsmarkt. Aber dieser Rückgang unter die Marke von $1.380 hielt nicht lange und Gold setzte erneut zu einer Rallye an. Gleichzeitig stieg noch der US-Dollar kräftig gegen den Euro, so dass Euro-Gold überproportional von dieser Entwicklung profitieren konnte.

 

Gegen 16:00 Uhr zum Londoner P.M. Fix stand Gold dann bei $1.395,50 (EUR 990,28) nur noch wenige Dollar entfernt von der $1.400er-Marke. Auch Euro-Gold konnte auf 24-Stundenbasis über zwanzig Euro zulegen.

 

In den letzten Handels-Stunden der COMEX konnte sich Gold noch etwas näher an die Marke von $1.400 heranarbeiten: $1.397,30 lautete der Schlusskurs. Im späten Access Handel musste Gold aber noch wenige Dollar abgeben und schloss die Woche mit $1.394,10 (EUR 992,67).

 

Silber beschloss die Woche mit $26,76 beziehungsweise 19,05 Euro.

 

Aufmerksamen Beobachter des Gold-Marktes ist in dieser Woche sicherlich aufgefallen, dass die Preisausschläge eine Stunde früher als gewohnt zustande gekommen sind. Das liegt an dem derzeitigen Zeitunterschied zwischen der Zeit der US-Ostküste (Eastern Standard Time) und Zentral-Europa (Central European Time). Da die USA erst dieses Wochenende auf Winterzeit umstellen, haben wir derzeit nur einen Zeitunterschied von fünf anstatt von sechs Stunden. Das heißt die COMEX eröffnete diese Woche schon um 13:20 Uhr MEZ. Und die US-Arbeitsmarktzahlen wurden bereits um 13:30 Uhr MEZ verkündet.

 

Die derzeitige Euphorie beim Silber konnte auch auf der Münchner Messe beobachtet werden. Auf den ersten Blick sieht Silber als der derzeitige Favorit aus: In US-Dollar ist Silber die letzten 30 Tage um gut 15 Prozent angestiegen – auf Jahresbasis sogar um knappe 54 Prozent. Bei Gold betrug der Zuwachs lediglich 3,3 Prozent und im Jahr 28 Prozent.

 

Aber man muss immer vorsichtig sein, um nicht den Gewinn des einen Metalls gegen den des anderen Metalls durch Wahl eines beliebigen Zeitintervalls künstlich zu verklären. Betrachten wir deshalb die Kurse der beiden Metalle aus Sicht des Mai 2005 – das war der Zeitpunkt, wo die Gold-Hausse auch in Euro gemessen begann.

 

Gold stand am 3. Mai 2005 bei $429,15 (EUR 332,09) zum Londoner P.M. Fix.

 

Silber stand am gleichen Tag in London bei $6,85 (EUR 5,33).

 

In US-Dollar stieg Gold bis heute um $966,25 oder 225 Prozent.

 

Silber stieg im selben Zeitintervall um $19,29 oder 282 Prozent.

 

Das ist zwar eine bessere Rendite für Silber-Investoren, aber so viel größer ist die Rendite des kleinen Bruders von Gold dann auf längere Sicht auch nicht. Dafür war der Stress der Silber-Investoren insbesondere im Herbst 2008 um so höher: Dort stand Silber am 24. Oktober nur noch bei $8,88, während es am 17. März 2008 noch bei $20,92 lag. Die Goldpreise zu diesen beiden Zeitpunkten lagen bei $712,50 (24. Oktober – P.M. Fix) und  $1.011,25 (17. März – P.M. Fix).

 

Gold hat die im Rahmen der Lehman-Krise vom September 2008 ausgelöste deflationäre Entwicklung weit besser wegstecken können als Silber. Silber scheint sich dagegen in einem starkinflationären Umfeld besser zu entwickeln als Gold.

 

Obwohl es im derzeitigen Umfeld von Quantitative Easing unwahrscheinlich ist, dass sich eine Lehman Brothers Krise wiederholen würde, ist es dennoch nicht ganz ausgeschlossen. Verschiedenen Notenbanken – wie beispielsweise die Peoples Bank of China (PBoC) – haben in der Vergangenheit schon einige Mal mit dem Deflations-Feuer gezündelt. Bedenkt man dann noch, dass sich in China ein ähnliches Schattenbanken-System aufgebaut hat wie vor 2008 in den westlichen Staaten, dann ist ein deflationärer Schock nicht völlig auszuschließen. Wir erinnern uns: Mit Bear Stearns im Frühjahr und Lehman Brothers im Herbst 2008 ist das westliche Schattenbanken-System in Gänze zusammengebrochen. Es konnte (und es wird wohl auch auf absehbare Zeit) nicht reetabliert werden.

 

Gold braucht man nicht mit tief liegenden Put Optionsscheinen gegen eine Deflation abzusichern, denn Gold ist die ultimative deflationssichere Anlage-Klasse schlechthin. Das heißt nicht, dass es in einem solchen Umfeld nicht sinken könnte, weil sich bestimmte Gold-Besitzer von einem Teil ihres Investments zwecks Erfüllung von Margin Calls bei anderen gehebelten Anlageklassen trennen müssen. Aber es besteht nicht die Gefahr eines Einbruchs von über 50 Prozent, die wir beim Silber erleben durften.

 

Deshalb gehören auch beide Metalle ins Portfolio. Wer das Deflations-Szenario als sehr unwahrscheinlich ansieht, kann Silber gegen Gold übergewichten. Und umgekehrt kann man Gold gegen Silber bevorzugen, um sich gegenüber des Deflations-Risikos besser zu versichern. Letztendlich hängt das vom persönlichen Investment-Hintergrund ab und man muss einfach feststellen, dass beide Gruppen von Investoren tendenziell richtig liegen werden. Gold sollte aber nach meiner Auffassung mindestens 50 Prozent des Edelmetall-Portfolios ausmachen; als Formel: Gold = 50% + x und Silber = 50% - x (mit 0% <= x <= 50%).

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.384,25

(€978,06)

$1.361,00

(€55,62)

+ $23,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.395,50

(€990,28)

$1.381,00

(€968,44)

+ $14,50

COMEX Schlusskurs

$1.397,30

NA

$1.382,70

NA

+ $14,60

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$26,14

(€18,51)

$25,38

(€17,79)

+ $0,76

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.764,00

(€1.252,85)

$1.740,00

(€1.219,35)

+ $24,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$687,00

(€487,95)

$668,00

(€468,10)

+ $19,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,6

75,9

+ 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

2,5 %

2,5 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

30,6

30,4

+ 0,2

 

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