Bericht für den 12. November 2010

 

G20 – Alles wird gut

 

DER SPIEGEL heute: Angela Merkel sagt am Freitag das, was man so sagt nach einem Gipfeltreffen: "Der Gemeinschaftsgeist hat gesiegt." Und: "Wir haben ausführlich darüber gesprochen, wie wir ein nachhaltiges, ausbalanciertes, beständiges Wachstum schaffen können." Und weiter heißt es dort: Auch war klar, dass US-Präsident Barack Obama sich kaum damit durchsetzen würde, die Exportüberschüsse von Deutschland, China und Japan zu beschränken.

 

Deutschland, neben Japan und China in der Rolle der Oberbesitzstands-Bewahrer der Welt. Es klingt schon ein bisschen ironisch, dass gerade diejenigen Nationen mit massiven Exportüberschüssen am stärksten das kranke Währungssystem in seiner bisherigen Form erhalten wollen, deren Arbeiter und Angestellte am stärksten um den Lohn ihrer geleisteten Arbeit durch Anlageformen in Papierinstrumenten betrogen werden, deren Gelder de facto in den Konsum der Vereinigten Staaten, Großbritannien, Griechenland & Co geflossen sind.

 

Dementsprechend positionieren sich diese drei Länder nun an den internationalen Finanzmärkten: Sie spiegeln den Investoren die schöne heile Welt des angeblich gesunden Papiergeld-Systems vor. Deshalb ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass die heutige Breitband-Drückung an den Märkten in Asien begann – Gold & Co ist der Feind einer Export-Hegemoniepolitik von China, Japan und Deutschland. Und von diesen drei Staaten ist bekannt, dass sie über die entsprechenden Mittel verfügen, um Einfluss auf die Märkte ausüben zu können.

 

So wurde Gold im asiatischen Markt heute früh um $20 bis $30 gedrückt. Die beiden physischen Marken im Londoner Handel führten zwar zu keiner zusätzlichen Drückung. Aber der dezimierte Goldkurs hätte eigentlich zu einer kräftigen physischen Nachfrage führen müssen. Hat er vielleicht auch – aber man hat entsprechend dagegengehalten.

 

Was dann geschah, war im reinen COMEX-Handel eigentlich vorherzusehen: Man hat durch den Verkauf vieler Future-Positionen den Edelmetallen noch zusätzlich kräftig zugesetzt. Im Tagesverlauf verlor Gold über $40.

 

Dem aufmerksamen Beobachter ist sicherlich aufgefallen, dass praktisch alle Asset-Klassen betroffen waren. Insbesondere das deflationssensible Silber musste besonders leiden: Es fiel praktisch doppelt so stark wie das eher träge Gold.

 

Aber, wehe, wehe, wehe! Wenn ich auf das Ende sehe!

 

Die deutsche Aufschwungs-Propaganda, die nur aus Sicht der System-Presse angeblich bei den Arbeitern und Arbeitnehmern angekommen ist, steckt genau in der gleichen Sackgasse wie die chinesische Industrie-Expansionspolitik: In einem naiven Glauben an die Allseeligkeit der Exportwirtschaft.

 

Dabei wären in einem auf einen Goldstandard basierenden internationalen Währungssystem solche eklatanten Leistungsbilanz-Überschüsse gar nicht möglich, weil das Gold der Defizitnationen innerhalb kürzester Zeit abfließen würde und damit der Import mangels Zahlungsfähigkeit zum Erliegen kommen würde. Denn wenn sich die USA einfach keine Mercedes- oder BMW-Fahrzeuge mangels Gold mehr leisten könnten, dann müssten sie zwangsläufig auf die Produkte aus ihrem eigenen Land ausweichen. Es sei denn, ein anderer US-Industriesektor erwirtschaftet genug Gold, um dies zu ermöglichen.

 

Wir müssen einfach wieder lernen, die fundamentalen Regeln des Welthandels zu würdigen: Jede Nation kann über einen längeren Zeitraum nicht mehr importieren als sie exportiert. Und das gilt natürlich auch in genau der umgekehrten Reihenfolge. Alle pseudo-wissenschaftlichen Thesen, die etwas anderes sagen, sind schlichtweg falsch. Denn sie führen genau zu den Krisen, wie wir sie derzeit sehen – eine Nation, die permanent Netto-Exporteur ist, häuft eben eine Menge von pseudo-Vermögen an, das wie im Fall von Griechenland niemals mehr von dem Schuldner zurückgezahlt werden kann. Die Export-Überschüsse werden somit auf der einen Seite zum Geschenk der deutschen Arbeiter und Arbeitnehmer an den griechischen Staat. Auf der anderen Seite sind es Industrievernichter, die ihre griechischen Kollegen arbeits- und damit mittellos werden lassen.

 

Egal was man uns auch im Nachgang des G20-Gipfels mit einem COMEX-Schlusskurs von Gold mit EUR 1.366,70 (EUR 997,62), der $38,30 unter dem Stand von gestern lag, vorspielen möchte. Das derzeitige Modell ist tot und eine Angela Merkel versündigt sich am deutschen Volk, wenn sie  sich die Objectives der exportorientierten Wirtschafts-Führern zu eigen macht. Denn denen geht es genauso wie den Investment-Bankern um den größtmöglichen persönlichen Vorteil durch hohe Boni-Ausschüttungen. Was später kommt: Who cares?

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.387,00

(€1.013,22)

$1.413,00

(€1.028,38)

+ $11,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.388,50

(€1.010,11)

$1.398,50

(€1.022,97)

+ $8,00

COMEX Schlusskurs

$1.366,70

(€997,62)

$1.405,00

NA

- $38,30

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$26,79

(€19,57)

$27,75

(€20,24)

+ $0,22

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.712,00

(€1.246,00)

$1.754,00

(€1.278,45)

- $14,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$703,00

(€511,65)

$715,00

(€521,15)

+ $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,2

78,2

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

2,7 %

2,7 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

29,0

29,0

unverändert

 

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