Bericht für den 15. November 2010

 

Ist Irland ein deutsches Bankenproblem?

 

Das anglo-amerikanische Wirtschafts-Leitmedium Bloomberg sieht in der derzeitigen Irland-Krise das Lindenblatt des deutschen Banken-Systems. Unter dem Titel Ireland Talks With EU as Germany Pushes It to Take Bailout berichtet Bloomberg heute: Ireland is in talks with European officials about current “market conditions” as Germany pushes it to accept a bailout and help reverse a bond sell-off across the euro-region’s periphery.

 

Waren im Fall Griechenland noch französische Banken in größerem Umfang als deutsche Banken verstrickt, so ist der Fall Irland im Wesentlichen ein deutsches Banken-Problem. Und ganz konkret das Problem einer der größten Vernichter deutschen Steuergelds in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Der Hypo Real-Estate (HRE). Diese Bank ist nämlich über ihre irische Tochter, der Depfa – die Abkürzung bedeutet übrigens Deutsche Pfandbriefbank und war vor den Eskapaden der HRE ein stocksolider rein deutscher Immobilienfinanzierer – auf Gedeih und Verderb mit dem Schicksal des irischen Bankensystems verknüpft.

 

In die HRE sind nämlich seinerzeit bereits knapp acht Milliarden Euro Steuergelder in Form direkter Hilfen geflossen. Würden nun aber die 124 Milliarden Euro zusätzlichen staatlichen Garantien aus dem Finanzmarktstabilisierungsfond (SoFFin) nur zu einem Teil wegen einer Depfa-Rettung schlagend, dann wäre es wohl mit dem Status der deutschen Bundesanleihen als finaler Rettungsanker des Euro-Raums endgültig vorbei.

 

Des deutsche Export-Siegfrieds verwundbare Stelle liegt nämlich in seinem Bankensystem. Das gehört nämlich weltweit zu den am meisten Zerrütteten. Genüsslich stochert Bloomberg in dieser Wunde noch weiter herum: An Irish decision to seek financial help “is a purely political decision on the back of an assessment of the broader risk of the spread levels to economic and financial stabilitysaid Erik Nielsen, chief European economist at Goldman Sachs Group Inc. in London. Das ist ein versteckter Hinweis auf die HRE-Falle, in der sich die Bundesregierung selbst verstrickt hat.

 

Viel interessanter ist jedoch, warum Bloomberg dieses deutsche Problem nun thematisiert. Wahrscheinlich sind die Hintergründe in dem Ergebnis des vergangene Woche in Seoul stattgefundenen G20-Gipfels zu suchen: Hier hat sich Deutschland auf die Seite von China geschlagen und die Vereinigten Staaten brüskiert, die einen langfristigen Abbau der weltweiten Export-Ungleichgewichtete gefordert hatten.

 

In diesem Kontext macht auch die Aussage des Weltbank-Präsidenten Robert Zoellick Sinn, der im internationalen Warenverkehr de facto eine Wiedereinführung des Goldstandard ins Gespräch gebracht hatte. Die WELT AM SONNTAG hat am Wochenende ausführlich interessante Aufsätze und Meinungen zum Goldstandard veröffentlicht. Der Tenor: Ein Goldstandard würde die Staaten weltweit dazu zwingen, einen ausgeglichenen Außenhandel anzustreben. Denn ein Land, das permanent mehr importiert als exportiert, dessen Gold würde abfließen und im Rahmen einer dann folgenden Selbstkorrektur würden sich die Verhältnisse dann wieder einpendeln müssen.

 

Das bestätigt meine These im Bericht vom Freitag, dass nicht die Vereinigten Staaten und ihre Helfershelfer (beispielsweise JP Morgan oder HSBC) ursächlich für die Goldpreis-Drückung am Ende letzter Woche gewesen sind, sondern diejenigen Staaten, die den Status Quo im Welthandel zementieren möchten.

 

Das heutige Geschehen an den Gold-Märkten war geprägt von der Verarbeitung der Ereignisse am letzten Freitag. Dabei kam es weder zu einer signifikanten Erholung, noch setze sich die Abwärtsbewegung vom letzten Freitag fort. Gold schwankte im Tagesverlauf vielmehr in einem relativ engen Spektrum von zehn Dollar. Die Ausschläge in die eine oder andere Richtung waren dabei mit beeinflusst von der Entwicklung des US-Dollars, der heute wegen der Euro-Krise um gute 0,5 Prozent gegen die europäische Währung zulegen konnte.

 

Sowohl der Londoner A.M. Fix ($1.367,00 / €1.002,71) als auch der P.M. Fix ($1.368,50 / €1.004,99) verloren jeweils zwanzig Dollar im Vergleich zu den entsprechenden Kurszeitpunkten am Freitag. Das bestätigt im Prinzip den nachhaltigen Erfolg der Freitags-Drückung.

 

Auch der Schlusskurs an der New Yorker COMEX kam mit $1.369,00 (EUR 1.004,91) in etwa auf diesem Kursniveau zustande. Im Vergleich zum Freitag konnte sich Gold aber leicht um zwei Dollar erholen.

 

Wichtig für die Marktteilnehmer in Europa ist, dass heute beim Gold die Marke von 1.000 Euro hielt.

 

Bemerkenswert war heute noch der Anstieg der Real-Zinsen der 10-jährigen Treasury Notes um 0,1 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent. Dadurch ist der von mir beobachtete Quotient aus dem US-Dollarindex und den Renditen um einen ganzen Punkt auf 28,0 Punkte gefallen. Ein größerer Anstieg ist aber wegen der Entscheidung der FED, für zusätzlich $600 Milliarden US-Staatsanleihen in den nächsten Monaten anzukaufen, nicht zu erwarten.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.367,00

(€1.002,71)

$1.387,00

(€1.013,22)

- $20,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.368,50

(€1.004,99)

$1.388,50

(€1.010,11)

- $20,00

COMEX Schlusskurs

$1.369,00

(€1.004,91)

$1.366,70

(€997,62)

+ $2,30

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$26,01

(€19,10)

$26,79

(€19,57)

- $0,78

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.675,00

(€1.227,10)

$1.712,00

(€1.246,00)

- $37,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$675,00

(€494,50)

$703,00

(€511,65)

- $28,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,5

78,2

+ 0,3

Renditen 10-jährige Treasuries

2,8 %

2,7 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

28,0

29,0

- 1,0

 

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