|
Bericht für den 16. November 2010 Sind Goldstandard und Demokratie
miteinander kompatibel? Da haben wir sie wieder
– unsere alten Probleme. Wo vor wenigen Tagen noch die
Aufschwungs-Propaganda und die Aussichten auf Vollbeschäftigung die
verbreiteten Nachrichten in Presse, Funk und Fernsehen beherrschten, da stellen
wir nach dem G20-Gipfel und vor der Irland-Pleite wieder einmal fest, dass wir
in Wirklichkeit nur einem näher gekommen sind: Nämlich dem Abgrund. In Zeiten wie dieser, wo
Notenbanken und Politiker sich in System-Reparatur üben und der Gold-Preis
tendenziell eher zur Schwäche neigt, möchte ich die Zeit dazu nutzen, Gedanken
zum und um den Goldstandard zu entwickeln. Diese können die Weltwirtschaft
betreffen, wie mein Aufsatz vom letzten Freitag zum Thema Export oder die
Zukunft des deutschen Banken-System, wie ich im gestrigen Bericht zum Thema
Irland-Krise ausgeführt habe. Ich möchte aber auch den
gesellschaftspolitischen Aspekt dieser Diskussion nicht zu kurz kommen lassen.
Deshalb steht der heutige Bericht unter der eher philosophisch erscheinenden
Frage, ob Goldstandard und Demokratie überhaupt nebeneinander existieren
können. Wir haben festgestellt,
dass ein Goldstandard inkompatibel zu dem derzeitigen Weltwirtschafts-System
ist, bei dem eine Reihe von Nationen in großem Ausmaß Netto-Exporteur sind,
während viele andere Nationen ein permanentes Außenhandels-Defizit vorzuweisen
haben. Mit dem Thema Demokratie
habe ich mich in meinem Bericht vom 22. Juli 2009 – nachzulesen unter http://www.hartgeld.com/html2009/Ziemanns-gold-news_2009-07.htm
- das erste Mal beschäftigt. Damals ging es um die Frage, wie man sein Vermögen
vor Enteignung durch ein demokratisch legitimiertes Ansinnen der Regierung in
Sicherheit bringen könnte. Das gipfelte in meiner Schlussfolgerung: Gold ist ein richtiger Spielverderber, ein undemokratischer
Außenseiter eben. Nun hat Edmund Conway im Londoner Telegraph am 8. November ein Essay gegen
den Goldstand unter dem Titel Return to the Gold Standard would be madness
geschrieben, wobei er als Argument gegen den Goldstandard unter anderem
anführte, dass Demokratie und Gold nicht miteinander kompatibel seien: If there were
a major domestic recession, the countries would simply have to suffer it. They would not be
able to cut interest rates to alleviate the pain.
In other words, countries would have to deflate, and suffer the social
pain that goes with this,
if they are
to keep to the Gold Standard
in times of economic
stress. This may have worked well in the 19th century, when the poorer
households who would tend to be
affected couldnt do anything about it, but I can think of few circumstances
under which a democracy (with one-man one-vote) would allow it. Zu gut deutsch: Früher
konnten sich die Leute gegen eine Rezession nicht auflehnen und mussten diese
einfach durchstehen – wie übrigens auch die Unternehmer, denn eine
Wirtschaft verläuft eben nicht linear, sondern in sogenannten Konjunktur-Zyklen.
Heute können sie wählen gehen und würden die Regierung in solch einer Situation
einfach abwählen. Demokratie als
Staatsform, die einen Daueraufschwung zum Überleben braucht. Getreu dem Motto
von Erich Honecker: Vorwärts immer, rückwärts
nimmer! Aber wie das Schicksal des real existierenden Sozialismus
gezeigt hat, ist ein System, das zeitweise Rückschläge nicht an sein Volk
verkaufen kann und mit aller Macht den Abschwung durch Markteingriffe zu
verhindert sucht, bereits vom Anfang an dem Tod geweiht. Denn diese Rückschläge
wirken wie ein Korrektiv oder reinigendes Gewitter. Damit werden
Fehlallokationen von Ressourcen ausgemerzt und nicht wettbewerbsfähige
Unternehmen vom Markt verdrängt. Das Ergebnis dieses Prozesses ist nach dem
Durchleben einer Talsohle ein effektiver arbeitendes System, das kontinuierlich
den Lebensstandard erhöhen wird. Im Prinzip ist unser
Papiergeld-System mit der Notenbank an der Spitze ein solches
planwirtschaftliches System. Und die Notenbank agiert quasi wie das Politbüro,
das über die Geldmengen-Steuerung und Zinsen versucht, die Wirtschaft zu
lenken. Und im Interesse der Politik selbst einen zeitweisen
Abschwung zu verhindern. Hier irrt auch der
Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, mit seiner Aussage in einem Aufsatz
Contra Goldstandard in der WELT AM SONNTAG, in dem er behauptet, dass die
Bundesbank mit ihrer Geldsteuerungs-Politik in der Vergangenheit genau das
erreichen konnte, was ein Goldstandard ermöglichen würde. Denn spätestens mit
der deutschen Einheit hat die Bundesbank de facto eine kleine Währungsreform
durchgeführt, mit der sie die Deutsche Mark durch reines Gelddrucken auf das
mitteldeutsche Beitrittsgebiet ausgeweitet hat. Spätestens nach diesem
Sündenfall hat sich die Bundesbank in das gleiche politische Lager wie die
anderen nationalen Zentralbanken eingeordnet. Edmund Conway kommt jedenfalls zu der folgenden Schlussfolgerung: And dont expect
a return to the Gold
Standard. The problem is not that
it is unfeasible.
It has plenty of attractive features, among them the
fact that it constrains governments
from inflating their debts away.
However, it is simply incompatible
with democracy as we know it. Da haben wir es also:
Ein Goldstandard würde verhindern, dass sich die Regierenden einfach ihrer
Schulden durch Gelddrucken entledigen könnten. Und das sei nicht kompatibel mit
unserer derzeitigen Demokratie, weil es einfach nicht mehr erlauben würde, dass
eine weitgehend mittellose Mehrheit sich durch eine demokratische Abstimmung zu
Lasten der vermögensbesitzenden Minderheit entschulden könnte. Damit würden nämlich dem
ausufernden Sozialstaat seine Fundamente entzogen werden. Kein Politiker könnte
mehr aus dem Vollen schöpfen und durch staatliche Verschuldung jeder
gesellschaftlichen Gruppe ein mehr oder weniger auskömmliches Leben
ermöglichen. Nun könnte man die
philosophische Frage stellen, was eine Gesellschaftsform, die sich in ihren
eigenen Entscheidungsfindungs-Prozessen nur durch Betrug und Täuschung am Leben
erhalten kann, für Zukunfts-Chancen hat. Wahrscheinlich keine, wie wir bei
objektiver Würdigung der Dauerkrise feststellen würden. Deshalb sind eben
Goldstandard und unsere Sozialstaats-Demokratie nicht miteinander vereinbar. Erst wenn das eine
System untergeht, kann das andere etabliert werden. Mit dem Untergang des
Kommunismus Ende der achtziger Jahre steht nun nicht der Untergang des
Kapitalismus auf der Agenda – sondern das Ende der Diktatur eines
betrügerischen Papiergeld-Systems. Auch die Vertreter der
deutschen Großindustrie sind keine Kapitalisten im ursprünglichen Sinn. Denn
sie paktieren mit demselben Politiker- und Notenbank-System, das die Wirtschaft
auf permanentes Wachstum trimmen möchte. Interessanterweise hat nicht eine
konservative Partei wie die CDU eine erzwungene Lohndrückung durchsetzen
können, die durch die Migrations-Politik noch durch
das Bereitstellen billiger fremder Arbeitskräfte unterstützt wurde. Sondern es
war ein linke Partei, nämlich die SPD unter Gerhard Schröder, die das
ermöglicht hatte. Die gesellschaftlichen Kosten dieser Aktionen wurden dem
Mittelstand untergeschoben. Dieses System kämpft
aber noch wie ein Löwe um seine Existenz, wie die heutige Entwicklung am
Goldmarkt wieder einmal gezeigt hat. Während im asiatischen Handel und zum
Londoner Vormittags-Handel die Kurse unverändert bis leicht sinkend waren, ging
es zum Nachmittag umso heftiger bergab. Der A.M. Fix kam noch
mit $1.363,25 (EUR 1.001,87) um knapp vier Dollar unterhalb des gestrigen A.M.
Fixes zustande. Der Rückgang war im wesentlichen induziert durch den steigenden
US-Dollar, was man an dem fast unveränderten Euro-Goldpreis feststellen konnte. Im Vorfeld und mit
Beginn der COMEX ging es dann abwärts in Richtung der Marke von $1.355. Der
Londoner P.M. Fix läutete dann schließlich mit $1.349,00 (EUR 993,67), also
einem Rückgang von zwanzig Dollar auf 24-Stundenbasis, die ernsthafte Drückung
ein. Im Anschluss fiel Gold
dann auf bis zu $1.330 und konnte sich in den verbleibenden Stunden des COMEX-Handels auf $1.339,00 wieder erholen. Auch die
anderen Edelmetalle fielen heute kräftig, ebenso wie die Aktienmärkte. Wieder
einmal schienen die auf der Absicherung der Exporte schielenden Notenbanken aus
Europa, China und Japan mit Hilfe von Liquiditätsverknappung die Investoren auf
dem falschen Fuß erwischt zu haben. Beunruhigend ist
außerdem der Anstieg der Realrenditen der 10-jährigen Treasury Notes: Diese
legten erneut 0,1 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent zu. Mit dem um 0,7 Punkte auf
79,2 gestiegenen US-Dollarindex (USDX) kam trotzdem ein kräftiger Verlust von
0,7 Punkten des Quotienten aus USDX und den Real-Renditen zustande. Das bedarf
wohl weiterer genauer Beobachtung.
Wichtige Marktdaten im Überblick
©
Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010 |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||