Bericht für den 22. November 2010

 

Vierzehn kleine Eurostaaten ...

 

... wollten so groß wie die USA sein: Wer kennt nicht den Abzählreim von den zehn kleinen Negerlein, bei dem einer nach dem anderen ums Leben kommt. Genauso scheint es derzeit den Staaten des Euro-Raums zu gehen.

 

Zuerst war es Griechenland, das dahinschied. Weil die Bevölkerung dort einfach nur faul auf Kosten Anderer ein schönes Leben führen wollte.

 

Nun Irland, der keltische Tiger, dessen Wirtschaftskraft zum großen Teil aus Kredit und überschätzten Wachstums-Erwartungen entstanden ist.

 

Und der nächste Wackelkandidat ist schon identifiziert: Portugal. Und die untrüglichen Hinweise unserer Politiker-Kaste, dass dieses Land in der gleichen Situation wie Irland ist, ergibt sich aus dem gerne wieder verwendeten Spruch: Portugal braucht nach Aussage seines Präsidenten Anibal Cavaco Silva weder Hilfsgelder von der Europäischen Union noch vom Internationalen Währungsfonds. Die Lage in Portugal und Irland sei sehr unterschiedlich, betonte der portugiesische Präsident im Interview mit der spanischen Zeitung "El Pais". In Portugal gebe es keine Krise im Bankensystem und keine Vermögenspreisblase am Immobilienmarkt, sagte Silva. Außerdem liege die Staatsverschuldung im EU-Durchschnitt.

 

Na so was: Griechenland lehnte anfangs auch vehement Hilfe ab. Dann war es Irland bis fast zur letzten Minute, das öffentlich verkündete, alles sei im grünen Bereich. Und nun hören wir diese rhetorische Politiker-Floskel des Eingeständnisses erneut.

 

Ebenso die angebliche Nichtvergleichbarkeit mit den anderen Bankrott-Staaten. Das hat Irland auch von Griechenland behauptet. Die Situation ist dort wirklich anders – aber grundlegend gleich. Genauso wie für Portugal die Situation mit Griechenland und Irland verschieden, aber grundlegend gleich ist. Spanien und Italien werden folgen. Im Prinzip ist für Deutschland die Situation auch nicht grundlegend besser – aber man möchte sich den dicksten Brocken für den Schluss behalten.

 

Und dann versucht man sich noch mit fadenscheinigen Argumenten wie einer fehlenden Bankenkrise oder einer im EU-Durchschnitt liegenden Staatsverschuldung die Schlinge vom Kopf zu streifen – alles Bullshit-Bingo!

 

In Wirklichkeit sollten diese drei Aussagen jeden klardenkenden Investor ein untrügliches Zeichen dafür sein, dass Portugal der nächste der Pleite-Kandidaten sein wird.

 

Bloomberg macht sich über so viel Naivität und Fadenscheinigkeit bereits lustig. Im Bericht Irish EU-IMF Rescue Would Dwarf Greek Bailout on Bank Costs rechnet man vor, dass die Rettung von Irland über $130 Milliarden 60 Prozent des Brutto-Inlandsprodukts des Landes ausmachen wird. Bei Griechenland waren es noch 47 Prozent gewesen. Die Situation wird also von Land zu Land eher schlechter als besser. Dann rechnet man vor, dass ein Bailout von Portugal 100 Milliarden Euro kosten würde. Von dem ebenfalls durch seine Subprime-Kredite stark betroffenen Spanien läge der Betrag unter obigen Annahmen dann bereits bei 632 Milliarden Euro.

 

Und wäre dann nicht bereits der Euro-Rettungsfond erschöpft, dann müsste man für die Rettung Italiens noch einmal 912 Milliarden Euro berappen.

 

Alles Rechenbeispiele, die wohl aber traurige Berühmtheit erlangen werden. Einmal ganz abgesehen davon, dass die Gewichtung des Euro-Rettungsfonds vollkommen aus dem Gleichgewicht geraten würde, wenn immer mehr größere Staaten als Einzahler ausfallen würden.

 

Werfen wir unseren Blick nun auf die Edelmetalle: Gold stand heute erneut stark unter dem Einfluss der Euro-Krise. Ich dachte, dass mit der Rettung Irlands Ende vergangener Woche der Druck auf das gelbe Metall abnehmen würde. Aber dass die Rettung die Märkte anscheinend nicht beruhigen kann und dass mit Portugal nun das nächste Negerlein auf dem Schafott steht, damit hat man – jedenfalls nicht so schnell – rechnen können.

 

Gold überschritt die Marke von $1.360 heute früh im asiatischen Handel. Es wurden Spitzen gesehen, wo Gold die Marke von $1.365 touchierte. Aber mit Beginn des Londoner Vormittags-Handels ging es mit einem zunehmens stärkeren US-Dollar wieder abwärts für das gelbe Metall.

 

Der A.M. Fix war mit $1.357,50 (EUR 987,70) auf Tagesbasis unverändert.

 

Mit Beginn des Handels an der COMEX ging es mit einem weiter steigenden Dollar nun unterhalb von $1.355 weiter. Der P.M. Fix um 16:00 Uhr MEZ war dann aber mit $1.356,50 (EUR 993,26) leicht oberhalb dieser Marke und sogar $14 höher als noch am Freitag zu derselben Zeit.

 

Nach dem P.M. Fix konnte man Gold wieder bis auf $1.350 drücken. Aber zwei Stunden vor Schluss des Handels an der New Yorker COMEX ging es dann plötzlich wieder in zwei Stufen aufwärts bis auf $1.359.

 

Gegen 21:00 Uhr MEZ stand Gold dann bei $1.363 und konnte wieder die Marke von 1.000 Euro überschreiten. Das war dann die dritte Stufe des Anstiegs, die gezündet hat.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.357,50

(€987,70)

$1.357,50

(€990,66)

unverändert

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.356,50

(€993,26)

$1.342,50

(€983,53)

+ $14,00

COMEX Schlusskurs

$1.359,00

NA

$1.353,50

NA

+ $5,50

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$27,42

(€20,02)

$27,07

(€19,73)

+ $0,35

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.657,00

(€1.214,35)

$1.650,00

(€1.207,45)

+ $7,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$700,00

(€513,00)

$695,00

(€508,60)

+ $5,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

78,7

78,5

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

2,8 %

2,9 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

28,1

27,1

+ 1,0

 

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