Bericht für den 26. November 2010

 

Das letzte Aufgebot

 

Derzeit geht eine Schlacht nach der anderen für den Euro verloren. Erst hat man Griechenland aufgeben müssen, dann Irland. Und jetzt bricht auch noch die Front auf der iberischen Halbinsel: Portugal ist so gut wie verloren und Spanien heißt das nächste Marschziel.

 

Die Panik ist bereits schon so groß, dass Bundesbank-Präsident Axel Weber über eine Aufstockung des Rettungsschirms öffentlich nachdenken muss. Andere überbieten sich mit Vorschlägen, wie hoch Deutschland noch aufschulden könne – verträgt das Land noch eine Verdopplung seiner offiziellen Staats-Schulden von 1.856 Milliarden Euro, wie Professor Max Otte behauptet? Warum hat dann eine läppische Auktion von 10-jährigen Bundesanleihen nicht ausreichend Käufer gefunden, so dass die Bundesbank einen Teil der Papiere im Rahmen der Marktpflege aufkaufen musste.

 

Und schon kursieren Zahlen, dass 1.500 bis 2.000 Milliarden Euro nötig wären, Pleite-Kandidaten wie Spanien und Italien retten zu können.

 

Und dann wird auch noch versucht, die letzten Reserven in eine blutige Schlacht zu werfen. Die WELT berichtet heute unter dem Titel: Ackermann will Russland in die Euro-Zone holen. Der Grund: Russland könnte im Vergleich zu Deutschland noch kräftig aufschulden: Russland hatte 2009 eine äußerst niedrige Staatsverschuldung von rund 77 Milliarden Dollar, was 6,3 Prozent der Wirtschaftskraft des Landes entspricht. Zum Vergleich: Deutschland kam im vergangenen Jahr auf eine Staatsverschuldung von 1,76 Billionen Euro oder 73,4 Prozent des BIP.

 

Auf gut deutsch: Selbst die Bundesrepublik hat sich aus Sicht der Finanz-Märkte bereits übernommen. Max Otte hat unrecht – es gibt praktisch keine Reserve für weitere Belastungen des deutschen Steuermichels mehr. Zumal Kommentatoren aus der britischen Presse anmerken, dass aufgrund der negativen Bevölkerungs-Entwicklung in Deutschland das Land eher zu den höchstverschuldeten Nationen der Welt gehöre. Liest man bei Sarrazin nach (Deutschland schafft sich ab, neunte Auflage, Tabelle 8.10 – Migrantenanteil und Schichtzugehörigkeit), dann beträgt der Bevölkerungsanteil der mittel bis hoch gebildeten Schichten in der Generation Null noch 79,9 Prozent. Eine Generation später sind es noch 65,5 Prozent und in der Generation Zwei verbleiben nur 48,7 Prozent. Das sind aber diejenigen Arbeitskräfte, welche die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ausmachen. Die anderen – also die Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika plus der Restbevölkerung mit niedrigem Bildungsstand – sind zum wesentlichen Teil Netto-Staatsabhängige. Welcher Investor würde diesen indirekt Kredit durch Ankauf von Staatsanleihen geben, da sie keinen Beitrag zum Bruttoinlands-Produkt erbringen, sondern dieses sogar noch verkonsumieren.

 

Würde sich diese Erkenntnis in der Finanzwelt durchsetzen, dann wäre Deutschland real viel stärker verschuldet als beispielsweise Frankreich und die Vereinigten Staaten, die bei den Schichten mit mittleren bis hohen Bildungsstand noch eine vergleichsweise hohe Nettoreproduktions-Rate zu verzeichnen haben.

 

Wir kommen also nicht umhin, die EZB zu einer massiven Monetarisierungs-Initiative zum Aufkauf der Staatsschulden zu ermutigen. Aber den letzten beißen ja bekanntermaßen die Hunde. Während Großbritannien als erste Nation nach der Lehman-Krise am meisten Geld über die Notenbank pro Bürger gedruckt hatte und durch die Finanz-Märkte nicht besonders stark abgestraft worden ist, ging es bei der FED da schon problematischer zu. Und die EZB hat sich ganz bis zur Griechenland-Krise der Quantitative Easing Initiative verschlossen. Dann war aber schon ein so keines Land wie Griechenland schwer für die EZB zu verdauen.

 

Es ist also zu erwarten, dass eine Geld-Schleusen-Auf Politik der EZB von den Märkten eher negativ für den Euro gesehen wird. Eine Panik würde die Investoren zurück in den US-Dollarraum und gegebenenfalls auch in die Edelmetalle in großem Stil treiben. Spätestens dann müsste der Euro-Raum bedingungslos kapitulieren.

 

Dabei hätte man es während der Griechenland-Krise noch mit viel weniger Verwundeten und Toten erreichen können, das unseelige Gebilde des Euros aufzugeben und zuzugeben, dass der Krieg verloren sei. Aber das wollten unsere EU-indoktrinierten Götterdämmerungs-Politiker nicht einsehen. Vielmehr verfiel man schnurstracks in die Rhetorik der Beschwörung des totalen Krieges, der totale Zerstörung und totale Niederlage verspricht.

 

Wenn immer den Europäern nichts mehr einfällt, ihre Währung zu verteidigen, dann versuchen sie es mit Goldverkäufen. So auch heute.

 

Gold wurde in der ersten Stunde des Handels an der New Yorker COMEX auf bis zu $1.350 gedrückt – ein Verlust im Vergleich zum letzten Kurs gestern in New York von $25.

 

Der P.M. Fix mit $1.355,00 (EUR 1.022,64) zeigte eindeutig an, dass größere Mengen physischen Golds im Spiel waren. Wahrscheinlich aus den Restbeständen der EZB beziehungsweise deren Mitgliedsstaaten.

 

Das half aber zum Schluss nicht, den Euro-Goldpreis drücken zu können. Denn zum COMEX-Schluss stand Gold bei EUR 1.030,52 ($1.364,30) und damit praktisch unverändert. Nur auf Dollar-Basis kam es zu einem Tagesverlust von elf Dollar.

 

Der US-Dollarindex nahm um 0,8 Punkte auf 80,4 zu. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen tendierten mit 2,9 Prozent unverändert.

 

Was wird uns dieses Wochenende bringen: Wahrscheinlich eine hektisch zusammengebastelte Initiative zur Rettung des Euros? Wir werden es am späten Sonntag rechtzeitig vor Eröffnung der Märkte in Asien sehen.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.366,50

(€1.031,17)

$1.370,50

(€1.030,68)

- $4,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.355,00

(€1.022,64)

$1.373,25

(€1.028,88)

- $18,25

COMEX Schlusskurs

$1.364,30

(€1.030,52)

$1.375,10

(€1.028,92)

- $10,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$26,62

(€20,14)

$27,44

(€20,60)

- $0,82

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.639,00

(€1.238,40)

$1.655,00

(€1.241,10)

- $16,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$670,00

(€506,25)

$697,00

(€522,70)

- $27,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,4

79,6

+ 0,8

Renditen 10-jährige Treasuries

2,9 %

Kein Handel

 

Quotient aus USDX und Renditen

27,7

 

 

 

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