Bericht für den 30. Dezember 2010

 

US-Häusermarkt kaputt

 

Die Financial Times Deutschland hat sich in letzter Zeit vor den Euro-Karren spannen lassen. Aber es wohl auch mit weniger ideologisch vorbelasteten Themen, wo man wieder zu einem kritischen Maß an Objektivität zurückkehren konnte, heute aufwarten können.

 

Das Thema US-Häusermarkt ist ein solches Thema. Nur kurz zur Erinnerung: Die Krise am US-Häusermarkt begann in den Jahren 2006 und 2007 und forderte mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Bear Stearns im Frühjahr 2008 sein erstes prominentes Opfer. Offiziell wurde dafür der Wertverlust der US-Immobilien verantwortlich gemacht. Aber im Prinzip war die gegenseitige Verflechtung im Weltfinanz-System und die Verschuldung der Privat-Haushalte und der Wirtschaft schon so weit fortgeschritten, dass der Häusermarkt wohl nur der Auslöser dieser Entwicklung gewesen sein konnte.

 

Aber die Welt schaut auf den US-Häusermarkt und proklamiert, dass das Finanzsystem erst dann wieder stabilisiert werden könne, wenn der Häusermarkt in den Vereinigten Staaten wieder an Fahrt aufnehmen kann. So beschwören die Politiker, Zentralbanker und Wirtschaftswissenschaftler auf der Welt die Reflationierungs-Versuche von FED, EZB und Co. Sind die doch einzig und allein durch Gelddrucken dazu angetan, den nominellen Preis der Immobilien wieder nach oben zu katapultieren.

 

Die FTD hat in ihrem heutigen Bericht unter dem Titel Der US-Häusermarkt ist hoffnungslos kaputt natürlich Recht mit der Kritik an der Interventions-Politik der US-Regierung zu Gunsten der Hauseigentümer. Da haben wir die permanenten Geldspritzen an die beiden früher halbstaatlichen und nun ganzstaatlichen Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Dort sind bereits dreistellige Milliarden-Beträge des Staates als echte Zuschüsse hineingeflossen. Dann haben wir noch die Federal Housing Administration (FHA), die staatlich verbürgt weiterhin für die Subprime-Kredite bürgt, die uns anfangs in die Krise geführt haben. Und dann gab es eine Reihe von Steuererleichterungen, mit denen der Kauf von Eigenheimen gefördert werden sollte.

 

Der amerikanische Traum von Freiheit und einem eigenen Heim ist zum wahren Alptraum geworden. Die Mittelschicht hat bereits – oder ist auf dem besten Weg dazu – sowohl ihre Freiheit gegen ein Zins- und Kredit-Sklavensystem zu verlieren als auch ihr Eigenheim verloren.

 

Alle Reformversuche dieses Marktes werden letztlich scheitern – denn ein Großteil der Haushalte hat den Wertzuwachs der letzten Jahre durch zusätzliche Konsumenten-Kredite bereits verkonsumiert. Hier ist der US-Eigenheimbesitzer auch nicht in einer anderen Lage als der Grieche, Ire, Portugiese oder Spanier, der eine ähnlich gelagerte Party veranstaltet hat.

 

Im Prinzip macht es keinen Sinn, beide Gruppen weiter mit noch neuen staatlichen Hilfen, weiteren Krediten oder anderen Hilfsmitteln künstlich zu beatmen. Denn sie werden niemals mehr in die Lage kommen, ihre Krankenhaus-Rechnung durch eigene Arbeit finanzieren zu können. Was also fehlt, ist ein Umschuldungs-Abkommen, dass die Schuldner bei Entzug aller zukünftigen Möglichkeiten, diese Art der Party in irgendeiner Art und Weise fortsetzen zu können, entschuldet.

 

Alle Besitzer von Vermögen, seien es nun Lebensversicherungen oder Pensions-Guthaben müssen letztlich einen Großteil ihrer Forderungen abschreiben. Das ist sehr bitter, weil diese Gruppe eben nicht dem Konsum-Teufel verfallen sind, sondern sich für die Zukunft absichern wollten.

 

Aber keiner wird dazu den Mut haben. Deshalb wird auch in 2011 das Motto lauten: Geldschleusen auf. Uns Gold- (und Silberbesitzer) wird das weiterhin hohe Zuwachsraten bescheren, obwohl letztlich diese Situation auch für uns nicht befriedigend sein kann.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.411,50

(€1.064,16)

$1.403,50

(€1.069,90)

+ $8,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.405,50

(€1.056,45)

$1.412,50

(€1.075,37)

- $7,00

COMEX Schlusskurs

$1.404,00

NA

$1.413,10

NA

- $9,10

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$30,70

(€23,17)

$30,44

(€23,19)

+ $0,26

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.755,00

(€1.320,05)

$1.745,00

(€1.328,50)

+ $10,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$797,00

(€599,45)

$791,00

(€602,20)

+ $6,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

79,5

79,7

- 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,4 %

3,3 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

23,4

24,2

- 0,8

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2010

Parse Time: 0.238s