Bericht für den 10. Januar 2011

 

Nun wackelt Portugal

 

Während sich die Edelmetall-Märkte nach den Arbeitslosen-Daten des letzten Freitag heute wieder beruhigen durften, stand ein europäischer Kandidat weiter auf der Beobachtungs-Liste der Finanzmärkte: Der Euro.

 

Nach Griechenland und Irland scheint nun auch das Stündchen für Portugal zu schlagen. Obwohl heute gemeldet wurde, dass die EZB an den Bond-Märkten bereits portugiesische Staatsanleihen aufkauft, um die Märkte zu beruhigen.

 

Wir kennen das dann ablaufende Spiel ja schon zur Genüge: Erst einmal wird beschwichtigt. Dann wird mit dem Rettungs-Schirm gedroht. Dann möchten Deutschland und Frankreich das Land unter den Rettungsschirm stellen, weil sonst ihre Banken und Versicherungen wegen der Forderungen in diesen Ländern in Bedrängnis kommen. Als nächstes weist das Land vehement dieses Gesuch ab und proklamiert, dass man eigentlich gar keine Probleme habe. Zuletzt kommt die bereits lange erwartete Rettung dann doch. Dann kommen IWF, der Euro-Juncker (der gerne die Schweiz als Konkurrenz-Kapitalfluchtstelle seines Fürstentums von der Landkarte vertilgen möchte) und alle anderen EZB-Diktatoren aus ihren Löchern gekrochen und fordern ein Aufstocken des Rettungspakets bei gleichzeitiger Entmündigung der Hauptlast-Träger Deutschland und Frankreich durch Einführung von Euro-Bonds.

 

Ein besonders ruhiger Kandidat waren bislang die Lebensversicherungen. Da diese einen Großteil ihrer Kundengelder jedoch in Staatsanleihen anlegen und deren Realzinsen beispielsweise in Deutschland zuletzt am Sinken sind, klappt es nicht mehr so recht mit der versprochenen Rendite. So plant die Bundesregierung, den Garantiezinssatz auf unter zwei Prozent abzusenken. Richtig gehört – zwei Prozent. Und davon müssen noch die Verwaltungs- und vor allen Dingen Vertriebskosten der Versicherungs-Unternehmen bezahlt werden.

 

Die bisher etwas besser rentierenden Staatsanleihen aus den Euro-Südländern bringen mit ihrem Wertverfall zusätzliche Probleme für die Versicherungs-Wirtschaft. Denn sie können derzeit nur mit hohen Abschlägen auf den ursprünglichen Ausgabewert verkauft werden. Warten die Versicherungen dagegen auf den Fälligkeitszeitraum, um den Verlust zu umgehen, dann droht ihnen ein kräftiger Haircut im Falle der Zahlungsunfähigkeit dieser Staaten. Wie sie es auch gestalten wollen, Versicherungen und alle Anlageformen wie Riester- oder Rürup-Renten, die ihr Geld größtenteils in Staatspapieren versenken – sorry, ich meine natürlich investieren – sind dem Tode geweiht.

 

Beim Gold kam es heute früh im asiatischen Handel zu einer leichten Erholung. Die Ereignisse rund um den Euro trübten jedoch die Aussichten, weil das Gold Kartell helfend eingreifen musste. Der Londoner A.M. Fix kam mit $1.368,25 (EUR 1.060,33) um zehn Dollar höher als noch am Freitag zustande. Dieser Anstieg ist aber vor allen Dingen der Goldpreis-Drückung im Vorfeld der Verkündung der US-Arbeitsmarktdaten vom letzten Freitag geschuldet. Denn wenige Stunden später zum P.M. Fix – in der Zwischenzeit hatte sich beim Gold praktisch nichts bewegt – stand Gold immer noch bei $1.368,25 (EUR 1.060,41), aber es konnte nur einen Dollar gegenüber dem letzten P.M. Fix zulegen.

 

Zum Schluss des Handels an der New Yorker COMEX konnte sich Gold dennoch etwas nach oben absetzen und beschloss den Handel mit $1.374,30 (EUR 1.061,03) mit einem Tagesgewinn von sechs Dollar.

 

Bis auf Palladium konnten sich auch die anderen weißen Edelmetalle erholen.

 

Beim US-Dollarindex kam es nur zu einer marginalen Verschiebung um 0,1 Punkte nach unten. Die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes veränderten sich dagegen nicht. Und mit ihnen auch nicht der von mir ermittelte Quotient aus beiden Werten.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.368,25

(€1.060,33)

$1.358,00

(€1.045,98)

+ $10,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.368,25

(€1.060,41)

$1.367,00

(€1.053,16)

+ $1,25

COMEX Schlusskurs

$1.374,30

(€1.061,03)

$1.368,20

(€1.058,01)

+ $6,10

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$28,79

(€22,30)

$28,39

(€21,88)

+ $0,40

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.742,00

(€1.348,30)

$1.735,00

(€1.334,10)

+ $7,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$753,00

(€582,80)

$754,00

(€579,80)

- $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

80,9

81,0

- 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,3 %

3,3 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

24,5

24,5

unverändert

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2011

Parse Time: 0.231s