Bericht für den 16. März 2011

 

Rand-Nachrichten

 

Derzeit werden die Nachrichten selbst in der Wirtschafts-Presse nur noch von einem Thema beherrscht. Paradoxerweise ist der NIKKEI-Index heute um 5,7 Prozent gestiegen, obwohl sich in dem Lande die Situation zumindest nicht verbessert hat.

 

Was in den dortigen Kernkraftwerken unverständlicherweise nicht zu funktionieren scheint, haben die Bank of Japan (BoJ) und ihre Kollegen im Politbüro der Zentralbanken anscheinend voll im Griff: Die Flutung der Asset-Märkte mit künstlich geschaffener Liquidität.

 

Japan ist schon seit Jahrzehnten das Experimentier-Feld der Wunderwaffen des angloamerikanischen Banken-Systems. Dort wurden bereits in den neunziger Jahren erfolglos die Asset-Bubbles herangezogen, die pseudo-Werte schufen, die um ein Vielfaches über vertretbaren Marktpreisen liegen. Nachdem dieses System völlig außer Kontrolle geraten war, wollte man genauso wie heute seine Fehler nicht eingestehen und hat die Situation damit noch viel schlimmer gemacht, als sie seinerzeit war.

 

Das Ergebnis des Japans der 90er-Jahre waren Zombie-Banken – diejenigen Geld-Institute, die Assets wie Immobilien noch zu völlig überhöhten Anschaffungs-Werten in ihren Bilanzen hielten – und eine nie endend wollende wirtschaftliche Talfahrt. Die BoJ druckte Geld in massiver Größenordnung und senkte die Zinsen auf historisch niedriges Niveau. Die Spareinlagen der Japaner wurden seinerzeit zwecks Füllung der Löcher in den Banken-Bilanzen verheizt – das Geld war nur noch buchhalterisch vorhanden.

 

Während meiner Studienzeit von 1982 bis 1986 war Japan unter Führung des angeblich allmächtigen Industrie-Ministeriums MITI angetreten, mit der sogenannten fünften Generation eine Rechner-Architektur zu entwickeln, welche der damaligen Führungs-Macht USA ihre Stellung streitig machen sollte. Und auch in anderen Bereichen war das Land der rising star. Was daraus geworden ist, das sehen wir ja heute.

 

Die finanztechnischen Methoden Japans der 90er-Jahre wurden auch im Westen angewandt. Man dachte, die existentielle Krise des Weltfinanz-Systems damit überwinden zu können. Aber: Heute haben wir auch wieder Zombie-Banken und Sparer, deren Gelder jetzt im Rahmen europäischer Solidarität von den Südländern verkonsumiert wurden. Da kommt nichts mehr zurück.

 

Die BoJ ist einer der Haupt-Liquiditätslieferanten für die diversen Asset-Bubbles in den Vereinigten Staaten und Europa. Bislang durch Fleißigkeit und wirtschaftliche Stabilität international anerkannt. Das ändert sich derzeit. Und auch die von Vielen herbei geschworene Stärke von China und Indien ruht eigentlich nur auf tönernen Füßen.

 

Das kann auch den Gold-Markt für eine gewisse Zeit durcheinander rütteln. Denn viele Investoren in diesen Märkten besitzen neben Aktien-Paketen aus Japan, China & Co auch noch Gold zwecks Absicherung gegen einen System-Crash. Dieser wird aber schleichend kommen: Und so besteht die Gefahr, dass das für den System-Crash vorgehaltene Gold dafür eingesetzt werden muss, um nicht mit seinen Aktien-Paketen bei stark volatilen Märkten in den Konkurs getrieben zu werden. Ist das Gold dann aber zur Befriedigung der Margin Calls verbraucht, dann steht man plötzlich beim auftretenden Crash ohne physische Absicherung da.

 

Das ist das Deflations-Modell, das Viele eigentlich schon verdrängt hatten. Aber es ist spätestens seit dem Wochenende wieder ein mögliches Szenario.

 

Gold stabilisierte sich im Laufe des heutigen Tages nach dem gestrigen schweren Rückschlag. Silber, aber auch Platin und Palladium waren heute stark liquiditätsgetrieben. Der kräftige Anstieg des NIKKEI war wohl der Flutung mit frisch gedruckten Yens zu verdanken. Das hat auch die europäischen Aktien-Märkte zuerst nach oben getrieben.

 

Im Laufe des Tages trocknete diese Geldspritze jedoch wieder aus und der DAX drehte von einem Plus von 1,3 Prozent am Vormittag zu einem Minus von 2,2 Prozent zum späten Nachmittag.

 

Auch die Vereinigten Staaten lassen ihren Aktien-Markt derzeit kontrolliert absaufen: minus 240 Punkte beim Dow Jones. Die FED hat gestern schon Japan in ihrer offiziellen Stellungnahme des FOMC-Meetings keines Statements gewürdigt. Spürt hier eine Nation seine Vorteile aus dieser Entwicklung?

 

Auch die Real-Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen entwickelten sich positiv, das heißt sie fielen um 0,1 Punkte auf 3,2 Prozent.

 

Gold kämpfte den ganzen Tag um die Marke von $1.400. Zum A.M. Fix war sie mit $1.398,50 (EUR 1.002,37) etwas unterhalb, zum P.M. Fix mit $1.402,00 (EUR 1.007,18) wieder oberhalb und zum COMEX-Schluss mit $1.396,00 erneut unterhalb. Aber das gelbe Metall hatte keine Berg- und Talfahrt vorgelegt wie die anderen Edelmetalle.

 

Die Deflations-Gefahr ist immer noch virulent. Es sind die Rand-Nachrichten, welche die weitere Richtung vorgeben. Und auch wenn unsere pseudo-grünen Weltverbesserer bei jeder neuen Explosion den nächsten körperlichen Höhepunkt zu erreichen scheinen, so müssen wir uns doch von den typischen Verhaltensmustern des deutschen Angstbürgers lösen.

 

Die Nebelwand wird immer dichter – wir scheinen den Weg zu verlieren und die Sirenen würden uns gerne in die falsche Richtung lenken. Genau das sollten wir aber nicht tun.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.398,50

(€1.002,37)

$1.407,00

(€1.013,40)

- $8,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.402,00

(€1.007,18)

$1.400,50

(€1.003,94)

+ $1,50

COMEX Schlusskurs

$1.396,00

NA

$1.392,60

NA

+ $3,40

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$34,73

(€24,91)

$33,88

(€24,37)

+ $0,85

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.726,00

(€1.238,15)

$1.711,00

(€1.226,10)

+ $15,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$719,00

(€515,80)

$700,00

(€501,60)

+ $19,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,6

76,4

+ 0,2

Renditen 10-jährige Treasuries

3,2 %

3,3 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

23,9

23,2

+ 0,7

 

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