Bericht für den 29. März 2011

 

COMEX-Spielereien

 

Die Preis-Entwicklungen des gestrigen Tages – leider konnte ich wegen fehlendem Internet-Zugang auf einer Dienstreise keinen Bericht erstellen – und heute haben einen primären Grund: Options-Geschäfte an der New Yorker Leitbörse für die Future-Märkte (COMEX) laufen heute ab. Das heißt diejenigen Banken, die Call-Optionen zu einem Strike-Price von $1.400 verkauft haben, haben ein gesteigertes Interesse daran, dass diese Optionen möglicht keinen Wert haben – also auf unter $1.400 fallen müssen. Bei amerikanischen Optionen kann der Investor das Papier erst bei Fälligkeit seiner Gegenpartei (im Allgemeinen der emittierenden Bank) zur Einlösung übergeben. Das heißt Ausschläge nach oben vor Fälligkeit können nicht dafür genutzt werden, dieses Papier mit Gewinn einzulösen (es sei denn auf dem Markt für solche Optionen). Deshalb tobt auch kurz vor dem Verfalltag der amerikanischen Optionen ein harter Kampf, bei dem die zur Zahlung verpflichteten Banken versuchen, den Kurs das zugrundeliegenden Instruments – also in diesem Fall Gold – unter die Strike-Marke zu drücken.

 

Viele dieser Optionen liegen bei $1.400 – deshalb versuchten heute auch diese Banken, den Kurs unter die Marke von $1.400 zu drücken. Das gelang zwar nicht, aber mit $1.416 zum COMEX-Schluss heute lag man seinem Ziel schon viel näher als noch letzte Woche.

 

Man darf deshalb den Rückschlag seit dem Wochenanfang nicht überbewerten – schon gar nicht als Investor, dessen Gold mit Eigenkapital voll bezahlt und deshalb Margin Call unsensibel ist.

 

Die richtige Abwärts-Bewegung setzte nämlich im Laufe des gestrigen Tages ein – es kam jedoch zum Nachmittag wieder zu einer Erholung. Und heute versuchte man erneut, Gold kräftig zu drücken. Während Platin und Palladium wieder einige Dollar im Plus waren, ging es mit Gold noch weiter abwärts. Die Aktionen waren also reine Spielereien mit Derivaten an der New Yorker COMEX.

 

Natürlich ist es erst einmal verwirrend, wenn sich trotz des eher goldpositiven geopolitischen Klimas – neben dem schleichenden Untergang der Wirtschaftmacht Japan seien hier auch die Verschärfungen der Situation im Euro-Raum genannt – das Gold eher in Richtung Süden bewegt.

 

Der Angriff unserer Bank-Freunde begann erneut mit Beginn des Handels in Asien: Wie gestern verlor Gold einige Dollar an Wert und wurde im Vorfeld (gestern) beziehungsweise während des Londoner Vormittags-Handels (heute) weiter gedrückt. Der A.M. Fix kam mit $1.414,00 (EUR 1.002,27) um sechs Dollar niedriger zustande als noch am Montag zu derselben Zeit.

 

Im frühen Nachmittags-Handel ging es dann nur noch wenige Dollar weiter nach unten, so dass der Tages-Tiefstand bereits erreicht zu sein schien.

 

Nach einer kurzen Abwärtsdelle ging es aber im New Yorker COMEX-Handel wieder bergauf. Das ist nicht gut für die amerikanischen Optionen der Banken, die auf Basis des COMEX-Schlusskurses bewertet werden.

 

Der P.M. Fix mit $1.417,50 (EUR 1.006,25) war dann schon im Tagesverlauf praktisch unverändert. Im Anschluss stieg Gold – genauso wie gestern – wieder an und konnte erst bei der Marke von $1.423 (wie gestern übrigens auch – bloß 30 Minuten später) gebremst werden.

 

Zum Schluss war die Kraft derjenigen, die Geld sparen wollten, viel zu groß: Gold beendete den COMEX-Handel mit $1.416 um sieben Dollar niedriger als zum Tageshöchststand.

 

Die 10-jährigen US-Staatsanleihen stiegen in ihrer Real-Rendite wieder an: 3,5 Prozent lautete der heutige Kurs – also 0,1 Prozentpunkte mehr als gestern.

 

Mit unverändertem US-Dollarindex (USDX) gab der von mir ermittelte Quotient aus beiden Werten um 0,6 Punkte auf 21,8 nach.

 

Der Plan der japanischen Regierung, die Kernkraftwerke des Pleite-Betreibers Tepco in Staatsbesitz zu überführen, sind erneut ein durchsichtiger Versuch, hohe zweistellige oder sogar dreistellige Milliarden-Beträge (in US-Dollar gerechnet) an Folgekosten über den Staat mit der Bank of Japan (BoJ) als Gelddruck-Maschine in die Wirtschaft zu pumpen. Denn der Betreiber dieser Anlagen würde sonst wohl relativ schnell Konkurs anmelden müssen und die ganzen Regress-Forderungen würden ins Leere laufen. Damit könnte die betroffene Region nicht neu aufgebaut werden, weil keiner diesen Wiederaufbau bezahlen würde.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.414,00

(€1.002,27)

$1.420,00

(€1.009,45)

- $6,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.417,50

(€1.006,25)

$1.417,00

(€1.005,18)

- $0,50

COMEX Schlusskurs

$1.416,00

NA

$1.419,80

NA

- $3,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$36,62

(€26,01)

$33,62

(€26,06)

unverändert

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.745,00

(€1.241,10)

$1.730,00

(€1.231,30)

+ $15,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$743,00

(€528,45)

$742,00

(€528,10)

+ $1,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

76,2

76,2

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

3,5 %

3,4 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

21,8

22,4

 - 0,6

 

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