Bericht für den 6. Mai 2011

 

Verwirrende Marktlage

 

Der heutige Tag bot Anschauungs-Unterricht dafür, wie komplex es manchmal sein kann, die weitere Preis-Entwicklung beim Gold kurzfristig vorherzusagen. Denn uns stehen natürlich keine Informationen über Nachrichten, die am heutigen Tage verkündet werden, zur Verfügung. Und davon gab es heute zwei, die beide einen Einfluss auf den Tagesverlauf von Gold haben werden.

 

Auf der einen Seite standen wir vor der Situation, dass Silber im Vormittags-Handel praktisch auf dem Niveau des gestrigen – nach dem COMEX Schluss noch kräftig gedrückten – Kursniveaus stand. Zusammen mit dem nur leicht vom gestrigen COMEX-Schluss zum heutigen Londoner A.M. Fix erholten Gold sprach das eher für eine Fortsetzung der Drückung. Zumal heute Freitag ist.

 

Hinzu kam die Verkündung der US-Arbeitsmarkt-Zahlen für den Monat April kurz nach Eröffnung des Handels an der COMEX. Hier kommt es nicht darauf an, wie gut oder schlecht diese Zahlen nach objektiven Maßstäben sind. Sondern entscheidend ist, welchen Eindruck die Bewertung durch Bloomberg und CNBC bei den Investoren hinterlässt. Und Bloomberg sagt – besser als erwartet: American employers in April added more jobs than forecast and the labor market in the prior two months was stronger than initially estimated, indicating the world’s largest economy is weathering the impact of higher fuel prices. Und die Meute folgt wie üblich Bloomberg – US Aktien legten anfangs kräftig zu.

 

Nun wurde im Vorfeld der Verkündung dieser Zahlen Gold und vor allen Dingen Silber gedrückt. Aber nachher konnten sich beide Edelmetalle erholen. Das deutet auf eine Bodenbildung beim Silber, das mit COMEX-Beginn auf bis zu $33 hinab rutschte, hin.

 

Und dann haben wir noch die plötzlich bei SPIEGEL ONLINE veröffentlichte Nachricht, dass Griechenland aus dem Euro austreten wolle. Das führte zu einem plötzlichen Einbruch des Euros gegenüber dem US-Dollar von 1,3 Prozent. Bloomberg berichtete zwar bis kurz vor 20:00 Uhr MEZ nicht darüber, aber unter CNBC gab es einen abwiegelnden Bericht unter dem Titel European Officials Deny Greek Euro Exit Report. Aber die Katze war zumindest in den US-Wirtschaftsmedien nun aus dem Sack.

 

Gold schloss den COMEX-Handel heute mit $1.491,60 (EUR 1.037,20) um zehn Dollar stärker. Aber Euro-Gold legt zwanzig Euro zu. Wenn man berücksichtigt, dass der gestrige Einbruch von $33 nur einen Euro-Gold Rückgang von zwei Euro gebracht hatte, dann gingen im Laufe dieser Woche, die wohl wegen ihrer Drückungen vor allen Dingen beim Silber als historisch bezeichnet werden muss, nur zehn Euro beim Euro-Gold verloren. Derjenige, der zum Ende der Woche dachte, billig Gold kaufen zu können, musste sich wohl mehrmals die Augen reiben, um letztlich festzustellen, dass der Preis einer Bullion-Münze nur knapp unterhalb von 1.100 Euro liegt.

 

Die Investoren in Gold mussten sich in diesem Jahr bereits schon von der System-Wirtschaftpresse verspotten lassen, dass ihr Investment gegenüber dem stark steigenden Silber nur noch eine lahme Ente sei. Diese lahme Ente hat aber erneut ihren Vorteil gezeigt – dass sie nämlich auch in schweren Fahrwassern sicher weiter schwimmt. Silber und auch Palladium haben dagegen gefährliche Schlagseite bekommen. Es gibt eben kein Edelmetall-Investment, das optimal für alle Situationen ist. Das sollten nun hoffentlich auch einige deutsche Analysten verstanden haben, die Silber für das bessere Gold halten.

 

In einem gerade veröffentlichten Bericht der ARD-Tagesschau von 20:00 Uhr wurde der SPON-Bericht teilweise bestätigt. Am Wochenende wird es wirklich eine Krisensitzung wegen Griechenland geben. Der US-Dollarraum tendierte heute stark, was man an dem erneuten Zuwachs des Quotienten aus USDX und den Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes um 0,9 Punkte auf 24,1 ablesen konnte. Sowohl der USDX stieg wegen des schwachen Euros um 0,5 Punkte auf 74,6 an, als auch die Real-Renditen der Staatsanleihen sanken um 0,1 Prozent-Punkte auf 3,1 Prozent.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.487,75

(€1.023,85)

$1.514,50

(€1.018,08)

- $26,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.486,50

(€1.024,61)

$1.511,00

(€1.029,36)

- $24,50

COMEX Schlusskurs

$1.491,60

(€1.037,20)

$1.481,50

(€1.016,36)

+ $10,10

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$34,20

(€23,53)

$37,84

(€25,52)

- $3,64

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.789,00

(€1.232,10)

$1.802,00

(€1.227,50)

- $13,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$721,00

(€496,55)

$729,00

(€496,60)

- $8,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,6

74,1

+ 0,5

Renditen 10-jährige Treasuries

3,1 %

3,2 %

- 0,1

Quotient aus USDX und Renditen

24,1

23,2

+ 0,9

 

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