Bericht für den 1. Juni 2011

 

Negative Überraschung vom US-Arbeitsmarkt

 

Wir sind Beobachter eines monatlichen Rituals, das öffentlichkeitswirksam zelebriert wird: Die Verkündung der monatlichen US-Arbeitsmarktdaten. Heute waren sie schlechter als erwartet – wobei Bloomberg diese eigene Einschätzung publiziert.

 

Nun wird schon seit vielen Monaten fast jeder zweite Dollar des US-Bundeshaushalts durch neue Schulden bezahlt, und es will sich auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht die erhoffte Besserung einstellen. Die Zahlen von heute waren weder gut noch schlecht – aber der Arbeitsmarkt stagniert. Trotz des vielen frischen Geldes, was dafür gedruckt wird.

 

Das ist sicherlich eine Erklärung für den gestrigen Preisverlauf des Goldes, das anders als Silber, Platin und Palladium nicht angestiegen ist. Denn es gehört zum Ritual der Arbeitsmarkt-Zahlen-Verkünder, dass Gold im Vorfeld gedrückt wird.

 

Abseits dieser Entwicklung scheint die US-Dollar-Papierfraktion aufgrund des kräftig steigenden Platin-Preises Angst bekommen zu haben. Denn diese Großinvestoren und Insider scheinen etwas zu wissen, was uns noch unerkannt erscheint. Jedenfalls ließ man heute die Aktien-Märkte kräftig nachgeben, nachdem man sie gestern noch mit einem großen Polster gepuscht hatte.

 

Zweite Beobachtung: Seit langer Zeit sind die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes auf 3,0 Prozent – also 0,1 Prozent-Punkte weniger als gestern – gefallen. Der US-Dollar hat heute einen indirekten Turbo zugeschaltet, der sich nicht beim US-Dollarindex (USDX) bemerkbar gemacht hat, sondern bei den Real-Renditen der langfristigen Staatsanleihen. Der von mir ermittelte Quotient aus USDX und den Real-Renditen stieg um 0,8 Punkte auf 24,9 an. Dieser komfortable Wert weit weg von der kritischen Grenze von 20 Punkten deutet eigentlich nicht auf ein akutes Problem im Dollar-Raum hin.

 

Gold stand bereits im frühen asiatischen Handel unter Druck. Die Rückgänge waren mit drei bis fünf Dollar aber mäßig. Um Londoner Vormittags-Handel bestätigte sich dieser leichte Kursrückgang. Mit $1.532,25 (EUR 1.062,96) wurde der A.M. Fix um fünf Dollar niedriger als gestern zur gleichen Zeit festgestellt.

 

Im frühen Nachmittag – im Vorfeld der Eröffnung der New Yorker COMEX – kam es zu einer Erholung, welche Gold wieder auf den letzten Stand des gestrigen New Yorker Handels beförderte. Nach Verkündung der Arbeitsmarkt-Zahlen kurz nach Beginn des COMEX-Handels tat sich weder in die eine, noch die andere Richtung etwas. Man wollte den P.M Fix um 16:00 Uhr MEZ abwarten, der überraschend schwach mit $1.533,75 (EUR 1.063,26) festgestellt wurde.

 

Kurz danach schien die Drückung jedoch nachzulassen, und Gold stieg innerhalb von 30 Minuten auf bis zu $1.550 an – eine Plus von $15. Das war dann dem Gold-Kartell aber zu viel des Guten – Gold wurde in zwei Drückungswellen wieder in Richtung der Marke von $1.540 gedrückt und beendete den COMEX-Handel mit $1.542,40 (EUR 1.073,12). Das entspricht einem 24 Stundenplus von acht Dollar und sechs Euro.

 

Die Rettungs-Versuche für Griechenland werden auch die nächste Woche das Geschehen an den Märkten direkt und vor allen Dingen indirekt beeinflussen. Diese Woche musste man kräftig in die Trickkiste greifen, um eine Alles-ist-Gut Meldung an den Markt abzugeben. Wenn sich diese Entwicklung in der nächsten Woche fortsetzen sollte, dann wäre das ein Hinweis darauf, dass sich die Situation in Griechenland weiter verschlimmert hat. Dabei ist die Pleite Griechenlands eigentlich nicht mehr steigerbar. Das ist so wie seinerzeit mit den US-Häusern, die mit $100.000 an Hypotheken belastet waren, aber nur noch einen Marktwert von $30.000 hatten. Die betroffenen Banken hat man auch dadurch gerettet, in dem man entweder die Bilanzierungs-Vorschriften aufgeweicht hat oder die Hypotheken als Wertpapiere gebündelt hatte und an die FED weitergereicht hat. Der Hausbesitzer war bereits schon arbeitslos und konnte seine Raten nicht mehr zahlen – das wurde mit allen möglichen Tricks abgewendet. Wenn der Schuldner sich für zahlungsunfähig erklärt, dann hilft das Verstecken der wahren Marktwerte in den Bilanzen der Banken und auch der FED gar nichts mehr. Dann müssen auch die wahren Verluste ausgewiesen werden. Das möchte man mit Griechenland unbedingt verhindern.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.532,25

(€1.062,96)

$1.537,00

(€1.066,25)

- $4,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.533,75

(€1.063,26)

$1.536,50

(€1.067,38)

- $2,75

COMEX Schlusskurs

$1.542,40

(€1.073,12)

$1.534,90

(€1.066,83)

+ $7,50

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$37,95

(€26,36)

$38,65

(€26,84)

- $0,70

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.828,00

(€1.269,00)

$1.828,00

(€1.269,90)

unverändert

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$780,00

(€541,50)

$777,00

(€539,75)

+ $3,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,6

74,6

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,1 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

24,9

24,1

+ 0,8

 

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