Bericht für den 15. Juni 2011

 

Euro-Schlachtefest

 

Auf den ersten Blick war der heutige Tag – zumindest bis zum Nachmittag – von einer Goldpreis-Drückung beherrscht. Aber bereits der Londoner A.M. Fix zeigte mit $1.517,75 (EUR 1.060,55) mit einem US-Dollarverlust von Eins und einem Euro-Gewinn von über Acht an, dass die Probleme wohl heute an anderer Stelle zu suchen sind.

 

Während Gold – und auch Silber, das dem Gold heute folgte – zum Londoner P.M. Fix plötzlich auf $1.529,75 (EUR 1.069,68) um vierzehn (14) Dollar und sagenhafte zwanzig (20) Euro anstieg, mussten Platin zwölf (12) und Palladium neun (9) Dollar abgeben.

 

Noch katastrophaler war die Situation beim US-Leichtöl (WTI), welches im Laufe des Tages über vier (4) Dollar nachgegeben hat. Gegen 20:15 Uhr MEZ stand Euro-Gold mit 1.076 Euro um über zwei (2) Prozent höher als noch am gestrigen Tag. Immer weniger Gold kauft die gleiche Menge Rohöl – das ist ein realer Kaufkraftzuwachs der Besitzer des gelben Metalls. Es soll sich also keiner beschweren, dass er derzeit nicht nur den Wert seines Vermögens sichern kann, sondern damit immer mehr Waren beziehungsweise Vorprodukte des täglichen Konsums beziehen kann. Darauf kommt es an – und auf nichts anderes.

 

Das war keine Aktion des Gold-Kartells, denn sonst hätten Gold und Silber fallen müssen, während Platin und Palladium stabil geblieben wären. Genau das Gegenteil war heute der Fall.

 

Die Heerscharen der Marktteilnehmer schichteten heute große Vermögenswerte vom Euro in den US-Dollar um – weil das einfach die Märkte sind, die sowohl aufnahme- als auch abgabefähig für riesige Geldmengen sind. Das Ende Griechenlands rückt in immer größeren Schritten näher – da können selbst die Politiker nichts mehr beschönigen. Der griechische Ministerpräsident hat heute seinen Rücktritt angeboten, um der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit nicht mehr im Wege zu stehen. Dabei gab es im Lande noch gar nicht die massiven Einschränkungen, die man sich in Anbetracht der Lage eigentlich vorstellen müsste. Eine Demokratie kommt eben mit solchen Situationen nicht zurecht – vorwärts immer, rückwärts nimmer, der vergilbte Honecker-Spruch manifestiert das ganze Dilemma einer Staatsform, die ihre Berechtigung aus Umverteilung und immer mehr kreditfinanzierten Lebens-Standard zur Leitlinie ihrer Existenz gemacht hat.

 

Das ist kein primär europäisches Problem. Besonders die Vereinigten Staaten haben diese Doktrin bis zum Exzess getrieben. Der US-Dollar ist also eine genauso marode Währung wie der Euro. Vom japanischen Yen und dem britischen Pfund einmal ganz abgesehen.

 

Natürlich werden wir die Stützung des Euros mit Hilfe der anderen Krüppel-Währungen sehen. Das ist unvermeidbar, denn man möchte ja maximal Kapital-Transfers zwischen den Währungs-Räumen zulassen. Aber nicht in Schatten-Geldsysteme, wie Gold oder Rohstoffe. Griechenland wird den Euro nicht kippen – es sei denn, unsere Politiker schaffen ein Junktim mit den derzeitigen Problemen Portugals und Irland, zukünftig Spaniens und Italiens. Diesen Weg ist man anscheinend aber schon gegangen, so dass die nächsten Opfer schon vorbestimmt sind.

 

Wahrscheinlich wäre es am Besten, wenn man zu nationalen Währungen zurückkehren würde, die Schulden und Guthaben mit dem Eröffnungskurs des Euro-Systems zurückrechnen würde und im Anschluss die stärkeren Währungen aufwertet und die schwächeren abwertet. Diese Neubewertung müsste auf Basis der Gläubiger-Währung für die Forderungen und die Schuldner-Währung für die Schulden erfolgen, damit man die Schuldner in nicht noch größere Probleme bringt. 500.000 Euro deutscher Forderungen an Griechenland werden dann in knapp eine Millionen DM umgerechnet. Die Griechen rechnen die Euro-Verbindlichkeiten zum alten Kurs in Drachmen zurück. Dann wird die DM gegenüber dem alten Euro beispielsweise um 20 Prozent aufgewertet, die Drachme um 15 Prozent abgewertet. Der deutsche Gläubiger hätte dann Forderungen in Drachme an Griechenland, die er mit einem kräftigen Abschlag in DM umwechseln könnte. Auf dieser Basis könnte man dann wieder einen Verrechnungs-Euro mit relativ stabilen Wechselkursen einführen, den wir in Form des ECU bereits zu Zeiten der europäischen Währungsschlange seit Anfang der siebziger Jahre hatten. Die Währungen durften innerhalb einem in heutigen Maßstäben eng bemessenen Korridor von 2,25 Prozent in die eine oder andere Richtung schwanken. Und falls eine Nation ausgesprochen wettbewerbsstark wurde, dann wurde deren Währung gegen den ECU aufgewertet.

 

 

Das bedeutet natürlich auch, dass größerer zweistelliger Prozent-Satz der Euro-Forderungen Deutschland gegenüber den Südstaaten abzuschreiben ist. Dieser Haircut würde dann aber indirekt durch die Währungs-Abwertung beispielsweise der italienischen Lira gegenüber der Deutschen Mark erfolgen. Die Option einer Umschuldung oder eines nominellen Haircuts der Gläubiger bliebe den Politikern weiter erhalten. Die Sparer würden erst einmal gemäßigt geschoren, ohne zugeben zu müssen, dass auch die deutschen Staatsanleihen ultima ratio genauso wenig rückzahlbar sein werden.

 

 

Natürlich werden die deutschen Industrie-CEOs schreien, da ihnen damit bestimmte Absatz-Märkte genommen werden (und damit ihre üppigen Boni). Aber die Schweiz muss derzeit mit der Franken-Stärke einen ähnlichen Anpassungs-Prozess durchleben.

 

Man muss sich bloß von der Ideologie des Euros lösen. Wenn man das nicht tut, dann wird die Katastrophe umso heftiger sein.

 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.517,75

(€1.060,55)

$1.519,00

(€1.052,08)

- $1,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.529,75

(€1.069,68)

$1.516,00

(€1.049,50)

+ $13,75

COMEX Schlusskurs

$1.524,80

(€1.075,37)

$1.523,00

NA

+ $1,80

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$35,26

(€24,66)

$34,68

(€24,04)

+ $0,58

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.784,00

(€1.249,30)

$1.796,00

(€1.244,20)

- $12,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$785,00

(€549,70)

$794,00

(€550,05)

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,7

74,4

+ 1,3

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,1 %

- 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

25,2

24,0

+ 1,2

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2011

Parse Time: 0.242s