Bericht für den 22. Juni 2011

 

Nichts Entscheiden ist auch eine Entscheidung

 

Das zweitägige Meeting des Offenmarktausschusses der FED (FOMC) ist heute ohne – zumindest offiziell gemeldete – Entscheidungen zu Ende gegangen. Es wurden keinerlei Entscheidungen beispielsweise über eine Verlängerung des Ankaufprogramms für US-Staatsanleihen getroffen. Auch über QE3 als Nachfolge-Programm wurde nichts bekannt.

 

Man bemerkte lediglich, dass die US-Konjunktur langsamer wachsen würde als prognostiziert. Aber mit korrekten Prognosen hatte die FED ja schon immer ihre Probleme.

 

Spät am gestrigen Abend hat die regierende PASOK ihrem Minister-Präsidenten im griechischen Parlament das Vertrauen ausgesprochen. Das heißt zwar noch nicht, dass die Sparbeschlüsse, über die in der nächsten Woche entschieden werden soll, das Parlament passieren werden. Aber dies wird wohl das erwartete Ergebnis sein. Wahrscheinlich hat man die eigenen Abgeordneten so zur Brust genommen, dass ein unkontrollierter Staatsbankrott zur Ausrufung des Kriegsrechts oder sogar zu einer Militär-Diktatur führen würde. Entsprechende Berichte, die angeblich von der CIA kamen, wurden ja öffentlichkeitswirksam lanciert. Das erinnert mich an die Rettungsmaßnahmen der Bush-Regierung (das $700 Millionen TARP-Programm) nach der Lehman-Pleite, wo die Kongress-Abgeordneten auch massiv bedrängt worden waren.

 

Gerne betont man, wie unwichtig Griechenland mit einem Anteil von zwei Prozent an dem Gesamt-Bruttoinlandsprodukt der Euro-Staaten sei. Auf der anderen Seite fürchtet man wie der Teufel das Weihwasser den Konkurs oder selbst die Umschuldung dieses Landes, weil sonst Verhältnisse wie nach Lehman2008 drohten.

 

Das Finanzsystem im Allgemeinen und der Euro im Besondern stehen also auf viel wackligeren Füßen, als uns die selbsternannten Experten weiss machen wollen. Man hat Angst, dass das Ziehen der Karte Griechenland nicht nur im Euro-Raum das Kartenhaus zum Einsturz bringen wird, sondern wohl das gesamte Weltfinanz-System. Darum hat sich der US-Imperator persönlich in die Euro-Rettung eingemischt, indem er durch die Verleihung des höchsten amerikanischen Ordens an Angela Merkel deren Ego gebauchpinselt hat.

 

Ausbaden muss dies wieder einmal der Steuer-Michel.

 

Die derzeitige Ruhe am Goldmarkt, die sich auch heute prinzipiell fortsetzte, soll den Markt-Teilnehmern suggerieren, dass es derzeit keine signifikanten Probleme gäbe. Mit einer Goldpreis-Drückung hätte man den Chinesen und anderen Schnäppchen-Jägern die Möglichkeit eröffnet, sich noch billig mit Gold einzudecken. Würde der Goldpreis in dieser Situation dagegen kräftig steigen, dann wäre das ein sichtbarer Misstrauens-Beweis für die Papier-Währungen.

 

Und so war heute der kurz nach Eröffnung der New Yorker COMEX beobachtete Anstieg des Goldpreises von $1.545 auf knapp $1.560 das höchste der Gefühle, das wir erleben durften. Zum COMEX-Schluss verfiel dieser Kurs dann wieder stetig bis auf das Niveau des Londoner P.M. Fixes ($1.552,50 / EUR 1.077,38) bei $1.553,00.

 

Wegen des morgigen Feiertags wird der Bericht entweder komplett ausfallen, wenn sich die derzeitige Preisentwicklung so fortsetzen sollte. Oder er wird gegebenenfalls erst am Freitagmorgen erscheinen. 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.546,00

(€1.074,36)

$1.543,00

(€1.077,21)

+ $3,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.552,50

(€1.077,38

$1.544,75

(€1.074,91)

+ $7,75

COMEX Schlusskurs

$1.553,00

NA

$1.545,60

(€1.074,44)

+ $7,40

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$35,91

(€24,99)

$36,22

(€25,22)

- $0,31

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.749,00

(€1.215,45)

$1.740,00

(€1.209,60)

+ $9,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$767,00

(€533,35)

$761,00

(€529,00)

+ $6,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,7

74,6

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

3,0 %

3,0 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

24,9

24,9

unverändert

 

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