Bericht für den 29. Juni 2011

 

See you later in six month

 

Das griechische Parlament hat mit der denkbar knappsten Mehrheit den Weg für die Spar- und Privatisierungs-Maßnahmen frei gemacht. Den Eurokraten ist heute wohl ein Stein vom Herzen gefallen. Aber richtige Freude will nicht so wie im Mai letzten Jahres aufkommen, wo man gedacht hatte, das Griechenland-Problem endgültig gelöst zu haben.

 

Es hat seinerzeit zwölf Monate und zwei weitere Rettungs-Opfer – nämlich Irland und Portugal – gedauert, bis die nächste Griechenland-Krise ausgebrochen ist. Da die Probleme weder fundamental noch nachhaltig gelöst sind, wird die nächste Griechenland-Krise wohl nach dem Gesetz der exponentiellen Ausweitung der Schulden (und damit der Probleme) uns in sechs Monaten erneut treffen. Ob in der Zwischenzeit dann Belgien, Spanien oder Italien auf der Schlachtliste des Bond-Marktes stehen werden, ist eher gewiss als unwahrscheinlich.

 

Unsere Euro-Politiker werden sich also in immer kürzeren Abständen mit der Euro-Rettung beschäftigen müssen. Wegen der Trägheit der Politik wird es dann bei der exponentiellen Ausweitung der Probleme irgendwann zu der Situation kommen, dass die Politiker sich ausschließlich mit der Euro-Rettung beschäftigen müssen. Das wird dann die Zeit sein, wo während der Bewältigung des N-ten Problems bereits das N+1-te Problem auftauchen wird.

 

Versuchen wir also einmal eine rein mathematische Projektion des weiteren Verlaufs der Krise: Die Maßnahmen für eine weitere Euro-Rettung seien mit einem Monat angenommen. Dieser Monat inkludiert das Erfassen des Problems, die Erarbeitung von Lösungs-Vorschlägen, die Entscheidung und schließlich die Durchsetzung in den Parlamenten. Wir können aus den Rettungen der vergangenen Monate herleiten, dass das demokratische System der Gewaltenteilung mit Hilfe der Floskel alternativlos praktisch beliebig ausgehöhlt werden kann – die Legislative und Jurisdiktion sind als bezahlte Beinebreitmacher lediglich als ein verfassungsrechtliches Placebo, aber keine wirksame Macht im Staate zu sehen; ergo weder Zeitverzögerer noch mögliche Verhinderer. Schneller als die Demokratie unserer Block-Parteien kann auch ein autoritäres Regime solche Entscheidungen nicht durchboxen. Selbst für Gregor Gysi von der Partei DIE LINKE ist der Euro schon längst der neue antifaschistische Schutzwall, der die marode EU-Dikatur vor Ausblutung schützen soll. Die Mitglieder des Polit-Büros des Merkel-Regimes neben den anderen Parteien der nationalen EU-Front wie die SPD und die GRÜNEN sehen das genauso. Die heutige EU steht also der damaligen DDR in nichts mehr nach: Aufpolierte Parolen zum zwanzigsten Gipfel-Treffen der Regierungs-Chef, angebracht an den Fassaden einer bröckelnden Wirtschaft.

 

Nehmen wir weiter an, dass die nach Griechenland folgenden Rettungs-Kandidaten nicht too-big-to-bail sein werden, was einem bei Betrachtung von Schwergewichten wie Spanien und Italien wohl schwer fallen wird.

 

Die nächste Griechenland-Krise wird im November des Jahres auftreten mit einer erneuten Rettung im Dezember. Die darauf folgende Krise im Februar 2012 mit einer weiteren Rettung im März 2012. Aber Mitte März kommt dann schon die nächste Griechenland-Krise. Ab diesem Zeitpunkt können die Politiker trotz ihrer Alternativlos-Politik die Krise nicht mehr in den Griff bekommen, weil vor der Lösung der aktuellen Krise schon die nächste auftreten wird.

 

Das ist nach mathematischer Approximation dann diejenige Situation, in welcher der Euro endgültig Geschichte sein wird.

 

Der heutige Goldtag ist kurz zusammengefasst: Nachdem sich Gold auf US-Dollarbasis am gestrigen Tag stabilisieren konnte, gelang das gleiche dem gelben Metall heute auch in Euro gemessen. Das bestätigt meine These, dass die EZB-Notenbanken wohl aktiv im Vorfeld der griechischen Entscheidung massiv in den Gold-Markt eingegriffen haben. Aber deren physische Gold-Reserven sind auch nicht unbegrenzt und selbst nicht so hoch, wie es international aus offiziellen Quellen ausgewiesen wird.

 

Der Quotient aus dem US-Dollarindex (USDX) und den Real-Zinsen der 10-jährigen Treasury Notes ist innerhalb von zwei Tagen um knapp zwei Punkte auf 24,1 abgerutscht. Hieran sieht mal, wie sich selbst das Imperium dem Überleben der Euro-Idee aufopfern tut.  

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.506,00

(€1.046,85)

$1.502,50

(€1.052,32)

+ $3,50

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.504,25

(€1.047,16)

$1.499,00

(€1.045,11)

+ $5,25

COMEX Schlusskurs

$1.510,20

(€1.047,40)

$1.499,60

(€1.045,89)

+ $10,60

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$34,39

(€23,82)

$33,96

(€23,81)

+ $0,43

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.716,00

(€1.189,60)

$1.692,00

(€1.181,55)

+ $24,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$743,00

(€515,10)

$734,00

(€512,55)

+ $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,7

75,1

- 0,4

Renditen 10-jährige Treasuries

3,1 %

3,0 %

+ 0,1 %

Quotient aus USDX und Renditen

24,1

25,0

- 0,9

 

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