Bericht für den 6. Juli 2011

 

Euro-Problem-Häufung

 

In diesem Sommer wird eine Berufsgruppe in Europa auf den Urlaub wohl verzichten müssen. Denn nachdem unsere Politiker mit weiteren über hundert Milliarden Euro das Problem Griechenland in den Griff zu glaubten wissen, steht in Portugal nun der nächste Rettungs-Fall ante portas.

 

Das die letzte Woche geprügelte Gold schlug heute mächtig zurück: Mit EUR 1.068,86 ($1.529,00) konnte das gelbe Metall zum COMEX-Schluss dreiundzwanzig Euro oder 2,2 Prozent am heutigen Tage zulegen. Weit weg von einem neuen historischen (Eurogold-)Höchststand ist das wahrlich nicht.

 

Dabei ist die erneute Rettung Griechenlands noch gar nicht unter Dach und Fach. Es schwebt immer noch das Damokles-Schwert einer Bewertung der angeblich freiwilligen Laufzeitverlängerung der Staatsanleihen durch Banken und Versicherung über das Land. Sollten die Rating-Agenturen zu dem Schluss kommen, dass dies ein verkappter Default sei, dann kann es wirklich sehr ungemütlich werden.

 

Deshalb prügeln unsere Euro-Rettungs-Politiker nun auch unkontrolliert auf die angebliche unfaire Bewertung durch die Rating-Agenturen und schreien nach einer eigenen europäischen Rating-Agentur. Die soll dann – wie dies bislang auch die drei Großen lange Jahre praktiziert haben – Gefälligkeits-Bewertungen abgeben, um zumindest den Schein solider Staatsanleihen zu wahren.

 

Aber aus der Bewertung der Ereignisse seit dem Jahr 2006, die dann mit der Lehman-Pleite im Herbst 2008 eskalierten, wissen wir, dass selbst in AAA bewerteten Papieren vielfach nicht mehr steckt als ein kurz vor dem Default (Rating D) stehendes Finanz-Produkt. Eine realistische Einschätzung des Konkurs-Risikos haben uns seinerzeit die zu zahlenden Risiko-Prämien für sogenannte CDS – Credit Default Swaps – gegeben. Hiermit kann ein Investor eine Versicherung gegen das Ausfall-Risiko eines bestimmten Finanz-Produkts abschließen. Geht das Produkt in den Default, dann wird das Finanz-Produkt an die Gegenpartei des CDS-Geschäfts weitergereicht, die wiederum dafür den vollen Nominalwert des Papiers zahlt. Je höher das Konkurs-Risiko, desto höher ist die Prämie für das CDS Papier. Steigende Preise deuten also auf ein steigendes Konkurs-Risiko des zugrunde liegenden Finanz-Produkts hin. Aus der Versicherungs-Prämie in Prozent des zu versichernden Investments lässt sich eine faire Bewertung des Finanz-Produkts herleiten. Diese faire Bewertung war dabei meist um mehrere Stufen schlechter als die von den Rating-Agenturen abgegebenen Bewertungen.

 

Der gestrige Schritt von Moody’s, das Rating von portugiesischen Staatsanleihen um mehrere Stufen auf einmal zu senken, war also längst überfällig. Da kann die EU-Kommission auch noch so viel toben wie sie will.

 

Beim Gold ging es den heutigen Tag bis auf einen Drückungs-Versuch vor Eröffnung der New Yorker COMEX sowohl in US-Dollar als auch – durch den Euro-Verfall verstärkend wirkend – in Euro kräftig bergauf. Einen Ausbruch über die Marke von $1.530, der Gold zeitweise bis auf $1.535 hochtrieb, wurde jedoch vom Gold-Kartell verhindert.

 

Auch die US-Dollaranstiege zu den drei Messpunkten, dem Londoner A.M. Fix um 11:30 Uhr, dem P.M. Fix um 16:00 Uhr und dem COMEX-Schluss um 19:30 Uhr MEZ wiesen mit Werten zwischen $17,05 bis $17,50 einen bemerkenswerten Gleichklang auf.

 

Der US-Dollarindex (USDX) verbesserte sich wegen des schwachen Euros um 0,7 Punkte auf 75,1. Die Real-Renditen der 10-jährigen Treasury Notes verharrten mit leichten Kurs-Gewinnen (also Real-Renditeverlusten) bei 3,1 Prozent. Der Quotient aus beiden Werten nahm um 0,2 Punkte auf 24,2 zu.

 

Es ist also wieder einmal gelungen, den Fokus von den bestehenden Problemen im US-Dollarraum – unter anderem verbirgt sich dahinter nichts geringeres als ein Default der Vereinigten Staaten im August, wenn die Abgeordneten der Republikaner nicht der Anhebung der Schulden-Obergrenze zustimmen sollten – auf den Euro-Raum zu lenken.

 

Ein makaberes Schauspiel, das uns hier geboten wird: Wer wird das erste Opfer? Aber dem Gewinner würde sowieso nur das Privileg zuteil, der Zweite auf dem Schafott zu sein. 

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.515,80

(€1.056,23)

$1.498,75

(€1.035,76)

+ $17,05

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.527,25

(€1.066,37)

$1.510,00

(€1.042,82)

+ $17,25

COMEX Schlusskurs

$1.529,00

(€1.068,86)

$1.511,50

(€1.045,74)

+ $17,50

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$35,38

(€24,67)

$34,76

(€24,01)

+ $0,62

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.743,00

(€1.216,75)

$1.731,00

(€1.195,05)

+ $12,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$776,00

(€541,70)

$772,00

(€532,95)

+ $4,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,1

74,4

+ 0,7

Renditen 10-jährige Treasuries

3,1 %

3,1 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

24,2

24,0

+ 0,2

 

© Copyright Dr. Neugebauer Handels-Consulting 2009-2011

Parse Time: 0.302s