Bericht für den 15. Juli 2011

 

Stress mit den Stresstests

 

Am heutigen Abend hat die European Banking Authority (EBA) die Ergebnisse ihrer europaweit durchgeführten Banken-Stresstests veröffentlicht. Erwartungsgemäß sind einige Banken durchgefallen.

 

Aber lassen wir die offizielle Propaganda einmal links liegen und analysieren das unter http://stress-test.eba.europa.eu/ veröffentlichte Zahlen-Material. Erst einmal ist es interessant, dass die deutsche Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die kompletten Ergebnisse leicht auffindbar auf ihrer Webseite veröffentlicht haben. Bei dem französischen Äquivalent der Bundesbank, der Bank de France, musste man schon etwas länger nach den Details suchen.

 

Da die offiziellen Stresstests nicht die Auswirkungen der europäischen Staaten-Krise auf die Bilanzen der Banken modelliert haben, standen die von deutschen und französischen Banken gehaltenen Staatsanleihen und sonstige Ausleihungen an den italienischen und spanischen Staat im Mittelpunkt meiner Betrachtung.

 

Der Stress-Bericht hat zwölf deutsche und vier französische Banken betrachtet. Von den deutschen Banken waren sieben mit Ausleihungen signifikant oberhalb der Grenze von einer Milliarde Euro in Italien und Spanien beim Staat engagiert. Die vier französischen Banken lagen alle weit oberhalb dieser Grenze.

 

Insgesamt sind die Commerzbank, gefolgt von der HRE, der Deutschen Bank, der DZ Bank, der WGZ Bank, der NordLB und der WestLB mit insgesamt 33,636 Milliarden Euro in Italien und 16,683 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Macht insgesamt 50,319 Milliarden Euro.

 

Die vier französischen Banken, beginnend mit BNP Paribas, gefolgt von Credit Agricole und Societe Generale und schließlich BPCE sind mit insgesamt 53,004 Milliarden Euro in Italien und 14,631 Milliarden Euro in Spanien engagiert. Macht insgesamt 67,635 Milliarden Euro.

 

Wieder einmal hätten die Franzosen bei einer europaweit initiierten Rettung, vorrangig argumentiert für die Länder selbst, aber in Wirklichkeit zur Rettung des eigenen Bankensystems den Vorteil, dass Deutschland einen Großteil der Last tragen müsste. Denn der deutsche Anteil ist gemäß des Gewichts des Landes im Euro-System und damit auch den abgeleiteten Rettungsfonds wesentlich höher als der von Frankreich.

 

Diese Zahlen muss man im Hinterkopf haben, wenn wir die bevorstehenden Kämpfe um weitere Euro-Rettungsmaßnahmen finanzpolitisch einordnen wollen.

 

Der Banken-Stresstest hat nun transparent gemacht, was man bereits aufgrund von Zahlen der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) vermuten konnte: Französische Banken wären von einer Staatspleite Italiens und auch Spaniens erheblich betroffen. Aber auch der Betrag, der sich bei deutschen Banken zusammenaddiert, ist schwer verdaulich. Zumal es mit der Commerzbank und der HRE sowie einigen Landesbanken sowieso die bereits unter staatlichem Kuratel stehenden Institute erwischen dürfte.

 

Gold stand den heutigen Vormittag unter erheblichen Druck, der das gelbe Metall bis auf $1.577 sinken ließ. Zum A.M. Fix um 11:30 Uhr MEZ stand das gelbe Metall mit $1.578,50 (EUR 1.115,00) um vierzehn Dollar unter dem gestrigen Stand.

 

Aber mit Beginn des COMEX-Handels konnte sich Gold kontinuierlich erholen. Um 16:00 Uhr MEZ zum P.M. Fix war der Tagesverlust auf knapp vier Dollar zusammengeschrumpft - $1.578,00 (EUR 1.124,42) lauteten die Kurse zum Fixing.

 

Der kontinuierliche Anstieg setzte sich bis zum Ende des COMEX-Handels fort, so dass Gold mit $1.590,10 (EUR 1.123,67) immerhin nun einen Dollar im Vergleich zum gestrigen COMEX-Schlusskurs zulegen konnte.

 

Beim US-Dollarindex (USDX) und den Realrenditen der 10-jährigen Treasury Notes tat sich erneut nichts. Beide Parameter scheinen wie festgenagelt.

 

Diese Woche war für Gold durchaus erfolgreich. Auf Dollar-Basis stieg der Kurs um $48 beziehungsweise um 42 Euro. Das sollte sich nächste Woche fortsetzen, wenn sich US-Präsident und Kongress nicht auf einen Kompromiss zur Erhöhung der Schulden-Obergrenze am Wochenende einigen können. Außerdem droht Anfang nächster Woche erneut die Verstetigung der Euro-Krise.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.578,50

(€1.115,00)

$1.592,50

(€1.119,04)

- $14,00

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.587,00

(€1.124,42)

$1.590,50

(€1.117,32)

- $3,50

COMEX Schlusskurs

$1.590,10

(€1.123,67)

$1.589,40

(€1.122,38)

+ $0,70

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$38,17

(€26,98)

$39,40

(€27,79)

- $1,23

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.760,00

(€1.246,00)

$1.777,00

(€1.248,75)

- $17,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$777,00

(€550,10)

$788,00

(€553,75)

- $11,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

75,2

75,2

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

2,9 %

2,9 %

unverändert

Quotient aus USDX und Renditen

25,9

25,9

unverändert

 

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