Bericht für den 8. August 2011

 

Wir Kinder vom Bahnhof EZB

 

Beginnen wir den heutigen Bericht mit ein wenig Statistik: Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) gab heute im Laufe des Tages um 635 Punkte nach und schloss den New Yorker Handel bei 10.810 Punkte, was gleichzeitig den Tages-Tiefpunkt signalisierte. Ein Tagesverlust von 5,5 Prozent. Der DAX gab zum frühen Abend 313 Punkte oder 5 Prozent seines Wertes ab und beendete den Handel in Frankfurt mit 5.923 Punkten ebenfalls auf Tages-Tiefpunkt.

 

Großer Gewinner des Tages war das Gold, dass mit $1.710,90 (EUR 1.204,98) zum COMEX-Schluss zwei wichtige historische Höchststände überwandt. Mit $61,40 betrug der Tagesgewinn 3,7 Prozent. Beim Euro-Kurs sah es sogar noch besser aus: Plus EUR 47,83 oder 4,1 Prozent.

 

Wo war das als Reaktion auf den Schwarzen Montag vom 19. Oktober 1987 durch Executive Order 12631 von Ronald Reagan etablierte Plunge Protection Team (PPT), das offiziell President’s Working Group on Financial Markets heißt. Zur Erinnerung: An diesem denkwürdigen Montag des Jahres 1987 fiel der DJIA um über 500 Punkte oder 22,6 Prozent.

 

Das PPT war schon allgegenwärtig – hat es doch noch schlimmere Abstürze als im Jahr 1987 verhindern können. Man kann sich vorstellen, dass in den mit Kreditgeld stark gehebelten Aktienmärkten ein solcher Einbruch wie 1987 zu einem plötzlichen Tod des Finanzsystems geführt hätte. So waren es dann heute nur 5,5 Prozent.

 

Aber auch das Gold-Kartell hat heute eine wichtige Funktion zur vorläufigen Rettung des Systems erbringen können. In Anbetracht der Tatsache, dass es keine klassischen Krisen- und Fluchtwährungsräume mehr auf der Erde gibt, hätte Gold heute eigentlich um 20 Prozent zulegen müssen.

 

Herr Vartian hat in seinem Hart Asset Makro vom Wochenende darauf hingewiesen ( http://www.goldgenossenschaft.net/media/40f3a37295868eccffff81c0fffffff0.pdf ), dass die Überlebensfähigkeit des Systems derzeit daran hängt, ob die Bank of Japan (BoJ) durch massive Liquiditäts-Einstreuung den Anstieg des Yen gegenüber dem Dollar verhindern kann. Das ist heute jedoch nicht gelungen, denn der Yen stieg gegenüber dem US-Dollar um ein Prozent an.

 

Dieser Yen-Anstieg führt, da die BoJ an der Spitze der Liquiditäts-Pyramide steht und mit dieser Liquidität über Währungs-Carry-Trade Geschäfte in der Vergangenheit die Welt-Finanzmärkte mit Spekulationsmasse-Liquidität zu null Prozent Zinsen versorgt hat, nun zu einer inversen Entwicklung: Die Positionen im Nicht-Yen Markt müssen zwangsliquidiert werden, weil Margin Calls und Stop Loss Marken wegen des Yen-Anstiegs die Spekulanten in zunehmenden Maße in die Verlustzone treiben.

 

Kann diese Bewegung nicht innerhalb weniger Tage aufgehalten und rückgängig gemacht werden, dann können auch kein PPT oder Gold-Kartell mehr helfen – der Exitus des US-Dollars und aller anderen Papierwährungen droht. Weil alle anderen Währungen – der Euro eingeschlossen – nur Derivate des US-Dollars sind.

 

Aber auf Teufel-komm-raus Yen zu drucken und auf den Markt zu werfen, kann auch kontraproduktiv sein. Dann strömt diese neu geschaffene Liquidität zum Teil in die Edelmetall-Märkte – nach der Devise rette sich wer kann würde dann der Goldpreis in astronomische Höhen getrieben.

 

Auf diesem schmalen Grad müssen nun die BoJ, die FED, die BoE und auch die EZB wandern. Und das bei immer schlechter werdenden Wetterverhältnissen. Der Absturz ist vorprogrammiert und wird wohl unerwartet eintreten.

 

Am morgigen Dienstag wird eine Vorentscheidung getroffen: Die BoJ muss am frühen Vormittag den deflationären Kollaps des Systems verhindern und am Nachmittag tagt der Offenmarkt-Ausschuss der FED (FOMC), welches geldpolitische Kaninchen man noch aus dem Hut zaubern kann.

 

Währenddessen lungern die unter EZB-Drogen stehenden Euro-Länder der PIGS-Region auf dem Bahnhofs-Vorplatz herum und warten auf die nächste geldpolitische Spritze. Die Dosen werden immer stärker und die EZB-Drogen machen immer größere Länder abhängig. Selbst wenn BoJ und FED mit ihren Maßnahmen etwas Zeit gewinnen sollten, dann droht immer noch der goldene Schuss einzelner Länder im Euro-System.

 

Wir sind eben alle Kinder vom Bahnhof EZB.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.709,75

(€1.195,21)

$1.665,00

(€1.176,67)

+ $44,75

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.693,00

(€1.194,10)

$1.658,75

(€1.167,47)

+ $34,25

COMEX Schlusskurs

$1.710,90

(€1.204,48)

$1.649,50

(€1.156,65)

+ $61,40

 

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$39,86

(€27,96)

$39,24

(€27,69)

+ $0,62

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.725,00

(€1.217,35)

$1.709,00

(€1.206,90)

+ $16,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$733,00

(€517,30)

$742,00

(€524,00)

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,7

74,6

+ 0,1

Renditen 10-jährige Treasuries

2,3 %

2,5 %

- 0,2

Quotient aus USDX und Renditen

32,5

29,8

+ 2,7

 

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