Bericht für den 11. August 2011

 

Spekulanten-Schlachtung

 

Gold versuchte im frühen asiatischen Handel erneut den Sprung über die Marke von $1.800. Obwohl das gelbe Metall bis auf $1.820 hochschnellte, setzte plötzlich eine ebenso starke Gegenbewegung ein. Grund: Die CME Group als Betreiber des Gold Future-Handels setzte plötzlich die Margin-Anforderungen für die sogenannten Spekulanten hoch.

 

Das tat sie natürlich nicht ohne Grund. Denn mit solchen Maßnahmen sollen Spekulanten auf der Long-Seite bei stark steigenden Märkten aus ihren Positionen geworfen werden, um die auf der Short-Seite stehenden Banken vor dem Untergang zu bewahren. Denn anders als bei einer Long-Position, wo man maximal den Gesamtwert des darunterliegenden Portfolios verlieren kann, ist das Verlust-Potential der Shorties unbegrenzt. Es sei denn, ihre Short-Positionen sind mit wirklich vorhandenem Gold hinterlegt, welches sie im Notfall liefern können. Aber daran glaubt schon lange keiner mehr, denn es handelt sich hierbei zum Großteil um naked Shorts.

 

Auf der anderen Seite hat der diese Woche stark steigende Gold-Preis eine Reihe von Spekulanten angezogen, die an dem Anstieg ebenfalls kräftig verdienen wollen. Diese Gruppe ist besonders sensibel gegen Preissignale und externe Einflüsse und betätigt schnell – meistens automatisch – die Verkaufstaste, wenn solche Ereignisse eintreten sollten.

 

Insoweit war die heutige Aktion des Gold-Kartells generalstabsmäßig vorbereitet, zumal viele dieser Spekulanten noch Trading-Konten über die Gold-Kartell Banken wie JP Morgan Chase, HSBC und die Deutsche Bank halten. Das Gold-Kartell hat also direkten Einblick auf Positionen und mögliche Margin Call Marken der Spekulanten.

 

Ein zweiter wichtiger Aspekt ist, dass das Gold-Kartell in einem solchen Markt als Glättungs-Polizei auftritt – es eliminiert in kurzen und harten Schlägen diejenigen, die am Goldpreis-Anstieg eigentlich nur einen schnellen Dollar verdienen wollen aber gar nicht an dem Edelmetall als Rettungsanker interessiert sind. Diese zittrigen Hände sind sowieso für den weiteren Anstieg mehr hinderlich als hilfreich.

 

Das Gold-Kartell tut sich in den letzten Jahren schwer, die Preisdrückung während des Londoner Edelmetall-Marktes einzuleiten. Der Grund ist einfach, dass die Notenbanken nicht mehr willens beziehungsweise in der Lage sind, physisches Gold über Leasing-Geschäfte den Gold-Kartell Banken zur Verfügung zu stellen. Denn dieses verleaste Gold kommt nicht mehr zurück, weil es weiterhin eine wesentlich höhere Nachfrage nach Gold gibt, als der Markt auf der Angebotsseite bieten kann.

 

So werden die Drückungs-Aktionen in ihrer starken Wirkung nach 16:00 Uhr MEZ – das heißt nach Ende des Handels in London – im New Yorker Future-Handel durchgeführt.

 

Die Anhebung der Margin-Anforderungen hat dabei sicherlich schon eine Reihe von Spekulanten aus den Markt geworfen. Denn um ihre bestehenden Long-Positionen in Gold halten zu können, hätten sie zusätzliches Bargeld als Reserve einbringen müssen. Haben sie dieses Geld nicht, dann bleibt nur die Auflösung der Position (oder eines Teils davon), bis die neuen Margin-Anforderungen erfüllt sind.

 

An dieser Stelle greift das Gold-Kartell nun ein: Die Banken verzichten für eine Zeit darauf, Long-Positionen von den Spekulanten anzukaufen und stellen Verkaufskurse untereinander, die wesentlich unter den derzeitigen Kursen liegen. Da die Spekulanten verkaufen müssen, tun sie dies auf diesem niedrigeren Niveau.

 

Je tiefer der Goldpreis jedoch sinkt, desto mehr Spekulanten werden zur Auflösung ihrer Long-Positionen gezwungen. Das führt dann zu weiteren Kurs-Rutschen, die wegen Geldmangels bei den Spekulanten auch panisch werden können. Im Notfall wird die Position durch die COMEX zwangsliquidiert.

 

Die seriösen Goldkäufer, die es auf physisches Material über den COMEX-Umweg abgesehen haben, erfassen diese Situation natürlich auch. Denn sie sind auf der Suche nach dem gelben Metall zum besten Preis. Und wenn der Markt kräftig sinkt, dann halten sie sich auch mit ihren Angeboten zurück.

 

Mit der Zeit sind dann die Spekulanten aus dem Markt vertrieben und sowohl das Gold-Kartell hat Kauf-Druck, um seine Shorts zu decken, als auch die Käufer müssen für ihre Kunden einkaufen. Ab diesem Zeitpunkt erholt sich der Goldpreis, wobei diese Erholung noch durch ein anderes Phänomen verzögert werden kann. Nämlich die Spekulanten auf der Short-Seite, die nun ähnlich wie die Spekulanten auf der Long-Seite bei steigenden Märkten auf weiter fallende Märkte spekulieren. Diese Gruppe kann den Rückgang des Preises noch einmal anheizen, wird aber letztlich genauso geschlachtet werden, wie die Longs – in diesem Fall kommt es zu einem plötzlichen und kräftigen Anstieg des Kurses.

 

Der Tages-Tiefstand kam heute zum COMEX-Schluss mit $1.747,90 (EUR 1.231,61) zustande – ein Verlust von $35.

 

Ist das nun die Trendwende zum Besseren – sind die Probleme der USA und Europas nun ausgestanden? Natürlich nicht, auch wenn die europäischen und amerikanischen Aktienindizes um mehr als drei Prozent stiegen.

 

Die derzeitige Systemcrash-Warnung muss weiterhin aufrecht erhalten bleiben.

 

Wichtige Marktdaten im Überblick

 

Gold-Preis

Heute

Vortag

Veränderung

Gold A.M. Fix (LBMA)

$1.786,00

(€1.254,39)

$1.753,75

(€1.219,06)

+ $32,25

Gold P.M. Fix (LBMA)

$1.760,00

(€1.239,52)

$1.772,00

(€1.246,92)

- $12,00

COMEX Schlusskurs

$1.747,90

(€1.231,61)

$1.782,70

(€1.256,75)

- $34,80

 

Weiße Edelmetalle

 

 

 

Silber Fix (LBMA)

$39,18

(€27,58)

$38,31

(€26,65)

+ $0,87

Platin P.M. Fix (LPPM)

$1.780,00

(€1.256,60)

$1.754,00

(€1.230,00)

+ $26,00

Palladium P.M. Fix (LPPM)

$732,00

(€516,75)

$741,00

(€519,65)

- $9,00

andere Marktdaten

 

US-Dollar Index (USDX)

74,7

74,7

unverändert

Renditen 10-jährige Treasuries

2,3 %

2,1 %

+ 0,2 %

Quotient aus USDX und Renditen

32,5

35,6

- 3,1

 

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