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Bericht für den 16. August 2011 XXL-Aufschwung mit XXS-Zuwachs Die Überraschung des
Tages: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal nur um 0,1 Prozent
gegenüber dem ersten Quartal gewachsen. In Frankreich stagnierte die
Wirtschaftsleistung sogar. Ist das nun der XXL-Aufschwung Deutschlands, mit dem uns Bundesregierung
und die Propaganda-Medien tagtäglich bombardieren? Dabei ist es allein
schon durch die unterschiedliche Auslegung des Begriffs Bruttoinlands-Produkts
(BIP – auf englisch Gross Domestic
Product oder GDP) schwierig, einen marginalen
Aufschwung von einem wirklichen Abschwung unterscheiden zu können. Denn der Begriff
Bruttoinlands-Produkt lässt den Statistikern vielfältigen Interpretations- und
somit Manipulations-Spielräume. Laut Wikipedia
definiert sich das BIP wie folgt: Das
Bruttoinlandsprodukt (Abkürzung: BIP) gibt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen) an, die innerhalb eines
Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und
dem Endverbrauch dienen. Was sind nun beispielsweise
Dienstleistungen – gehören dazu auch kalkulatorische Mieten, die ein
Eigennutzer seiner Wohnung als Mieter hätte zahlen müssen, wenn er kein
Eigentümer wäre? Das wird beispielsweise in dem US-BIP mit eingerechnet. Noch schlimmer wirkt
sich die Berechnungsmethode der hedonischen Preismessung
aus. Hier führt Wikipedia das folgende Beispiel auf: Ein Rechner mit einer Festplatte von 250 GB kostet 900 Euro.
Ein Jahr zuvor besaß ein vergleichbarer Computer eine Festplatte von nur
120 GB und kostete 850 Euro. Andere Leistungsmerkmale sollen sich in
diesem Beispiel nicht unterscheiden. Ein direkter Preisvergleich ergäbe, dass
Computer sich um 5,9 Prozent verteuert haben. Bezieht man den Preis aber auf
die Größe der Festplatte, so kostet er heute 3,6 €/GB, vor einem Jahr
7,1 €/GB, was einem Preisrückgang um fast 50 % entspricht. Letzteres
würde man bei Verwendung hedonischer Preise bei der
Ermittlung eines Preisindex berücksichtigen. Was in diesem Fall einen
angeblichen Preisverfall darstellen soll, wird bei der BIP-Berechnung als
höherwertigere Ware eingerechnet. Die 7,10 Euro pro Gigabyte werden mit 250
GByte multipliziert und ergeben so eine Wertschöpfung von 1.775 Euro. Obwohl
der Kunde nur 900 Euro dafür zahlt – eine fast 100 prozentige
Erhöhung des BIPs. Legt man dies nun bei
der Berechnung des realen Bruttoinlands-Produkt zugrunde, bei welchem das
nominale BIP um die offiziell ausgewiesene Preissteigerung bereinigt wird, dann
ergibt sich ein doppelter Hebeleffekt: In das nominale BIP fließen durch die
höhere Speicherleistung Beträge in die BIP-Berechnung ein, die rein fiktiv
sind. Und die Preissteigerung wird durch die angebliche Preis senkende Wirkung
des Rechners zusätzlich nach unten gedrückt. Heraus kommt ein viel zu hoch
berechnetes reales BIP. Um die unglaublich
erscheinende Wirkung dieses Beispiels weiter fortzusetzen: Aus 900 Euro
nominalen BIP werden also 1.775 Euro (auch nominal). Bereinigt um den
Preisverfall von 50 Prozent entsprechen die 1.775 Euro also einem realen BIP
von 3.500 Euro. Schon hat die Statistik ein reales Wirtschafts-Wachstum von
fast 200 Prozent gezaubert (von real 900 Euro auf real 3.500 Euro) – ohne
dass die Volkswirtschaft wirklich mehr erwirtschaftet hätte. Denn die
zusätzliche Rechnerleistung wird gleich wieder durch komplexere Software
verbraucht – aus Sicht des Verbrauchers verbleibt ein Rechner mit
ungefähr gleichen Leistungsdaten. Das Spiel wird bei Autos
und anderen Elektronikgütern weitergetrieben und führt so wegen der massiven
Wirkung – wie im obigen Beispiel gezeigt – selbst bei einer kleinen
Gewichtung im Warenkorb und im BIP zu Zahlen, die leicht einige Prozente weg
von der Realität sein können. Wie würden die Märkte
reagieren, wenn Deutschland einen realen Rückgang des BIP von 5 Prozent zum
Vorquartal melden würde – wenn man die Bogus-Zahlen
der hedonischen Preismessung aus der Statistik
herausrechnen würde. Ich vermute, dass der
Q2-Aufschwung in Deutschland in Wirklichkeit ein kräftiger Abschwung war. Auf
alle Fälle war es kein XXL-Aufschwung, sondern
höchstens ein XXS-Zuwachs – statistisch bereits
sehr nahe an einer Stagnation. Wichtige Marktdaten im Überblick
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